Wer ist die nicht verfügbare «Siri»?

OB-/NIDWALDEN ⋅ Klarkommen mit dem iPhone. Aufgeben gilt auch für Senioren nicht. Hoffnungslose Fälle kennt Schulungsleiter Roman Niederberger nicht. In zwei Jahren hat nur einmal jemand abgebrochen.

01. Oktober 2016, 05:00

Allmählich trudeln Rosmarie von Rotz, Ruedi Bättig und alle anderen im Seminarraum von Pro Senectute in der Marktstrasse in Sarnen ein. Heute geht es um iPads und iPhones. Jeder Teilnehmer hat seine Geschichte: «Ich habe ein iPhone von meiner Tochter geschenkt bekommen», erzählt eine 83-Jährige aus Kerns. «Vor zwei Tagen wollte ich eine SMS abschicken, aber es ging nicht», erzählt sie. «Ich möchte schreiben, fotografieren und die Bilder schicken und telefonieren. Das will ich hier lernen», sagt sie selbstbewusst.

Ruedi Bättig hat sich sein iPhone vor zwei Wochen gekauft. «Vorher hatte ich nur ein gewöhnliches Natel. Das ist jetzt ein grosser Unterschied. Jetzt, wo ich pensioniert bin, kann ich auf Reisen gehen und mich im Hotel einloggen.» Eine weitere Teilnehmerin hat schon kompliziertere Ansprüche: «Die Kreditkarte aufs iPhone laden, eine App herunterladen, um die Heizung für die Ferienwohnung aus der Ferne einzustellen.»

Schämen muss sich hier niemand

Sich von den Jungen helfen lassen, das kommt für alle fünf Teilnehmer nicht in Frage. «Die haben ja eh keine Zeit», ist man sich einig. Und blamieren wolle man sich schon gar nicht. «Die Jungen wachsen damit auf», bestätigt Kursleiter Roman Niederberger (38), «ob sie immer damit umgehen können, ist eine andere Frage.» Mit dem iPhone klarzukommen, sei wie Jassen, ermutigt er: «Man muss es üben.» Im Kurs gehe es darum, Einstellungen anzuschauen, einzelne Funktionen und verschiedene Apps. «Wir werden im App-Store etwas kaufen und herunterladen», verspricht er – und was ihm besonders wichtig ist: «Die Angst verlieren.»

Locker und aufgeräumt ist die Stimmung unter den fünf iPhone- und iPad-Novizen. Schämen muss sich hier keiner, da ist man sich einig. «Die ‹Siri› ist nicht verfügbar», gibt eine Teilnehmerin zum Besten. «Wer ist denn die Siri?» Roman Niederberger erklärt ganz sachlich, dass es sich um den Sprachassistenten handele. Er baut schnell Vertrauen zu den Teilnehmern auf. Sie loben seine Geduld.

Ein Weg aus dem Nebel der Digitalisierung

Vor zwei Jahren hat sich Niederberger in Stans mit seiner Firma digiloz.ch selbstständig gemacht. Projektspezifisch arbeitet er immer wieder mit verschiedenen Partnern zusammen. «Für viele Leute ist Digitalisierung ein Nebel», sagt er und schult in jährlich 56 öffentlichen Kursen und Vorträgen nicht nur Senioren, sondern auch jüngere Teilnehmer und Eltern. Ausserdem bildet er Mitarbeiter von Unternehmen aus und berät Firmen. Seine Erfahrung mit den unterschiedlichen Altersgruppen: «Diejenigen mit den meisten Problemen sind Nutzer zwischen 40 und 60 Jahren. Senioren, die in die Kurse kommen, haben ein echtes Interesse.» Bei Pro Senectute Obwalden gibt es vier bis fünf Kurse über iPads und iPhones pro Jahr. Pro Kurs sind fünf bis sechs Teilnehmer dabei. Die sogenannten «hoffnungslosen Fälle» kenne er eigentlich nicht, sagt Roman Niederberger: «In den zwei Jahren, seit ich mich selbstständig gemacht habe, ist nur einmal jemand nicht aus der Pause wieder gekommen.»

Hinweis

Digitaler Stammtisch #digiBier in der «Melachare» in Stans, jeden dritten Dienstag um 18.30 Uhr.

Marion Wannemachermarion.wannemacher@ obwaldnerzeitung.ch


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