Dem Urfasnächtler ist viel zu verdanken

SARNEN ⋅ Seit 50 Jahren ist der bekannte Architekt Georges Burch in der Lälli-Zunft. Der ehemalige Obmann und Zunftmeister hat die Sarner Fasnacht wesentlich mitgeprägt.
07. Februar 2018, 07:49

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@obwaldnerzeitung.ch

«Austreten aus der Normalität des Alltagslebens. Mit Freunden lustig und närrisch sein. Und ein wichtiger kultureller Anlass», das bedeutet die närrische Zeit für den 73-jährigen Urfasnächtler Georges Burch. Der Architekt und Mitinhaber der Sarner Firma Burch und Partner hat wesentlichen Anteil daran, dass sich in Sarnen eine lebendige Fasnachtstradition entwickelt hat. Seit 50 Jahren ist er in der Fasnachtszunft, längst ist er Ehrenmitglied.

Schon als Schulbub sei er immer an die Fasnacht gegangen, erzählt Georges Burch in seinem Büro. Vom Fasnachtvirus angesteckt wurde Georges wohl von seinem Vater, der ein Fan und Gönner der damals jungen Sarner Guggenmusig war. «Die rund 20 Gugger kamen traditionell am Fasnachtsdienstagmorgen nach der langen Freinacht zu einem währschaften Znüni zu uns nach Hause, so schnupperten wir sieben Kinder bereits früh Fasnachtsluft.» Und weil der Vater einen Holzbaubetrieb hatte, kam Georges als 12-Jähriger 1956 auch zum ersten Mal mit der Lälli-Zunft in Kontakt, die damals noch MaBaSa (Maskenball Sarnen) hiess. «Zusammen mit dem Vater bauten die Zünftler in unserer Werkstatt viele Jahre jeweils den Umzugswagen der MaBaSa – meistens ein Sujet aus dem politischen Geschehen des vergangenen Jahres.» Mit 20 war Georges Burch bereits ein eingefleischter Fasnächtler und jeweils mit Kollegen an den Maskenbällen unterwegs. «Aber wir trugen keine Masken, sondern gingen zu Coiffeur Louis Anderhalden in Sachseln zum Schminken. Er war ein hervorragender Maskenbildner und schminkte uns so, dass uns niemand mehr erkannte.»

Verjüngung der Zunft brachte neuen Schub

Die Lälli-Zunft Sarnen, die bis 1997 MaBaSa hiess, erreichte in ihrer Geschichte wegen fehlender Aktivität immer wieder Tiefpunkte. Gegründet im Hotel Wilerbad im Februar 1921, war das Ziel des Vereins, alljährlich an den Fasnachtstagen in Sarnen «einen Maskenball, Umzug oder ein Rennen mit Kinderwagen, Mistbännen oder Karretten» zu organisieren. Doch für die Organisation standen dann oft zu wenig Mitglieder zur Verfügung. Neue seien nur sehr selektiv aufgenommen worden, erzählt Georges Burch. «Nur gestandene Geschäftsleute aus Sarnen kamen in die Zunft.» So merkten die älteren Herren in den 1960er-Jahren, dass der Verein als Fasnachtsorganisator ohne neue Köpfe und Ideen nicht mehr lange handlungsfähig bleiben würde. So wurden in einer ersten Wahltranche 1966 mehrere bekannte jüngere Männer (Jahrgang 1930–1939) in die Zunft aufgenommen. Da ein gewandter Schreiberling fehlte, nahm man übrigens als ersten Nicht-Geschäftsmann den Gerichtsschreiber Franz Frunz in die Zunft auf. Er war dann Jahre später auch der Autor der Festschrift zum 75. Jubiläum der Zunft 1996 – bis heute das einzige Dokument, welches die Zunftgeschichte seit der Gründung 1921 festhält.

Georges Burch selber wurde vor 50 Jahren als 23-Jähriger in die Zunft aufgenommen. Ab 1972 war er im Vorstand, von 1976 bis 1984 als Obmann. «In dieser Zeit haben wir unsere Anlässe institutionalisiert, reorganisiert oder neu gestaltet, sowie Statuten geschaffen.» Rückblickend freut er sich natürlich, dass die Zunft-Anlässe wie Wahl- und Inthronisation des Zunftmeisters sowie Neuaufnahmen, interner Zunftball, Fasnachtseröffnung oder der Umzug am Fasnachtsdienstag sich prächtig entwickelt haben. «1968 hatten wir etwa ein Dutzend Wagen am Umzug, 1984 waren es bereits 45 Nummern.» 1979 wurde zudem die Fasnachtszeitung «D’r Pranger» aus der Taufe gehoben. «Es ist eine grosse Genugtuung, zu sehen, wie mit unseren Erneuerungen in den 1970er-Jahren ein echter Aufschwung an der Fasnacht spürbar wurde.» Wurde vorher vor allem in den Sälen der Hotels gefeiert, zog ein grosser Teil des Fasnachtstreibens Anfang der 80er-Jahre auf den Dorfplatz.

Höhepunkt war das Jahr als Zunftmeister

Fragt man Georges Burch, wie sich denn die Fasnacht bezüglich Alkohol und Krawall entwickelt habe, hört man Erfreuliches. «Das Alkoholproblem ist nicht grösser als früher und Beschädigungen oder Schlägereien gibt es in Sarnen auch heute eher selten.» Und noch etwas hat sich nicht verändert. Die Lälli-Zunft ist über all die Jahre ein Männerverein geblieben. Frauen werden keine aufgenommen. «Aber die Frauen waren und sind bei unseren Zunftanlässen hoch angesehene Gäste», sagt Georges Burch. Es sei noch nie ein Thema gewesen, dass eine Frau in den Verein wollte.

Höhepunkt seiner 50-jährigen Mitgliedschaft war natürlich 1991, als er Zunftmeister war. «Ein schönes Jahr. Es ging für mich ein grosser Wunsch in Erfüllung, dass ich im Jubiläumsjahr 700 Jahre Eidgenossenschaft dieses Ehrenamt übernehmen durfte.» Georges Burch hat viel für die Sarner Fasnacht und das Zunftleben getan. Doch seit einigen Jahren trifft man ihn nicht mehr im närrischen Treiben. «Wir haben über ein halbes Leben lang Fasnachtsluft und -vergnügen konsumieren dürfen, sodass sich meine Frau und ich jetzt in unserem Alter erlauben, während der Fasnachtszeit ein paar geruhsame Urlaubstage im Süden zu geniessen. Und wenn ich auch im Zunftleben nicht mehr so präsent bin, weiss ich, dass junge begeisterte Zünftler und der Vorstand alles daran setzten, die Sarner Fasnacht zu erhalten und verantwortungsvoll weiter zu entwickeln.»

Hinweis

www.laelli-zunft.ch


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