Am Pilatus sollen neue Triebwagen her

ALPNACHSTAD ⋅ Ein Ingenieurbüro erarbeitet eine Neukonzeption für die Zahnradbahn der Pilatusbahnen. Ab 2022 dürften neue Triebwagen den Berg hinauffahren – ob nostalgische oder moderne, ist allerdings noch offen.
16. April 2017, 08:57

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@obwaldnerzeitung.ch

Die nach eigenen Angaben «steilste Zahnradbahn der Welt» von Alpnachstad auf den Pilatus ist nach wie vor sehr beliebt. Dies auch, obwohl die Frequenzen im letzten Geschäftsjahr um 45000 auf 364300 Passagiere zurückgegangen sind. An Spitzentagen im Sommer nehmen Touristen aus aller Welt, darunter viele Asiaten, Wartezeiten bis zu 90 Minuten in Kauf, um auf den Berg zu kommen. Die Rekordzahlen liegen an Spitzentagen bei 5000 bis 6000 Besuchern.

Für den Rückgang gibt es laut Mediensprecher Tobias Thut drei Gründe. «Die Zahnradbahn nahm ihren Betrieb aufgrund der Schneesituation erst im Mai auf und war im November aufgrund des frühen Schnees auch eine Woche geschlossen», sagt er. Zudem sei allgemein ein Rückgang bei den Gruppen zu verzeichnen. Und schliesslich habe auch der «Dragonride», die neue Kabine auf der Luzerner Seite, immer noch Neuheitscharakter – und damit Passagiere abgeworben. «Die Leute wollten diesen erleben.»

Rund 35 Minuten dauert eine Fahrt auf den Berg mit der Zahnradbahn, 200 Fahrgäste können pro Kurs mit fünf Triebwagen bergauf und bergab transportiert werden. «Die Frage, wie wir die Kapazität erhöhen können, ist für uns ein wichtiges Thema», sagt Thut. «Unsere Geschäftsleitung ist daran, mit einem Team der Zahnradbahn eine Neukonzeption zu erarbeiten.» Dazu hat das Unternehmen einem Ingenieurbüro den Auftrag erteilt, Varianten zu erarbeiten.

«Unser Ziel ist, die Wartezeiten zu verringern»

Dabei ist eines laut Thut auf jeden Fall klar: «Die Zahnradbahn bleibt.» Das habe der Verwaltungsrat bereits beschlossen. «Eine andere wichtige Frage ist, ob moderne Triebwagen oder wie bisher nostalgische eingesetzt werden.» Derzeit sind zehn Triebwagen im Einsatz, acht davon sind 55 Jahre alt, der modernste aus dem Jahr 1967 auch schon 50 Jahre. Zeit für einen Ersatz. Thut begründet die Pläne so: «Die Unterhaltskosten für die Zahnradbahn werden tendenziell grösser. Wir produzieren viele Ersatzteile für die Triebwagen selber, da sie nicht mehr auf dem Markt verfügbar sind.» Das Ingenieurbüro muss auch mit zwei wichtigen Randbedingungen leben: Trassee und Tunnel sind die fixen Vorgaben und schränken mögliche Planungen entsprechend ein, auch beispielsweise bei der Frage, ob grössere Wagen eingesetzt werden können. Von Unterbau und Trassee hänge auch ab, ob an den Fahrzeiten etwas geändert werde.

Wenn man in die Geschichte der Pilatusbahnen schaut, fällt auf, dass man bereits 1905 daran gedacht hat, den Bahnbetrieb von Dampf auf Elektrotriebwagen umzustellen. Tatsächlich in Betrieb genommen wurden diese jedoch erst 32 Jahre später. Wird es noch einmal so lange dauern, bis es neue Triebwagen gibt? Der Pressesprecher schmunzelt und antwortet: «Nein, maximal fünf Jahre.» Ziel sei, dass die neuen Triebwagen 2022 fahren. «Es gibt hier aber keine Standardlösungen, was bedeutet, dass bei Projekten dieser Grössenordnung auch noch einiges dazwischen kommen kann.» Über den zu erwartenden Finanzbedarf kann Tobias Thut derzeit noch nichts sagen. Mehr Leute in kürzerer Zeit auf den Pilatus zu bringen und dann noch eventuell in modernen Triebwagen – bedeutet das nicht auch den Verlust von Romantik? Thut sagt: «Dazu ist noch nichts entschieden, aber sicher wird das Design der Triebwagen wiederum etwas Einmaliges sein – ob nostalgisch oder modern. Zudem ist es nicht unser Ziel, dass wir in den Spitzenzeiten noch mehr Leute auf den Berg bringen. Unser Ziel ist aber, die Spitzen zu brechen und die Wartezeiten zu verringern.»


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