Stiftsschule erlebt einen neuen Boom

ENGELBERG ⋅ Das Internat hat ein Platzproblem. Dieses geht so weit, dass der Rektor neuen Schülern eine Absage erteilen muss. Im Sommer startet nun die zweite Sanierungswelle des Internats – die der Neuausrichtung weiteren Auftrieb geben soll.
02. April 2017, 05:00

Christoph Riebli

christoph.riebli@obwaldnerzeitung.ch

Die Stiftsschule Engelberg reitet auf einer Erfolgswelle – die katholische Internats- und Tagesschule gehört gegenwärtig zu den ganz wenigen privaten Bildungsstätten mit steigenden Schülerzahlen. «Bei den Jungs waren wir im Vorjahr erstmals wieder bis auf den letzten Internatsplatz besetzt», sagt Rektor Matthias Nüssli. «Mitte Jahr mussten wir sogar Absagen erteilen.»

Nach dem wirtschaftlich bedingten Einbruch der Schülerzahlen 2008 kommt das nicht von ungefähr: Als erste Internatsschule der Schweiz bietet sie seit 2011 einen Doppelabschluss an – ein von Universitäten weltweit anerkannter Schulabschluss (International Baccalaureate/IB), der in die zweisprachige Maturität (Deutsch/Englisch) integriert ist. Die Internationalität, die Engelberg als Tourismusort geniesst, wächst so auch langsam im Bildungssektor heran: So hatte Rektor Nüssli gar schon thailändische Schulagenten im Büro sitzen. Gegenwärtig besuchen denn auch jemand aus Thailand sowie drei russische Schüler das Internat. Tendenz steigend: Schüler aus Italien und Luxemburg sind bereits angemeldet.

Der zweite Erfolgsfaktor: Das Benediktinerkloster, das seit bald 900 Jahren die Stiftsschule führt, unterstützt die Neuausrichtung mit hohen Investitionen von total rund 11 Millionen Franken. In den Sommerferien ist Baustart für die zweite Etappe (4,5 Millionen Franken) des Vollausbaus des in die Jahre gekommenen Internatgebäudes. Bereits 2014 wurde der Teil, in dem Buben untergebracht sind, für 6 Millionen Franken komplett saniert. Ab Sommer 2018 kommen nun die Mädchen in den Genuss zeitgemässer Zimmer.

Ohne Internat kein Gymnasium

«Ziel ist es, die Stiftsschule als Internatsschule weiter zu stärken. Es ist ein klares Bekenntnis des Klosters Engelberg zur Tradition der Lehrtätigkeit», sagt Daniel Amstutz, Geschäftsführer des Klosters und Leiter der Baukommission. Nach dem Umbau wird die Kapazität des Internats zwischen 90 und 100 Betten betragen, einheitlich und «sehr modern» ausgestattet sein. Heute sind rund 70 Betten verfügbar.

Gerade auch für den Bildungsstandort Engelberg ist diese Entwicklung zentral, so dass der Kanton eine Million Franken aus Fördergeldern als zinsloses Darlehen beisteuert. «Damit unterstreicht der Kanton die für das Dorf und Obwalden wichtige Rolle der Stiftsschule», sagt Geschäftsführer Daniel Amstutz. Rektor Nüssli ergänzt: «Ohne Internat gäbe es in Engelberg auch kein Gymnasium.» Denn rund die Hälfte der 120 Schülerinnen und Schüler stammt aus der übrigen Schweiz. «Pro Jahrgangsstufe führen wir je eine Klasse mit etwa 20 Schülerinnen und Schülern. Eine 10er-Klasse nur mit Einheimischen zu führen, das wäre finanziell nicht tragbar.» An dieses Szenario mag niemand denken: Das nächste Gymnasium liegt in Stans, die ausserkantonale Unterbringung wäre aber wohl ein politischer und finanzieller Streitpunkt, so dass die Engelberger Schüler im schlimmsten Fall in den Hauptort (Sarnen) im alten Kantonsteil an die Kantonsschule müssten.

Mehr Flexibilität bei der Unterbringung

«Wie bei anderen Internatsschulen auch treffen mehr Anfragen für Knaben ein», sagt Matthias Nüssli. Die für sie vorgesehenen 56 Plätze im Ostteil sind auch aktuell fast besetzt. Mit dem Umbau des Internats soll nun eine flexiblere Unterbringung möglich werden. Denn die strikte räumliche Trennung zwischen Buben und Mädchen gehört zu einem Internatsbetrieb wie das Amen zur Kirche. Im Westteil der Mädchen, den es aktuell zu sanieren gilt, sind von den gut 30 Betten aber nur etwa zwei Drittel besetzt. «Mit dem Umbau erhalten wir hier mehr Spielraum», sagt Nüssli. Sprich: Räume, die man je nach Nachfrage an Mädchen oder auch Jungs abgeben kann, da auf einem Stock die Nasszellen in die Zimmer integriert werden.

  • Die renovierte Schulhausfassade. (© Markus L’Hoste)
  • Der renovierte Speisesaal. (© Markus L’Hoste)
  • Ein renoviertes Schulzimmer. (© Markus L’Hoste)

Insgesamt 11 Millionen Franken werden in die Sanierung der Stiftschule Engelberg investiert. Bereits 2014 wurde der Teil, in dem Knaben untergebracht sind, für 6 Mio. Franken komplett saniert. Ab Sommer 2018 kommen nun die Mädchen in den Genuss zeitgemässer Zimmer.


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