Alpine Retter sind gefragter denn je

OBWALDEN ⋅ Bereits 17 Einsätze hat die Rettungsstation Sarneraatal in diesem Jahr geleistet – weit mehr als in den Jahren zuvor. Am Wochenende wurde das 60-Jahr-Jubiläum gefeiert.
12. September 2017, 04:39

Nicht weniger als 73 aktive Bergretter zählt die als Verein organisierte Rettungsstation Sarneraatal (siehe Kasten). Sie gehört der Alpinen Rettung Schweiz (ARS) an, die zum Einsatz kommt, wo bergtechnische Kenntnisse und Hilfsmittel unerlässlich sind. Alle aktiven Mitglieder vertiefen ihre Kenntnisse bei regelmässigen Übungen im Sommer wie im Winter. Damit sind sie für Ernstfälle sieben Tage in der Woche Tag und Nacht bereit.

Dass dies nötig ist, zeigte sich dieses Jahr eindrücklich. Allein bis Anfang September gab es so viele Einsätze wie kaum in früheren Jahren. 849 Stunden waren die ARS-Mitglieder für Such-, Rettungs- und Bergungseinsätze zwischen Brünig und Pilatus und vom Glaubenberg bis zur Melchsee-Frutt unterwegs – weit mehr als in den letzten zehn Jahren (durchschnittlich 230 Stunden).

Für jede Situation gerüstet

Dieses Jahr gab es zudem gleich zwei besonders personalinten­sive Grosseinsätze. Zum einen nach einem Lawinenniedergang im hinteren Melchtal, zum andern kürzlich bei der Suche nach einem vermissten Pilzsammler im Gebiet Schlierental. Bei solchen Ereignissen findet jeweils eine enge Zusammenarbeit mit weiteren Rettungsorganisationen und Spezialisten sowie der Kantonspolizei statt. Bei einem Alarm müssen sich die Aufgebotenen umgehend auf die Situation einstellen. Sie sind auch für Einsätze im Dunkeln und bei schlechter Witterung ausgerüstet. Damit die Retter möglichst schnell vor Ort sein können, hat die Rettungsstation neben der Kommando- auch sechs Ortsgruppen. Hinzu kommen je nach Ereignis Canyoningspezialisten, Gelände- und Lawinenhundeteams, Seilbahnrettungsgruppen sowie Heli-Spezialisten, die mit der Rega aus der Luft helfen.

Nicht immer können in Not Geratene oder Vermisste unversehrt gerettet werden. Gleichwohl arbeiten die Retter aus Idealismus, schlicht und einfach, um mit ihrer guten Gebirgsrettungsausbildung anderen Menschen in Not zu helfen. «Die grösste Genugtuung ist es», dies unterstrich Rettungschef Martin Küchler an der Jubiläumsfeier, «wenn bei einem Einsatz Menschen lebend gerettet und sofern nötig der medizinischen Versorgung zugeführt werden können.»

60 Jahre im Dienste der Allgemeinheit

Vor zehn Jahren fand in Kerns ein öffentlicher Grossanlass zum 50-Jahr-Jubiläum der Rettungsstation Kerns mit Tausenden Besuchern statt. Die spektakulären Vorführungen sind noch heute bei vielen in bester Erinnerung. Beim 60-Jahr-Jubiläum standen die Retter selbst mit Partnern und Gönnern im Mittelpunkt. Das vereinsinterne OK scheute keinen Aufwand, um im Sportcamp Melchtal den Rettern mit einem Fest für ihre unermüdliche Einsatzbereitschaft zu danken. Dank grosszügigen Gönnern konnten alle auch mit einer neuen Softshell-Jacke ausgerüstet werden. Optimale Bekleidung für Wind und Wetter ist für die harten und oft langen Einsätze unerlässlich. Rettungschef Martin Küchler, Alpnach, strich hervor: «Erfreulicherweise haben wir keine Nachwuchsprobleme in unserer Rettungsstation.» Das sei bekanntlich in der heutigen Zeit alles andere als selbstverständlich. Ohne Freiwilligenarbeit geht es auch in der Bergrettung nicht.

 

Martin Trüssel

redaktion@obwaldnerzeitung.ch


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