Ein Abstecher auf 32 Alpen – und das in drei Tagen

OBWALDEN ⋅ Als Korporationsverwalter liegen Walter Abächerli die Schwander Alpen am Herzen. Vor kurzem spürte er sie auch in den Beinen. 28 Stunden sass er auf dem Bike, um alle Alpen zu besuchen.
12. Oktober 2017, 07:20

Alle 32 Alpen der Korporation Schwendi mit dem Bike besuchen: Diese Idee schlummerte schon eine Weile im Kopf von Walter Abächerli, Verwalter der Korporation Schwendi und Kernser CVP-Kantonsrat. Erst dachte er, dass dies ein schönes Projekt während der Sommermonate sein könnte. «Dann aber packte mich der Ehrgeiz», erzählt Abächerli. Er beschloss, dieses Vorhaben innerhalb von nur drei Tagen durchzuziehen.

Und so stieg er kürzlich an einem Donnerstag am frühen Morgen auf sein Mountainbike und trat in die Pedale. Erst ging es schnurstracks nach Giswil – und dann begann die Schufterei. Via Panoramastrasse gings zu den Alpen Emme, Stafelschwand, Stafel, Stäfeli, Tagweid und Chlinge.

Nach der Übernachtung im Hotel Sörenberg folgten am zweiten Tag drei weitere Alpen in Giswil, dann ging es via Sattelpass weiter Richtung Glaubenberg. Ingesamt 20 Alpen kriegten an diesem Tag Besuch von Abächerli. «Das war der strengste Tag», erzählt er. Am dritten Tag schliesslich – diesmal übernachtete er daheim – folgten die Kernser Alpen Durren, Ruedsperri, Schwander Blacki, Ruedlen, Furmatt, Feltschi. «Mein Sohn begleitete mich auf einem Teil der Strecke.» Dies habe ihn zusätzlich motiviert – was auch nötig war. «Am letzten Tag habe ich die Anstrengung schon ziemlich in den Beinen gespürt», erinnert er sich schmunzelnd. Er steige zwar regelmässig aufs Bike, aber ein durchtrainierter «Freak», der solche Strecken mit Leichtigkeit schafft, sei er dann doch nicht. «Ich bin schon ziemlich an die Grenzen gekommen und musste mich durchbeissen», so der Korporationsverwalter.

Auf steilen Wegen musste er vom Sattel steigen

Ingesamt 28 Stunden war Walter Abächerli während den drei Tagen mit dem Bike unterwegs, 7600 Höhenmeter hat er bewältigt. Eine App auf dem Smartphone hat ihm dann angezeigt, dass dies 210 Leistungskilometern entspricht. (Die tatsächliche Strecke ist etwas kürzer, bei Leistungskilometern werden auch Steigungen und Gefälle als zusätzliche Kilometer hinzugerechnet.) «Ich musste das Bike öfter schieben, als ich gedacht hatte», fährt Abächerli fort. Viele Wanderwege seien schlichtweg zu stotzig gewesen, um sie auf Rädern zu bewältigen.

Natürlich haben einige Älpler gestaunt, als da plötzlich der Korporationsverwalter mit dem Bike vor der Hütte stand. «Oft waren die Alpen aber bereits verlassen und die Älpler und Tiere nach dem Sommer wieder im Tal. Wegen des guten Wetters waren auch viele zu Hause mit dem Heuen beschäftigt.»

Doch warum liegen so viele Alpen der Korporation Schwendi überhaupt auf Giswiler oder Kernser Boden und gar nicht auf dem Gemeindegebiet von Sarnen? Der Grund dafür sei bereits im 16. Jahrhundert zu finden, erklärt Walter Abächerli. «Das nasse Flyschgebiet in der Region Glaubenberg eignet sich nur bedingt für die Alpung von Milchvieh. Weil die Schwander damals bessere Alpen wollten, kauften sie Land in den Regionen um Kerns und Giswil.» Dies geschah nicht auf einmal, sondern war ein lange währender Prozess. Die Alpen Furmatt und Feltschi wurden sogar erst Ende des 19. Jahrhunderts «dazugekauft».

Er hat sich ein neues Bike verdient

Einfach nur zum reinen Vergnügen habe er diese Dreitagestour nicht gemacht, sagt Abächerli. Als Korporationsverwalter möchte er nicht nur am Schreibtisch sitzen, sondern auch wissen, wie es auf den einzelnen Alpen aussieht. Deshalb gehören regelmässige Alpbesuche für ihn dazu. «Dass ich nun alle Alpen in drei Tagen geschafft habe, macht mich schon etwas stolz.»

Und damit dies noch geklärt ist: Einen Elektroantrieb hat sein Velo nicht. «Das Bike habe ich mir vor über 20 Jahren gekauft. Aber ich denke, jetzt hab ich mir dann mal ein neues verdient», lacht Abächerli.

 

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch


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