Pax-Gebäude bringen Nachbarhäuser ins Rutschen

SACHSELN ⋅ Die Überbauung Spis mit fünf Mehrfamilienhäusern stösst auf heftige Kritik. Streitpunkte sind unter anderem Rutschungsschäden an Strasse und Anliegerbauten.

27. September 2016, 05:00

«In Bodenplatten und Wänden meines Einfamilienhauses im ‹Chapfli› gibt es allenthalben gut sichtbare Risse, weder das Garagentor noch die Fenster kann man noch richtig öffnen und selbst die Gartentreppe ist völlig schief», beklagt sich Immobilien-Fachmann Werner Ettlin. All diese Schäden seien entstanden, nachdem die Firma Pax mit Sitz in Basel für fünf neue Mehrfamilienhäuser unterhalb seines Hauses eine riesige Baugrube ausgehoben habe. «Die Stabilität der obliegenden Häuser ist seither nicht mehr garantiert, auch die Chapflistrasse hat sich abgesenkt», ist Ettlin überzeugt. Die Risse, entstanden durch eine Rutschung, beträfen nämlich das Fundament.

Inzwischen habe ein geologisches Gutachten von Viktor Zürcher Fehleinschätzungen bezüglich der Verankerungspraxis seitens der Firma Pax festgestellt, fügt Ettlin bei. Die Zürcher Firma dieses Ingenieurs sei spezialisiert auf Bauexpertisen und Gutachten von Bauschäden und Baumängeln. Ettlin hat den Experten auf eigene Kosten mit der Untersuchung betraut. «Im Zuge jahrelanger Auseinandersetzungen mit der Pax habe ich allein für Anwaltskosten 120 000 Franken ausgegeben.» Davon sei bislang nur ein kleiner Teil rückerstattet worden. An dringende Sanierungskosten jedoch habe er noch keinen Rappen erhalten.

Ettlins Forderung: «Wir wollen keine Kosmetik, sondern die Garantie, dass die Baugrube so verankert wird, dass sie dem Hangdruck stabil widerstehen kann.» Inzwischen hat die Bauherrin Pax zum Fall «Spis» im Einverständnis mit allen Parteien ein Schiedsgutachterverfahren in Auftrag gegeben. Involviert ist auch die Gemeinde, die nach Ansicht von Ettlin ihre Aufsichtspflicht ursprünglich auch eher mangelhaft wahrgenommen hat.

Baustopp wurde erwogen

Der Sachsler Bauchef Karl Kiser bestätigt, dass sich seit 2014 auch die Gemeinde mit den Streitigkeiten rund um die Überbauung Spis befassen müsse. Die Baubewilligung für die fünf Mehrfamilienhäuser wurde 2011 erteilt und das darin geforderte geologische Gutachten 2013 genehmigt. Letzteres sei mit zwei Auflagen verknüpft gewesen. Sie lauteten: «Vor Baubeginn ist eine Zustandsaufnahme der unmittelbar benachbarten Bauwerke auszuführen, und während der Bauphase ist zwingend eine geotechnische Begleitung vorgeschrieben.»

Am 17. April 2014 – als an obliegenden Gebäuden erste Schäden gemeldet wurden – musste die Gemeinde indes feststellen, dass die Bauherrschaft in der Ausführung vom Vorschlag einer gestuften Baugrubensicherung abgewichen war. «Unser Bauamt besichtigte und protokollierte die Schäden vor Ort und forderte die Bauherrschaft auf, die Bohrprotokolle der Baugrubensicherung einzureichen», hält Kiser fest. Auch sei ein Geologe zugezogen worden. An ihn erging der Auftrag, Abweichungen zwischen dem geotechnischen Bericht und der tatsächlichen Ausführung festzustellen. «Wir erwogen zu diesem Zeitpunkt auch einen Baustopp, sahen aber davon ab, da eh nicht gebaut wurde, weil die ausführende Bauunternehmung Betriebsferien hatte», hält Kiser fest. Auch zwei beigezogene nationale Gutachter bestätigten, dass ein Baustopp wenig Sinn mache, weil in dieser Phase der Baugrubenzustand am gefährlichsten sei.

Fehlende Verankerung nachgeholt

«Wir haben aber sofort verschiedene Massnahmen terminiert», betont der Sachsler Bauchef. Die zwei nationalen Gutachter stellten fest, dass nur 69 Prozent der geforderten Baugrubensicherung erreicht wurde. Für die notwendige Sicherheit wären aber gemäss SIA-Normen bis zu 138 Prozent nötig gewesen. «Einen Monat später erhielten wir die Bestätigung, dass hier nicht den Regeln der Baukunst entsprechend gebaut wird», räumt Gemeinderat Kiser ein. Sofort wurde beispielsweise festgelegt, «dass vorläufig nur noch Arbeiten ausgeführt werden dürfen, welche der Hangsicherung dienen.» Daraufhin wurden die Liftschächte mit Sickerbeton hinterfüllt und zusätzliche Ankerriegel verbaut.»

Ralf Ditt, Leiter Baumanagement & Realisation bei Pax, bestätigt auf Anfrage, dass aktuell «letzte bauliche Massnahmen» ausgeführt würden. Da die Firma offenbar den Verkauf der Wohnungen noch diesen Herbst starten will, drängen sich neue Fragen auf: Wird man die Verantwortung für Spätschäden durch weitere Hangabsenkungen und Rutschungen via Grundbucheintrag an Käufer weitergeben oder die Langzeithaftung selber übernehmen? Diese und andere Fragen wollte Ditt unserer Zeitung nicht beantworten: Das laufende Schiedsgutachterverfahren dürfe nicht beeinflusst werden.

Im Gegenzug dazu drohte er: «Sollten nun Parteibehauptungen publiziert werden, welche von Gutachten nicht bestätigt werden, und unser Unternehmen dadurch zu Schaden kommen, werden gegen sämtliche Personen, die an der Verletzung mitwirken, die erforderlichen rechtlichen Schritte und Massnahmen zur Schadloshaltung ergriffen.»

Romano Cuonz


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