Seine Gäste suchen den inneren Frieden

ENGELBERG ⋅ Über das Osterwochenende ins Kloster: Die Nachfrage ist gross. Alle 23 Betten sind ausgebucht. Abt Christian Meyer erzählt, was die Gäste erwartet.

27. März 2016, 05:00

Marion Wannemacher

Vom Hohen Donnerstag bis Ostermontag zu Gast im Kloster Engelberg: Wer die Pforte mit dem Gittertor durchschreitet, betritt eine andere Welt. Die Website Sakrallandschaft Innerschweiz verspricht: «Dank der Ruhe hinter den Klostermauern und der atemberaubenden Landschaft des Hochtals Engelberg sind besinnliche Ostertage in Gemeinschaft garantiert.» 23 Betten bietet das Kloster an – alle sind ausgebucht und immer noch kommen Anfragen.

Schlicht – ohne Schnörkel

«Unsere Gäste sind Ehepaare, Singles oder Familienangehörige von Mitbrüdern. Sie kommen aus der Schweiz, aus Deutschland und Belgien», erzählt Abt Christian Meyer. Und was erwartet sie? «Ein Mitfeiern d er Liturgie von Psalmsonntag bis Ostern in der Klosterkirche mit dem altersdurchmischten Stiftschor», sagt Abt Christian. «Das ist eine würdige und festliche Stimmung.» Die Liturgie sei nach den klaren Richtlinien der Benediktiner gestaltet, sehr schlicht und nicht zu verschnörkelt, aber auch mehrgenerationenfähig gestaltet, denn teilweise würden auch Erstkommunikanten aus der Pfarrei teilnehmen. Wenn es sich Gäste zutrauen, können sie mit den Benediktinermönchen mitsingen. Sie erhalten die Texte der Liturgie.

Abt wäscht Kindern die Füsse

Am Hohen Donnerstag gehört die traditionelle Fusswaschung zum Abendgottesdienst. So wie es Jesus bei seinen Jüngern einst getan hat, wäscht der Abt auf den Stufen vor dem Altar den Erstkommunikanten symbolisch die Füsse. Etwa 40 bis 50 Prozent der Logiergäste im Kloster sind Stammgäste, schätzt der Abt. «Sie kommen seit Jahrzehnten.» Andere übernachten im Dorf, besuchen aber regelmässig die Gottesdienste. «In der Zwischenzeit kennt man dann schon die Grosskinder», sagt Abt Christian. Man nimmt aneinander Anteil.

Die Wohnbereiche sind getrennt, der Gast verfügt über ein schlichtes, aber komfortables Zimmer mit Dusche und WC. Fredy und Brigitte Hägi aus Sursee sind gerade erst im Kloster angekommen. Sie loben die Ausstattung. «Das Zimmer ist wunderbar, wir haben einen wunderschönen Eindruck, wir sind nett und liebenswürdig empfangen worden», sagt Brigitte Hägi.

Die Klosteranlage kennt sie von Kindesbeinen auf. «Sie hat mich damals schon beeindruckt.» Als das Ehepaar vor zwei Jahren das Kloster besichtigte, sah es auch die Gästezimmer. «Ich dachte, wow, da mal wohnen zu können, das wäre toll», erzählt Brigitte Hägi.

Sehen die Zimmer der Mönche auch so aus? «Die sind individuell eingerichtet», erklärt Abt Christian. «Die Mönche bringen an Möbeln mit, was sie möchten.» Bei ihm persönlich sei das nicht viel gewesen: «Ein kleiner Tisch, den ich in der Schule im Werken selbst gebaut habe, sonst nichts.»

Essen: Mönche ziehen sich zurück

Gegessen wird in separaten Räumen. Lediglich «sehr vertraute Stammgäste» essen mit den Mönchen zusammen, so der Abt. Das Fasten ist eine persönliche Entscheidung der 11 Priester und 10 Brüder der Benediktinerabtei. Bis Ostersonntag gibt es lediglich einfache Gerichte. Am Karfreitag etwa gab es Käsekuchen am Mittag und am Abend Café complet. Heute am Ostersonntag gibt es Lamm, Gitzi und Gemüse. Als Vorspeisen Quiche Lorraine mit Spargeln und die «Dreifaltigkeitssuppe» mit Bouillon, als Einlage Eigelb, Eiweiss und Tartar (die «Schöpfungssuppe» steht für das neue Leben). «Was es zum Dessert gibt, weiss ich nicht, aber das Essen ist gut, da mache ich mir keine Sorgen», sagt der Abt.

