Die Daniel Düsentriebs des Alltags

SARNEN ⋅ 25 Diplomanden der Höheren Fachschule für Medizintechnik hatten am Freitag allen Grund zum Feiern. Darunter zwei Nidwaldner und drei Obwaldner.
06. November 2017, 08:35

«Das ist das Besondere an eurer Klasse: 80 Prozent von euch bekommen ein Diplom. Meistens sind es zwischen 65 und 68 Prozent», sagt Alois Amstutz, Leiter der Höheren Fachschule für Medizintechnik. Die Diplomfeier findet am Freitagabend im stimmungsvollen Rahmen statt: Dazu tragen die Geschwister Antonia und Franziska Gasser mit Violine, Gitarre und Gesang bei, aber auch die Worte von BWZ-Rektor Daniel Henggeler, der erklärt, dass er Diplomfeiern wegen der strahlenden Gesichter mag.

Am Schluss werde er immer ein bisschen emotional, bekennt Alois Amstutz. «Ich habe dreieinhalb Jahre lang versucht, euch zu formen, euch zu fördern, euch zu fordern. Ich habe eure Entwicklung gesehen und freue mich, wenn ihr etwas bringen könnt in der Medizintechnik», äussert der Ingenieur und ETH-Forscher aus Alpnach. Man spürt, dass ihm die Absolventen am Herzen liegen. Statt blumiger Worte in einer Rede rückt er darum die Diplomarbeiten in den Vordergrund. Bei vielen Themen verstehen die Angehörigen nur Bahnhof. Naheliegend dagegen erscheint die Arbeit von Michael Zibung aus Hergiswil: Der 31-Jährige ärgerte sich, wenn er Töchterchen Liv auf dem Arm hielt, dass er eine Hand zu wenig hatte, um das Fläschchen für sie zu richten. «Also erfand ich ein Gerät, das die Dosierung übernimmt und einhändig zu bedienen ist», erklärt er am Apéro. Dieses lässt sich per Touchscreen bedienen und zeigt mit Icons die verschiedenen ­Dosierungen an. «Mittlerweile braucht Liv keine Flasche mehr», schmunzelt Zibung. «Aber das Gerät steht daheim fürs nächste Kind parat.» Gemeinsam mit der Familie stösst er auf seinen Erfolg an. Freuen kann er sich auch über seine neue Stelle: Der gelernte Feinmechaniker ist seit drei Monaten für die Medizintechnik des Kantonsspitals Sursee zuständig.

Nähe zur Schule ist für Absolvent ideal

Einen grossen Erfolg hat auch Matthew Harvey aus Alpnach zu feiern. Der 44-Jährige wird gemeinsam mit Carol Hayoz aus dem Kanton Freiburg ausgezeichnet: Mit einer Note von 5,6 sind sie die Besten. «Nein, mit einer Auszeichnung habe ich nicht gerechnet», erklärt er. Auch er ist bereits während der Ausbildung in den Beruf als Medizintechniker eingestiegen. Er installiert und wartet neurologische Geräte für eine Firma in Belp, die Praxen und Spitäler beliefert. Durch seine frühere Arbeit im Schlaflabor Luzern sei sein Interesse für Technik gewachsen, erklärt er. «Es war ideal, dass es eine Medizintechnikschule in der Nähe gibt.»

Diese ist in der Schweiz nach wie vor einzigartig und als Tertiärausbildung zwischen Lehre und Fachhochschule anzusiedeln. Zugangsvoraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung unter anderem aus der Maschinen, der Elektro- oder der Metallindustrie oder dem Gesundheitsbereich. Seit Anfang 2016 ist die Schule vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation neurechtlich anerkannt.

 

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@obwaldnerzeitung.ch

Hinweis

Aus Ob- und Nidwalden dürfen sich neudiplomierte Systemtechniker HF nennen: Urs Berchtold, Kerns. Patrick Dubach, Giswil. Mattew Harvey, Alpnach. Sven Krummenacher, Wolfenschiessen. Michael Zibung, Hergiswil.


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