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Neue Luzerner Zeitung Online, 19. April 2011, 15:57

Traum vom Mega-Glasfasernetz geplatzt

Der Spatenstich für die Verlegung der Glasfaserkabel in Zug erfolgt im Sommer. Zoom

Der Spatenstich für die Verlegung der Glasfaserkabel in Zug erfolgt im Sommer. (Archiv Neue LZ)

Als erster Kanton wollte Obwalden bis 2014 ein flächendeckendes Glasfasernetz. Dieser Traum ist geplatzt. Weil die zu erwartende Auslastung nicht den Erwartungen entspricht, hat das Elektrizitätswerk Obwalden (EWO) jetzt das Projekt «Fiber to the home» gestoppt.

Gross war im Januar 2010 die Euphorie im Obwaldner Kantonsparlament. Im neuen Glasfasernetz sah man neben der neuen Steuerpolitik (Flat Rate Tax) einen weiteren Standortvorteil für den Bergkanton. Als Aufsichtsorgan des EWO musste der Kantonsrat das Projekt «Fiber to the home» absegnen. Er tat es einstimmig.

Jetzt ist das ehrgeizige Projekt ausgeträumt. Der Verwaltungsrat habe das Projekt eingestellt, teilte das EWO am Dienstag mit. Während der detaillierten Planung habe man festgestellt, dass sich die Situation im Telekommunikationsmarkt kurzfristig stark verändert habe.

In grösseren Städte habe sich gezeigt, dass durch das so genannte 4-Fasermodell, bei welchem mehr als eine Faser zu jedem Kunden gebaut wird, ein Wettbewerb zwischen den Faser-Betreibern entsteht, schreibt das EWO. Das führe zu einem erhöhten Risiko, dass einzelne Fasern nicht ausgelastet seien, weil ein Kunde häufig nur die Dienste eines Anbieters in Anspruch nehme.

Risiko für EWO zu gross

Die so zu erwartende Auslastung der Fasern entspreche aber nicht den Erwartungen des EWO, heisst es weiter. Aufgrund der inzwischen gemachten Erfahrungen in den Städten wäre das geplante Glasfasernetz äusserst risikoreich.

Ein gemeinsamer Netzausbau mit der Swisscom hätte zwar günstigere Kosten zur Folge gehabt, hätte aber laut EWO den Wettbewerb verschärft und damit insgesamt keine ausreichende Reduktion des Risikos gebracht. Aus diesem Grund wurde das Projekt eingestellt.

Im Rahmen des Pilotprojektes wurden laut EWO- Verwaltungsratspräsident Hans-Jörg Bechter in Sarnen und Kerns 110 Haushaltungen angeschlossen. Dieses Pilotprojekt wird per Ende Mai 2011 eingestellt.

Swisscom prüft Übernahme

Die Swisscom will bis Ende Juni 2011 prüfen, ob sie das für das Pilotprojekt gebaute Glasfasernetz anschliessen und darauf ihre eigenen Dienste anbieten will. Laut EWO prüft die Swisscom weiter, ob in Alpnach-Dorf und Sarnen die flächendeckende Glasfasererschliessung durch Swisscom vorgezogen werden könnte.

Das EWO hat in das Pilotprojekt laut Bechter etwas über eine halbe Million Franken investiert. Der für die Umsetzung vorgesehene Kredit von 31 Mio. Franken wurde dagegen bis jetzt nicht angetastet. Ob die Kosten für das Pilotprojekt durch eine allfällige Übernahme durch Swisscom gedeckt würden, werde sich zeigen.

Unabhängig vom Projekt «Fiber to the home» betreibt das EWO seit 1985 ein Glasfasernetz. Anfänglich nur für den Eigenbedarf genutzt, wurde es 1995 ausgebaut. Mittlerweile sind an dem 140 Kilometer langen Netz die kantonale Verwaltung, Gemeinden, Schulen und Banken angeschlossen.

sda

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