Staatsarchiv bekommt Zuwachs

OBWALDEN ⋅ Das Stiftsarchiv des Benediktinerkollegiums Sarnen hat grosse Bedeutung für die Obwaldner Bildungsgeschichte der vergangenen 175 Jahre. Geordnet und inventarisiert ist es nun im Staatsarchiv zugänglich.

04. Oktober 2016, 05:08

Für die Bildungs-, Sozial- und Kulturgeschichte des Kantons Obwalden ist das seit 1841 in Sarnen beheimatete Benediktinerkollegium des Klosters Muri- Gries von grosser Bedeutung. Um den Zugang zu den einzigartigen Quellen des Klosterarchivs zu vereinfachen, wurde das reichhaltige Stiftsarchiv des Benediktinerkollegiums Sarnen geordnet, inventarisiert und dem Staats­archiv Obwalden als Depositum zur Aufbewahrung übergeben. Dies vor dem Hintergrund des 1000-Jahr-Jubiläums des Klosters Muri-Gries im Jahr 2027 und der Aufarbeitung der Klostergeschichte dafür.

Nach der Aufhebung des Klosters Muri 1841 durch die Aargauer Regierung erhielt ein Teil der Mönche in Sarnen Zuflucht, bevor das Kloster in Gries bei Bozen eine neue Heimat fand. Das Benediktinerkollegium in Sarnen blieb aber bestehen und bereicherte die Bildung und das kul­turelle Leben in Obwalden. Aus der renommierten «Kantonalen Lehranstalt» entstand schliesslich die heutige Kantonsschule. Die Benediktinermönche betätigten sich aber auch in der lokalen Forschung wie Archäologie, Geschichte und Namenskunde. Zudem prägten sie das kulturelle Leben des Kantons mit Literatur, Theater und Architektur entscheidend mit.

Lagerung im Staatsarchiv ist für alle Seiten ein Gewinn

Das Stiftsarchiv dokumentiert all diese Tätigkeiten. Es umfasst Handschriften, Nachlässe, Pläne, Fotografien und stellt eine wesentliche Grundlage für die Erforschung der Obwaldner Bildungs-, Sozial- und Kulturgeschichte der letzten rund 175 Jahre dar. Das Stiftsarchiv wurde von einer spezialisierten Firma vollständig erschlossen und archivgerecht verpackt. Da die Benutzung und die einwandfreie Aufbewahrung am bisherigen Standort im Professorenheim aus personellen und baulichen Gründen nicht gewährleistet werden kann, wird dem Klosterarchiv Gastrecht im Staatsarchiv gewährt. Der Obwaldner Regierungsrat anerkennt damit die grosse bildungspolitische und kulturelle Leistung des Benediktinerklosters für den Kanton und unterstützt die Forschung.

Die Aufbewahrung des Stiftsarchivs in Sarnen und die Möglichkeit, das Archiv vor Ort zu nutzen, sind für alle Seiten ein Gewinn. Das Kloster kann die Unterlagen sicher lagern, der Forschung und der interessierten Öffentlichkeit ist der Zugang in einem kontrollierten und betreuten Rahmen möglich, und der Kanton sichert den für die eigene Geschichte wichtigen Verbleib des professionell aufgearbeiteten Stiftsarchivs vor Ort. Das Archiv wird für die Erforschung der Klostergeschichte bereits genutzt, unter anderem für die Publikation zum Jubiläum der Kollegikirche St. Martin, deren 50-jähriges Bestehen am 22. Oktober gefeiert wird. (pd/red.)

Hinweis Die Recherche in den Beständen des Stiftsarchivs ist über die Online-Datenbank des Staatsarchivs möglich: www.staatsarchiv.ow.ch


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