Sie üben für den Auftritt vor dem Papst

OBWALDEN ⋅ Dirigentin Silvia Windlin, Komponist Heinz Willisegger und Texterin Lisbeth Arnold haben die Bruder-Klaus-Jodlermesse geschaffen. Höhepunkt für den heimischen Klub ist eine Aufführung im Petersdom.
19. März 2017, 09:29

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Wenn Dirigentin Silvia Windlin von ihrer Stimmgabel den Ton abnimmt – Männern und Frauen im Jodlerchor den Einsatz für den «Wägwyser Juiz» gibt, Ton für Ton mitgeht, mitfühlt –, scheint sie in eine andere Zeit und Welt einzutauchen. In die Welt des Ranft-Eremiten Bruder Klaus. «Vor vier Jahren wurde mir klar, dass ich zum 600. Geburtstag von Bruder Klaus mit dem Jodlerklub Flüeli-Ranft eine Jodlermesse aufführen möchte», sagt die Dirigentin von vier Jodlerklubs. Bekannte Jodlermessen – etwa von Jost Marty, Heinz Willisegger oder Thomas Wieland – habe es zwar schon gegeben. Jedoch, so Windlin: «Keine von ihnen stellt Bruder Klaus mit seinen Kerngedanken und der Friedensbotschaft in den Mittelpunkt.»

Die mittlerweile landesweit bekannte Kernser Jodeldirigentin und Pädagogin begann sich intensiv mit dem Leben und den Worten des Eremiten auseinanderzusetzen. «Ganze Ordner mit Dokumenten legte ich an, bevor ich es wagte, für eine Liturgie­feier in Prosa sechs einfache Liedtexte zu schreiben», sagt sie. Gleich gewusst habe sie, wie die ersten Worte beim Einzug lauten mussten: «Der Name Jesu sig ywe Gruess.» Als sie dann alle Texte beieinander hatte, holte Silvia Windlin zwei Weggefährten, mit denen sie das grosse Werk zu Ehren des Landesheiligen schaffen wollte, ins Boot. Ihr früherer Lehrer Heinz Willisegger aus Ettiswil sollte die Musik komponieren. Der 75-jährige Musiker, der heute in Locarno lebt, sagte freudig zu. Die Melodien, die er nun kreiert hat, sind schlicht und wohltönend. Sie bewegen sich in ständigen Wechseln zwischen Dur- und Moll-Harmonie. Und da ist etwas, das es im Jodeln noch nie gab: Zum Sanctus wird das Lied «Dä Friedä isch allwäg i Gott» als Kanon gesungen! Diese fast schon «revolutionäre» Idee kam von der Dritten im Bunde, der Mundarttextdichterin und Jodlerin Lisbeth Arnold aus Kulmerau/Triengen. Sie ist es, die allen Texten eine wohlklingend rhythmische Metrik verliehen hat.

Melodien aus der Ranft-Tiefe

«Diese Arbeit wurde zum Prüfstein meines Könnens», sagt Arnold. Die Lieder hätten ja dem Komponisten wie den Jodlerinnen und Jodlern zusagen müssen. Und Silvia Windlin lobt: «Heute stimmen Inhalt, Rhythmus und Musik überein. Der Ranft ist ein Kraftort, hier suchen Menschen von nah und fern die Hilfe eines grossen Mittlers und Heiligen.» Ranft-Tiefe, aber eben auch Ausstrahlung sollen in der neuen Messe aufklingen: «Friedä us der Tiäfi tiänd miär singä.» Deshalb hat Silvia Windlin den Chor, den sie seit 2008 leitet, durch Gastsängerinnen und -sänger aus allen Landesteilen verstärkt und ergänzt. Aus Graubünden, dem Wallis oder Luzern und Nidwalden kommen sie. Eine von ihnen ist die Pflegefachfrau und Tenorsängerin Cornelia Steiger aus Hochdorf. Sie schwärmt: «Die harmonischen Melodien und die sinnigen Texte fügen sich wunderschön zusammen, nun hoffe ich, dass es uns gelingt, die Botschaft zu den Herzen möglichst vieler Leute zu bringen.»

Seit der Gründung vor 50 Jahren singt der frühere Politiker und Kaufmann Cherubim Omlin vom Flüeli mit. «Unser Jodlerklub war immer auch kirchlich orientiert, und da bestand natürlich der Wunsch, auf den Geburtstag von Bruder Klaus hin etwas ganz Besonderes zu machen», sagt er. Das Werk beurteilt er voller Begeisterung: «Das ist mehr als eine Jodlermesse. Das ist ein Konzert, und ich staune, wie Heinz Willisegger dieses Werk mit Herz und Seele geschaffen hat.» Aufgeführt wird es kommende Woche in Flüeli-Ranft – beide Konzerte sind bereits ausverkauft. Am 6. Mai erklingt die Jodlermesse sogar im Petersdom in Rom. Der Chor tritt dort anlässlich der Vereidigung der Schweizergarde auf.

Etwas erwähnt Silvia Windlin nur ganz am Rand: dass auch sie zu dieser Messe mit dem Naturjodel «Dä Wägwyser Juiz» ihre allererste eigene Komposition beigesteuert hat. Ein musikalisches Bijou ist es. Jemand scheint zu rufen. Plötzlich kommt eine Antwort. Die Stimmen treffen aufeinander, schliesslich endet die Naturmelodie in einem harmonischen Miteinander. So, wie es in diesem Jahr eben sein soll.

Hinweis
Die offiziellen Konzerte vom 21. und 25. März sind ausverkauft. Die Jodlermesse wird an drei weiteren Daten (25. Mai sowie 24. und 25. September) im kleinen Rahmen an Gottesdiensten in Flüeli-Ranft aufgeführt. Weitere Informationen: www.bkjm.ch


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