Bald Goldbarren aus Lungern

OBWALDEN ⋅ Eine unterirdische Goldraffinerie im Lungerer Gebiet Walchi: Was nach einer verrückten Idee tönt, könnte schon nächsten Sommer Realität werden.
06. November 2017, 05:00

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

In Lungern soll eine unterirdische Goldraffinerie im Gebiet Walchi entstehen. Ein entsprechendes Baugesuch der Firma Sarnoro mit Sitz in Lungern liegt seit dem 26. Oktober auf. Die 2016 gegründete Aktiengesellschaft bezweckt die Aufbereitung von Edelmetallen und die Produktion von Gold- und Silberbarren zum Verkauf. Als Standort plant sie ein 200 Meter tiefes Stollen- und Kavernensystem an der Industriestrasse östlich vom Areal der Gasser Felstechnik AG. Dort sollen aus Minen und wiederverwertetem Altschmuck gewonnene Metalle verarbeitet werden. Weiter ist die Lagerung von Wertsachen im Auftrag von Kunden vorgesehen.

Hinter dem Baugesuch steckt viel Planungsarbeit der Gasser Engineering AG. Die Sarnoro AG habe einen Standort im Kanton Obwalden gesucht, erklärt Projektleiter Hans-Matthias Liechti. Durch den Kontakt zur Gasser Felstechnik kam das Projekt zu Stande. «Eine Raffinerie kann auch überirdisch gebaut werden», erklärt er. «Die Anlage unter Tage bietet aber mehr Sicherheit. Es sind sehr wertvolle Materialien, die hier veredelt ­werden sollen.»

20 neue Arbeitsplätze sind geplant

Die Sarnoro AG setzt auf Gold und andere Edelmetalle, weil es wertbeständig und zeitlos sei, wie die Firma auf ihrer Webseite schreibt. Die wachsende Nachfrage nach Gold habe in den vergangenen Jahren zu deutlichen Wertsteigerungen geführt. Neben Gold und Silber in fast hundertprozentiger Reinheit will das Unternehmen durch die Verarbeitung von Metalllegierungen auch Palladium und Platin gewinnen. Nach der Anlieferung werden die Edelmetalle im Tresor zwischengelagert und kommen danach in einen bis zu 1250 Grad heissen Schmelzofen. Dann wird das Edelmetall gereinigt, getrennt und zu feinem Pulver verarbeitet. Dieses wird in einem nächsten Schritt zu Barren gegossen, von sogenannten Mini-­Goldbarren bis zu 12 Kilogramm schweren Exemplaren. Die anfängliche Kapazität von 20 Kilogramm verarbeiteter Legierung pro Tag soll auf 100 Kilogramm pro Tag gesteigert werden. «Auch bei maximaler Tagesproduktion wird so auf der Industriestrasse kein grosser Mehrverkehr entstehen», versichert Liechti.

Die Goldraffinerie soll durch das Portalbauwerk «Walchi Ost» erschlossen werden. Die Bewilligung dafür liegt vor. Mit dem Bau könne schon diesen Winter begonnen werden, sofern die Bauherrschaft dies so wolle, sagt Hans-Matthias Liechti. Der Baubeginn für die Goldraffinerie sei für Juni 2018 geplant.

Auch eine Betriebsbewilligung ist notwendig. Das entsprechende Gesuch wurde noch nicht eingereicht. «Die wesentlichen Komponenten sind jedoch bereits im Baugesuch enthalten», erklärt der Projektleiter. Dazu gehört auch der Umgang mit den Chemikalien wie Salz- und Salpetersäure, die für die Raffination verwendet werden. Die verunreinigten Chemikalien werden abtransportiert und in externen Spezialbetrieben entsorgt oder wiederverwendet. Abgase und Abwasser werden in der Raffinerie gereinigt. «Die Anlage hält die gesetzlichen Emissionsgrenzwerte ein», sagt Liechti. Er hofft auf einen positiven Bauentscheid. «Die Gemeinde kann von der Raffinerie profitieren.» Sarnoro plane die Schaffung von 20 Arbeitsplätzen, was bei Erfolg noch ausgebaut werden könne.


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