Schneeparadies: «Nur ein Grabenkampf»

MELCHSEE-FRUTT ⋅ Gibt es nicht Interessenkonflikte, wenn der Titlis-Bahn-Chef auf der Frutt mitredet? Nein, sagt Korporationspräsident Niklaus Ettlin. Er verteidigt Zusammenarbeit und eine mögliche Zusammenlegung.

01. Dezember 2016, 05:00

Die Sportbahnen Melchsee-Frutt der Korporation Kerns wollten schon länger externes Know-how von Nichtbürgern in ihre Verwaltungskommission wählen. Neu ist das möglich, und der Korporationsrat machte davon bereits Gebrauch. So ist neu der CEO der Titlis-Bahnen, Norbert Patt, in dieser Kommission. Das fand Bürger Erich von Rotz verdächtig. Er hatte in vor der Versammlung eingereichten Fragen vom Korporationsrat wissen wollen, ob das nicht Interessenkonflikte gebe. Die Titlis-Bahnen seien nach wie vor am Schneeparadies interessiert, sie hätten auf dem Hasliberg finanziell ausgeholfen und den Frutt-Bahnen in der Krisenzeit Personal zur Verfügung gestellt. Wenn nun Patt in dieser Kommission sitze, «kommt er zu Informationen, wie die Frutt dasteht, zu Fachwissen, das er auf Engelberger Seite einsetzen kann», so von Rotz.

Korporationspräsident Niklaus Ettlin verteidigte die Wahl klar und gestand, dass er wesentlich mitverantwortlich sei, dass man Patt berufen habe. «Ich habe ihn bei unseren personellen Turbulenzen bei den Sportbahnen besser kennen gelernt. Unbestritten holen wir mit ihm Fachkompetenz und ein grosses Netzwerk.» Im Rahmen der erwähnten Zusammenarbeit hätten die Titlis-Bahnen in die Abläufe der Frutt reingesehen. «Ich wollte von ihnen eine Analyse der Betriebsführung. Die Rückmeldung war, dass wir beidseitig voneinander lernen können, was die Betriebsführung angeht», so Ettlin.

«Da muss man sich keine Sorgen machen»

Patt könne nicht alles bestimmen, schliesslich sei er nur einer von sieben, und über ihm stünden noch Korporationsrat und -versammlung. «Da muss man sich keine Sorgen machen», meinte Ettlin in seiner ausführlichen Antwortrede. Und die Betriebsgeheimnisse? «Im Geschäftsbericht stehen fast alle Geheimnisse, die wir haben, samt Offenlegung der Beteiligungen.» Der Bund mische sich heute so stark ein und wolle alle Informationen über Bahnbetriebe, sodass man keine Geheimnisse mehr haben könne. «Ich habe keine Angst, dass er Betriebsgeheimnisse mitbekommen könnte, weil wir faktisch fast keine haben.» Zudem sei Engelberg nicht der «gefährlichste Mitbewerber» der Frutt, wenn schon, müsste man über den Brünig schauen und die dortige Preispolitik beobachten. «Wir müssen grossräumiger denken, auch im Vergleich mit der ganzen Branche oder was in Andermatt passiert. Da sind wir nicht nur als Frutt, sondern gemeinsam mit Engelberg gefordert, dem zu entgegnen oder unser Angebot so zu gestalten, dass wir uns in diesem Umfeld, wo viel bahnfremdes Geld investiert wird, behaupten können.»

Grosses Fragezeichen ist die Wirtschaftlichkeit

In diesem Zusammenhang nannte Ettlin die einstigen Pläne von einem Schneeparadies (Zusammenschluss Titlis, Frutt und Hasliberg) zu einem einzigen Gebiet nur noch einen «ideologischen Grabenkampf. Diesen Feind und das Paradies gibt es grundsätzlich eigentlich nicht mehr.» Zwar bleibe eine mögliche enge Zusammenarbeit weiterhin ein Thema, aber dabei sei heute nicht mehr die Ökologie die grosse Hürde, sondern die Frage der Wirtschaftlichkeit. «Rechnet sich das, ist das betriebswirtschaftlich machbar? Unter den heutigen Voraussetzungen brächten wir die Wirtschaftlichkeit nicht zum Laufen, diese Einsicht haben inzwischen auch die Engelberger. Aber wir dürfen nicht einfach die Türen zuschlagen, wir wissen nicht, in welcher Situation wir in fünf oder in zehn Jahren sind», betonte Ettlin.

Das aktuelle neue Leitbild für die Melchsee-Frutt verlange eine «gemeinsame vertiefte Entwicklung zu einem überregionalen Erholungsgebiet» zur Bereicherung des Gastangebots im Sommer und Winter. «Wir stehen dazu, dass wir abklären wollen, wie sich ein solcher Zusammenschluss rechnen würde. Aber klar ist auch: Wir unterstützen fundierte Abklärungen, sehen uns aber weiterhin nicht als Initianten eines Zusammenschlusses respektive eines allfälligen Projekts. Und wenn, würden Entscheide in dieser Richtung wieder hier drin fallen», sagte Ettlin abschliessend.

Alles andere genehmigt

Die Gemeindeversammlung von Kerns hat am Dienstagabend  ausser der Aufstockung des Schulhauses Dossen (Ausgabe von gestern) allen Geschäften zugestimmt. Das Budget 2017 und die Einbürgerungen der Einwohnergemeinde passierten diskussionslos. 

Auch bei der Korporationsgemeindeversammlung entstand zu keinem Traktandum Opposition. So wurden 340 000 Franken für eine automatische Lawinensprenganlage auf der Frutt genehmigt und 550'000 Franken für die Kaufübernahme der Älplihütte Cheselen. Präsident Niklaus Ettlin wurde letztmals für ein Jahr (Amtszeitbeschränkung) bestätigt. 

Die Alpgenossen schliesslich hiessen einen Darlehensbeitrag von 150'000 Franken als Unterstützung für den Spiel- und Erlebnisweg auf der Frutt gut. Das Geld dafür wird aus einem Fonds entnommen, der aus Parkgebühren des Parkplatzes Melchsee-Frutt gespiesen wird.
 

Markus von Rotz


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