Sie umrunden zu Fuss die Welt

KÄGISWIL ⋅ Cyrill Wyrsch und Angela Kaufmann brechen Ende Mai mit einer Karrette zum Abenteuer ihres Lebens auf. Die Idee dazu kam den beiden ganz spontan.

17. März 2017, 05:00

Carina Odermatt

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Eines schönen Frühlingstages im vergangenen Jahr genossen Cyrill Wyrsch (28) und Angela Kaufmann (23) auf ihrem Balkon die Sonne. Aus dem Nichts meinte sie, sie könnten doch einfach die Wohnung künden, ihre Sachen packen und zu Fuss die Welt erkunden. Ihr Lebenspartner sagte nichts dazu, etwas später stand er auf und kam mit einer Weltkarte zurück auf den Balkon. «Wohin willst du denn gehen?», fragte er sie.

Seit diesem Moment verfolgen die Kägiswiler ein Ziel, das für manch einen gefährlich, unmöglich oder naiv klingen könnte. Sie wollen gemeinsam zu Fuss die Welt umrunden. Das Projekt nennen sie «Our Way to Dis­cover». Ende Mai soll es losgehen, von Sarnen aus will das Paar in den Osten, unter anderem über Österreich, Rumänien, die Türkei, Georgien und Usbekistan. Bis dahin sei die Reise bereits detailliert geplant; im Winter wollen die beiden Obwaldner in Usbekistan ankommen, anschliessend Asien durchqueren und mit einem Frachtschiff nach Südamerika reisen.

Den amerikanischen Kontinent werden sie von West nach Ost durchqueren und dann per Frachter wieder zurück nach Europa. «Detaillierter planen werden wird die Reise dann erst unterwegs», erklärt Angela Kaufmann. Auch die Dauer der Reise können sie noch nicht genau bestimmen. Sie sind sich einig: «Wir rechnen mit mehreren Jahren, wollen aber so lange unterwegs sein, wie es uns gefällt.»

Für das Gepäck haben Wyrsch und Kaufmann eine Karrette gebaut, die aus Leitern und zwei Schubkarrenrädern besteht. «Die Planung und der Bau der Karrette waren sehr aufwendig. Sie sollte zusammenklappbar, einfach und robust sein. Zum Glück bekamen wir Hilfe», erzählt Cyrill Wyrsch. Streckenabschnitte mit einem Maultier oder Kamel sind vorgesehen, um in wenig besiedelten Gebieten genügend Proviant mitnehmen zu können. Übernachten wollen die beiden im Zelt und Biwak.

Zurzeit sind die Vorbereitungen für die Reise in vollem Gange. Wyrsch, der als Innendekorateur und später als Securitas gearbeitet hat, hängte seinen Job bereits letzten September an den Nagel, um sich voll der Reiseplanung widmen zu können. Auch seine Partnerin, die ursprünglich Detailhandelsfachfrau gelernt hat und nun seit mehr als drei Jahren im Service arbeitet, wird sich ab April Vollzeit auf die Reise vorbereiten. Denn es gibt noch einiges zu tun: die Ausrüstung organisieren, die Wohnung abgeben und die Karrette auf einem längeren Marsch testen. Ausserdem sind die Abenteurer dabei, Sponsoren für ihr Unternehmen zu suchen.

Zu Fuss ist man näher bei den Menschen

Cyrill Wyrsch wurde das Reisefieber bereits in die Wiege gelegt, er sei schon als Kind oft mit der Familie verreist. Kaufmann liess sich davon auch bald anstecken, sodass die beiden bereits auf 430 Reisetage in 23 Ländern zurückblicken können. Zu Fuss unterwegs war das Paar aber noch nie länger als drei Tage am Stück, obwohl Wandern zu ihren Hobbys zählt. «Zu Fuss sind wir näher an den Menschen und den Tieren, spüren alles intensiver und kommen leichter in Kontakt mit Einheimischen. Man kann das Land nicht nur sehen, sondern sogar riechen», schwärmt Kaufmann. Die zweite Leidenschaft des Paares ist die Fotografie, die durch die langsame Reiseart auch besser ausgelebt werden könne. Zudem sei ihnen der ökologische Hintergedanke sehr wichtig.

«Am meisten Bedenken haben wir wegen Unfällen und Krankheiten sowie davor, dass jemandem aus unseren Familien etwas zustossen könnte. Das wären Gründe für eine verfrühte Heimkehr», meint Wyrsch, und seine Partnerin stimmt ihm zu. So viel Zeit gemeinsam zu verbringen, macht den beiden jedoch keine Angst. «Wir waren schon in Australien auf sehr engem Raum über drei Monate zusammen. Wir sind wie Seelenverwandte», erzählt Kaufmann lachend. Seit über sechs Jahren sind sie nun ein glückliches Paar.

Auch für die Zukunft nach der Reise haben die beiden Kägiswiler bereits abenteuerliche Pläne. «Unser Fernziel ist es, eines Tages vom Reisen leben zu können. So möchten wir auch nach dieser Reise ein Buch schreiben und Vorträge halten», sagt Cyrill Wyrsch.

Hinweis

Interessierte können die Reise auf Facebook (Our Way to Discover) mitverfolgen oder die Reisenden auch per E-Mail kontaktieren auf ourwaytodiscover@hotmail.com.


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