«Die Gäste suchen Trost»

Natürlich geht es bei einem Klosteraufenthalt nicht in erster Linie ums leibliche Wohl. Einige der Gäste haben Seelsorgeanliegen. «Sie suchen Trost, manche haben einen Todesfall zu verarbeiten, oder es gibt im Geschäft eine Umstrukturierung. Jemand sorgt sich um die Arbeitsstelle. Andere haben Glaubensfragen, Zweifel, Fragen zu Aussagen über Gott», sagt der Abt.

Neue Perspektiven im Glauben

Und auch das kommt vor: «Wir haben schon Konfessionslose hier gehabt, die plötzlich einen neuen Zugang zum Glauben gefunden haben. Durch Gebet und Begegnungen kann sich plötzlich etwas Neues eröffnen», sagt der Leiter der Benediktinerabtei.

Und was wünscht der Abt seinen Gästen zu Ostern, zur Auferstehung Jesu? «Ich wünsche ihnen Freude des Glaubens, der Hoffnung, dass das Leben das letzte Wort hat.»

Offen für Begegnungen

An ihren Aufenthalt im Kloster haben Brigitte und Fredy Hägi zunächst einmal keine festgelegten Erwartungen geknüpft. Dass sie nicht gemeinsam mit den Mönchen essen, enttäuscht sie nicht. Darüber waren beide informiert. Wenn man Kontakt wolle, müsse das ja nicht beim Essen sein. «Wir können die Liturgie mitfeiern und zur Ruhe kommen, abseits vom Trubel. Das ist etwas anderes, ein paar Tage so Ferien zu machen», sagt Fredy Hägi. Wenn es ihnen gefällt, wollen sie wieder kommen.

Einer, der jedes Jahr eine Woche im Kloster verbringt, ist Iso Tuor aus dem Kanton Graubünden. Sein Sohn lebt im Kloster. «Ich schätze vor allem die schöne Liturgie mit viel Gesang», sagt er. «Es ist ein strukturiertes, geachtetes Leben hier, eine Ruhe und eine gute Gemeinschaft», betont er. Was er mitnimmt? «Vielleicht die Bestätigung, dass man auf dem richtigen Weg ist, dass das Leben einen Sinn hat und über Ostern Hoffnung auf ein zukünftiges Leben, das gibt Zuversicht und eine innere Ruhe.»
 

Hier sind Auszeiten hinter Klostermauern möglich

Zentralschweiz red. Auch andere Ordenshäuser bieten Angebote für eine Auszeit in ihren Räumen an. So ist auch das Stanser Kapuzinerinnen-Kloster St. Klara für Auswärtige offen. Die «offenen Zeiten» sind Zeitfenster im Jahr, in denen Frauen als Gäste in der Klostergemeinschaft leben können. Zum Angebot gehört, dass die Frauen mit den Schwestern essen und beten und Gemeinschaft erfahren, ansonsten die Zeit zur freien Verfügung haben. Die Frauen wohnen in einfachen Gästezimmern.

Mit der Bibel auseinandersetzen

Die Wochenenden in der Stille im Kloster sind gestaltete Zeiten. Diese Tage beinhalten verschiedene Elemente: Auseinandersetzung mit einem biblischen Text, Meditation, Austausch, Teilnahme am Gebet der Schwestern, gemeinsam essen. Auf Wunsch sind bei allen Angeboten persönliche Einzelgespräche möglich – im Sinne von unterstützender Begleitung.

Lesen, spazieren, wandern

Das Kloster Einsiedeln bietet nach Rücksprache mit dem Gästepater für Männer die Möglichkeit zu einem Aufenthalt im Kloster für eine Dauer von einer Übernachtung bis zu einer Woche. Es wird von den Gästen erwartet, dass sie an den Gebets- und Essenszeiten der Gemeinschaft teilnehmen. Die übrige Zeit steht während des Aufenthalts zur Verfügung für Ruhe, Lesung, kleine Spaziergänge und Wanderungen, heisst es.

Das Kloster Baldegg bietet in der Klosterherberge verschiedene Angebote für eine individuelle Ferien- oder Auszeit, so etwa Lern- und Schreibtage oder Besinnungstage.

Besucher müssen mithelfen

Im Lassalle-Haus in Edlibach bei Menzingen stehen die Türen offen für einen spirituellen Aufenthalt von drei bis sechs Monaten. Einfache praktische Arbeiten, die den spirituellen Prozess unterstützen, gehören zum Tagesablauf: Mithilfe in der Hauswirtschaft, in der Küche, im Park oder in der Haustechnik. Die 21 Wochenstunden Mitarbeit decken den grössten Teil der Kosten.

Hinweis

Mehr Informationen finden Sie unter: www.kloster-st-klara-stans.ch www.kloster-einsiedeln.ch www.klosterherberge.ch www.lassalle-haus.org

Marion Wannemacher


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