CVP lässt Kantonsrat Jürg Berlinger fallen

SARNEN ⋅ Knall am Neujahrsapéro der CVP-Ortspartei: Die Parteimitglieder haben ihrem Kantonsrat Jürg Berlinger die Nomination für die kommenden Parlamentswahlen verweigert. Nun zieht er die Konsequenzen.
09. Januar 2018, 17:53

Matthias Stadler

matthias.stadler@obwaldnerzeitung.ch

Der Knall kam mit Ankündigung: Der seit 2008 für die CVP Sarnen im Kantonsrat politisierende Jürg Berlinger hatte im Vorfeld der anstehenden Regierungsratswahlen angekündigt, notfalls auch ohne Unterstützung seiner Partei als Regierungsratskandidat anzutreten (wir berichteten). Der parteiinternen Ausmarchung stellte er sich dann nicht, sondern stellte ein überparteiliches Komitee zusammen.

Die Kantonalpartei meldete vergangenen Freitag, sie schlage dem Parteitag für Mittwoch eine Auswahl zwischen Michael Siegrist und Dominik Rohrer für den Sitz des abtretenden Regierungsrats Niklaus Bleiker vor. Gleichentags bestätigte Jürg Berlinger gegenüber unserer Zeitung auf Anfrage, dass er ebenfalls kandidiere. Zudem wollte er sich auch wieder als Kantonsrat aufstellen lassen.

Am Tag darauf, am Dreikönigstag, traf sich die CVP Sarnen zum Neujahrsapéro. In dessen Rahmen wurden die Kandidaten für die Kantonsratswahlen vom 4. März nominiert. Und prompt folgte ein Antrag aus der Versammlung, dass über die Nomination des 48-Jährigen separat abgestimmt werden sollte. Dieser wurde einstimmig angenommen. Die Anwesenden entschieden im Stimmverhältnis 20 zu 5 bei 5 Enthaltungen, dass sie Berlinger nicht für die Kantonsratswahlen nominieren. Die zwölf anderen Kandidaten wurden anschliessend von der Versammlung nominiert.

Konzentration auf den Regierungsratswahlkampf

Ein harter Rückschlag für Jürg Berlinger, der seit Anfang Jahr auch Gemeindepräsident von Sarnen ist? Auf Anfrage unserer Zeitung wiegelt er ab: «Ich nehme diese Nicht-Nomination zur Kenntnis.» Er zieht aber Konsequenzen und wird aus dem Kantonsrat ausscheiden, dies per Ende Legislatur im Sommer dieses Jahres. «Da ich nicht mehr nominiert wurde, ist für mich klar, dass ich mein Engagement als Kantonsrat beenden werde.» Sich einer anderen Partei anzuschliessen, sei keine Option gewesen. Jürg Berlinger ist darauf bedacht, nicht noch mehr Geschirr zu zerschlagen, er blickt nach vorne: «Mein Unterstützungskomitee und ich konzentrieren uns jetzt voll auf meinen Wahlkampf für den Regierungsrat. Ob er Mitglied der CVP bleiben wird, «steht nicht zur Diskussion». Dies auch im Hinblick auf sein Amt als Gemeindepräsident: «Im Gemeinderat geht es um Sachpolitik, weniger um Parteipolitik.»

CVP-Ortspräsident Jonas Wieland erklärt, dass der Vorstand Jürg Berlinger nochmals für den Kantonsrat nominieren wollte: «Wir haben sein grosses Engagement im Kantonsparlament sehr geschätzt und unterstützen auch seine Tätigkeit im Gemeinderat und als Gemeindepräsident.» An der Versammlung sei jedoch offensichtlich geworden, dass die Basis dagegen war. «Es wurden Stimmen laut, welche die Loyalität von Jürg Berlinger in Frage stellten, auch von Vertrauensverlust war die Rede.» Zudem habe sich auch die Fraktion kritisch zu dessen Vorgehen geäussert und sich einer weiteren Zusammenarbeit gegenüber skeptisch gezeigt. Den «demokratisch gefassten Entscheid akzeptieren wir selbstverständlich».

Nominiert wurden für die Kantonsratswahlen: Vreni Kiser-Kathriner, Adrian Haueter und Hampi Lussi (alle bisher), und neu: Arno Abegg, Bäni Britschgi, Thomy Christen, Raphael Disler, Marc Eggimann, Dominik Imfeld, Gregor Jaggi, Peter Krummenacher und Stefan Zurmühle. Pia Berchtold und Urs Keiser treten nicht mehr an.


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