Bund verhindert Abbruch von Dillier-Haus

SARNEN ⋅ Viele wunderten sich, warum das scheinbar baufällige Dillier-Haus nicht zum Projektwettbewerb Zentrumsüberbauung gehörte. Der Bund hat aufgrund eines Gutachtens verlangt, dass das Haus erhalten bleiben muss.
15. Februar 2018, 05:00

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@obwaldnerzeitung.ch

Die Meinungen gehen auseinander – das sanierungsbedürftige Dillier-Haus neben dem Sarner Rathaus bewegt die Gemüter. Es war nämlich nicht Teil des Projektwettbewerbs für die Zentrumsüberbauung, den das Zürcher Architekturbüro Salewski & Kretz Architekten mit dem Projekt Schifflände gewonnen hat. «Wer hat befohlen, dass man diese Bruchbude stehen lässt?», das sei eine häufig gestellte Frage bei der öffentlichen Projektausstellung Ende Januar im Pfarreizentrum Peterhof gewesen, sagt Jörg Stauber, Leiter des Obwaldner Hoch- und Tiefbauamtes und zugleich Projektleiter der Zentrumsüberbauung. Ebenso hätten sich auch viele Leute interessiert, was mit der Kupferschmiede gegenüber dem Dillier-Haus passiere.

Im Siegerprojekt ist vorgesehen, das Dillier-Haus sanft zu renovieren und die Kupferschmiede abzubauen und auf dem Parkplatz zwischen Rathaus und Dillier-Haus wieder aufzubauen. Es soll dort ein Gemeinschaftsgebäude mit Bistro oder Café entstehen, so die Idee der Architekten.

Keine böse Überraschung erleben

Doch warum umfasste der Perimeter für den Projektwettbewerb das Dillier-Haus nicht? Warum muss es bestehen bleiben? Denn unter Denkmalschutz steht das Gebäude nicht. «In der ursprünglichen Testplanung, die wir mit der Hochschule Luzern gemacht haben, war vorgesehen, das Dillier-Haus abzubrechen», erklärt Jörg Stauber. Man sei von der Vorgabe des Bundes, dass das Haus bestehen bleiben müsse, überrascht gewesen. «Wir haben darauf die Testplanung von der Hochschule Luzern entsprechend überarbeiten lassen und deshalb war das Dillier-Haus dann auch nicht Teil des Projektwettbewerbs.» Der Regierungsrat habe noch nicht entschieden, ob der Kanton selbst oder ein Investor die Zentrumsüberbauung realisieren werde, deshalb sei auch noch offen, wer, wie und wann die Renovation des Hauses erfolge.

Es habe zwei Gründe gegeben, weshalb man die Testplanung dem Bund vorgelegt habe, erklärt der kantonale Denkmalpfleger Peter Omachen. Zum einen komme man mit dem Vorhaben ins Grundwasser, womit Bundesgesetze zum Zug kommen. Und ausserdem gehöre Sarnen zum Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS). «Weil wir damit also eine Bundesaufgabe in Verbindung mit einem Bundesinventar haben, musste der Kanton das Vorhaben zwingend zur Beurteilung in Bern vorlegen. Um böse Überraschungen zu vermeiden, haben wir das nicht erst bei der Baueingabe getan», erläutert Omachen. Der Bund habe den Entscheid zur Erhaltung des Dillier-Hauses im Rahmen eines gemeinsamen Gutachtens der eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) und der eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege (EKD) gefällt. «Das einfache Handwerkerhaus verkörpert danach einen typischen Teil der historischen Dorfstruktur, insbesondere durch seine Lage gleich hinter dem national geschützten Rathaus und soll deshalb im Ortsbild erhalten bleiben.» Die Denkmalpflege hat daraufhin ihr Inventar angepasst.

Das Dillier-Haus, das vorher als «nicht schützenswert» galt, wurde zum «Objekt von lokaler Bedeutung» hochgestuft. Es kann damit sanft renoviert werden. «Die Bausubstanz des Dillier-Hauses ist nämlich trotz offensichtlichen Renovationsbedarfs gut», so Peter Omachen.

Für Architekten eine spannende Aufgabe

Für das Architekturbüro Salewski & Kretz war es kein Problem, die «Schifflände» rund um das Dillier-Haus herum zu planen, respektive dieses zu integrieren. Im Gegenteil, sagt Architekt Simon Kretz. «Solche lokalen Gegebenheiten machen ein Projekt oft besser. Hätte man eine leere Fläche einfach zu füllen, besteht die Gefahr, dass ein Projekt langweilig werden könnte.» Das Zusammenspiel zwischen alt und neu sei eine spannende Herausforderung.

«Neubauten, die oft alte Gebäude erdrücken können, müssen hier der dorfhierarchischen Struktur, also dem Rathaus, untergeordnet sein. Die Kombination Rathaus, Dillier-Haus und der dazwischen versetzten Kupferschmiede ergebe neben dem schönen Ortsbild auch wieder die Einheit, die Haus und Schmiede bilden müssten. «Ich bin sicher, das Dillier-Haus wird nach der Sanierung sehr schön.»


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