Schüler versuchen sich als Landschaftsgärtner

OB-/NIDWALDEN ⋅ Schüler der achten Klasse haben in Kerns die Lehre zum Landschaftsgärtner kennen gelernt. Da hat sich gezeigt, dass es beim Gärtnern nicht nur um Pflanzen geht.
11. Oktober 2017, 10:29

«Fasst einfach mal rein in das Material, damit ihr fühlen könnt, womit wir arbeiten!» Hampi Durrer, Geschäftsführer der Duka Gartenbau AG in Kerns, zeigt auf vier Karretten voller Erde und Kies. Zögerlich fassen die Oberstufenschüler in den Kompost oder den Splitt. An vier verschiedenen Posten gewinnen sie einen ersten Eindruck, was es bedeutet, im Landschaftsbau tätig zu sein. Sie verlegen Pflastersteine, bauen Steinmauern, pflanzen Blumen, schneiden Stauden und lernen dabei durchaus Neues.

Dass Gärtner aus der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau genauso viel mit Steinen wie mit Pflanzen arbeiteten, überraschte viele. «Nicht einmal ich wusste, was ein Landschaftsgärtner alles macht», gestand Liselotte Utz aus Stans, die ihre Tochter Nathalie zur Informationsveranstaltung begleitet hat. Die 13-Jährige hatte schon länger mit dem Beruf geliebäugelt: «Ich war überrascht, wie gross die Maschinen sind, mit denen sie hier arbeiten», meinte sie. «Nachdem ich das erlebt habe, will ich noch viel lieber Landschaftsgärtnerin werden.»

«Auch die harten Seiten der Arbeit werden gezeigt»

Dem 13-jährigen Thomas Langensand aus Alpnach gefiel die Ehrlichkeit des Gezeigten: «Man wird nicht angelogen, es werden einem auch die harten Seiten der Arbeit gezeigt.» Insbesondere die manchmal garstigen Wetterbedingungen, wie zum Beispiel die Arbeit bei Frost im Winter, wurden thematisiert: «Macht auch unbedingt eine Schnupperlehre bei schlechtem Wetter!», riet der Chef den Interessierten dann auch. Für Thomas gehört die Landschaftsgärtnerlehre gleichwohl noch zu seinen Favoriten.

23 Orientierungsstufenschüler des achten Schuljahrs nahmen an der Berufsinformationsveranstaltung für die Ausbildung zum Gärtner mit Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau bei der Duka AG teil. Dabei wurden sie von vier gelernten Landschaftsgärtnern begleitet und unterrichtet.

Die Unterwaldner Berufsinformationstage beinhalten ein- bis zweistündige Einblicke in 19 verschiedene Berufe und werden von der Berufs-und Studienberatung Nidwalden und der Berufs- und Weiterbildungsberatung Obwalden gemeinsam angeboten. «Viele Gewerbebetriebe haben Nachwuchsmangel», meinte Luc Auf der Maur, Berufs- und Laufbahnberater des Berufsinformationszentrums, der die Schüler begleitet. «So haben sie eine Möglichkeit, ihre Berufe vorzustellen.»

Landschaftsgärtner müssen über 400 Pflanzen kennen

Nur etwa fünf bis sechs Bewerbungen erhält Hampi Durrer durchschnittlich auf eine Lehrstelle. Das Interesse sei zwar da, aber es sei nicht einfach, Bewerber zu finden, die der Ausbildung auch schulisch gewachsen seien. Denn Landschaftsgärtner müssen nicht nur über 400 Pflanzen mit deutschen und lateinischen Namen auswendig lernen und dann in allen Wachstumsphasen erkennen, sondern auch das Prozentrechnen beherrschen, um etwa ein Gefälle zu berechnen.

Die Berufsinformationstage sind ein niederschwelliges Angebot, bei dem sich die Schüler, ohne direkt zu schnuppern, schon mal einen ersten Eindruck von Berufen machen können – auch von solchen, die vielleicht nicht zuoberst auf ihrer Wunschliste stehen. «Der Trend geht schon länger zu den Dienstleistungsberufen», meint Luc Auf der Maur. Und eine Änderung ist nicht in Sicht. Neben Pflegeberufen gehört auch heute noch der Kaufmann zu den beliebtesten Berufen.

«Landschaftsgärtner ist ein sehr dankbarer Beruf», meint Patrick Fischer, der Garten- und Landschaftsbau an einer höheren Fachschule studiert. «Man sieht am Abend, was man geleistet hat.» Das konnten auch die Schüler sehen, nachdem sie Stauden gepflanzt, Rosen beschnitten und Steine verlegt hatten.

Andrea Egli, Leiterin der Berufs- und Weiterbildungsberatung Obwalden, freut sich über das grosse Interesse der Jugendlichen, die während ihrer Ferienzeit die über 50 Veranstaltungen besuchen. «Wir sind deshalb den Lehrbetrieben aus Ob- und Nidwalden sehr dankbar, dass sie diese Berufsinformationstage seit über 20 Jahren mittragen und uns ihre Unterstützung zu­sichern», betont sie.

 

Silvia Embacher

redaktion@obwaldnerzeitung.ch


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