Bald gibt’s wieder Flugstunden auf der Frutt

OBWALDEN ⋅ Die «Alten» sind schon lange flügge. Am 5. Juni werden deshalb auf Melchsee-Frutt erneut junge Bartgeier ausgewildert. Geplant sind weitere Auswilderungen im Sommer 2018 und 2019.
19. Mai 2017, 05:00

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

In gut zwei Wochen ist es so weit: Junge Bartgeier erhalten ein neues Zuhause auf Melchsee-Frutt. Es ist bereits die dritte Auswilderungsaktion. 2015 wurden drei Weibchen ausgesetzt (Ewolina, Trudi und Sempach II), 2016 folgten zwei Männchen (Cierzo und Alois). Die mit einem Satelliten-Sender und Farbmarkierungen ausgestatteten Vögel werden mittels Monitoring überwacht. «Cierzo ist in der Region des Bleniotals», sagt Daniel Hegglin, Geschäftsführer der Stiftung Pro Bartgeier Schweiz. «Die übrigen Tiere sind in der weiteren Umgebung des Dreiländerecks Frankreich, Italien, Schweiz unterwegs. «Noch sind nicht alle Details bekannt», sagt Hegglin zur kommenden Auswilderung. Das Datum aber ist fixiert: Am 5. Juni werden die Jungvögel am Auswilderungsstandort im Gebiet Hengliwang ausgesetzt. «Wir rechnen mit zwei Jungvögeln», sagt Hegglin. Woher diese kommen, ist noch nicht definitiv entschieden. «Diese Informationen werden wir aber in den nächsten Tagen bekanntgeben.»

Standort hat sich bestens bewährt

Erneut kann die Bevölkerung die Auswilderung aus der Ferne beobachten. Das Programm und das Anmeldeformular sind auf der Webseite der Stiftung Pro Bartgeier zu finden (siehe Hinweis). «Der Standort und das Vorgehen haben sich sehr bewährt», sagt Daniel Hegglin zu den bisherigen Auswilderungsaktionen auf Melchsee-Frutt. Deshalb werde die diesjährige Aussetzung der Jungvögel in etwa gleich ablaufen wie in den Vorjahren. Nach dieser dritten Auswilderungsaktion sind noch zwei weitere geplant – eine im Sommer 2018 und eine 2019. «Danach werden wir ent­scheiden, ob es auf Melchsee-Frutt weitere Auswilderungen braucht», erklärt Hegglin. Da die Auswilderung im Rahmen eines internationalen Projekts erfolgt, werde man den Entscheid auch von anderen Auswilderungsaktionen abhängig machen.

Ohnehin wäre es verfrüht, bereits ein Fazit zu ziehen, ob die bisherigen Auswilderungen auf Melchsee-Frutt auf lange Sicht ein Erfolg sind – sprich: ob die Bartgeier für den gewünschten Nachwuchs sorgen. «Bartgeier sind frühestens im Alter von 5 Jahren geschlechtsreif», so Daniel Hegglin. «Oft kann es 7 bis 8 Jahre dauern, bis sie erfolgreich brüten.» Die bisher ausgewilderten Bartgeier auf Melchsee-Frutt müssen sich also noch etwas gedulden, bis sie bereit sind für die Balz. «Wir rechnen damit, dass etwa die Hälfte der ausgewilderten Bartgeier Nachwuchs haben wird.» Ein Bartgeierweibchen bringt alle ein bis zwei Jahre ein Junges auf die Welt. Das Weibchen legt üblicherweise zwei Eier. «Das zweite Junge überlebt in jedem Fall nur, wenn das erste Küken früh stirbt oder nicht schlüpft», so Hegglin. «Bisher gibt es keinen Nachweis, dass wild lebende Bartgeier zwei Küken aufziehen konnten.» Die Brutzeit beginnt mitten im Winter und dauert rund 55 Tage. «Die Küken schlüpfen also gegen Ende des Winters, wenn es ausreichend Kadaver von Tieren hat, welche die strenge Zeit nicht überlebt haben.»

Hinweis: www.bartgeier.ch/auswilderung


Leserkommentare

Anzeige: