Den Geiern auf der Spur

OBWALDEN ⋅ Am Samstag beginnen die Bartgeier-Beobachtungstage. Auf der Frutt ist der Flugverkehr derzeit mässig. Bessere Chancen, was zu sehen, gibt’s im Wallis und im Engadin.
06. Oktober 2017, 08:36

Die Stiftung Pro Bartgeier ruft schweizweit Naturfreunde auf, in den Tagen vom 7. bis 15. Oktober eine Bergtour zu machen und nach Bartgeiern Ausschau zu halten. Der Schwerpunkt der Beobachtungstage, die jährlich stattfinden, liegt auf dem Samstag. An diesem Tag sind auch viele Projektmitarbeiter auf einem Beobachtungsposten. «Besonders gute Chancen für Sichtungen bestehen im Engadin und im Wallis», schreibt die Stiftung in einer Mitteilung.

Mit einer Portion Glück kann man auch auf Melchsee-Frutt einen Bartgeier beobachten. Hier wurden letztmals im März zwei junge Bartgeier ausgewildert. Das Weibchen «Senza» jedoch starb bei seinen ersten Flugversuchen im Juni, nachdem es von einer Windböe erfasst worden und in die Tiefe gestürzt war. Eine tierärztliche Untersuchung hat nun die damals vermutete Todesursache bestätigt, wie Daniel Hegglin, Geschäftsführer der Stiftung Pro Bartgeier, gestern gegenüber unserer Zeitung sagte.

Prächtig entwickelt hat sich dafür Jungvogel Johannes. Am vergangenen Dienstag beispielsweise wurde er via Sender in den Glarner Alpen lokalisiert. Auch habe er schon Flüge ins Berner Oberland und bis nach Graubünden unternommen, so Daniel Hegglin. «Er zieht immer grössere Kreise, aber zwischendurch ist er auch wieder auf Melchsee-Frutt anzutreffen.»

Französische und italienische Alpen beliebt

Auch Alois – ausgewildert im Frühjahr 2016 – lässt sich hin und wieder auf der Frutt blicken. Oft ist er im Berner Oberland unterwegs. In den Wintermonaten zieht es ihn vor allem in den französischen Alpenraum. Etwas rar in seiner alten Heimat macht sich Cierzo, der gemeinsam mit Alois ausgewildert wurde. Er hält sich mit Vorliebe in den französischen und italienischen Alpen­regionen auf, letztmals lokalisierte ihn sein Sender in der Region Savoyen.

Bleiben noch die «Pioniervögel» der Obwaldner Auswilderung von 2015: Trudi, Ewolina und Sempach II. Diese drei Bartgeier, die auf Melchsee-Frutt fliegen gelernt haben, sind längst – und buchstäblich – über alle Berge. Sie drehen ihre Kreise ebenfalls im südlichen Alpenraum, beispielsweise in den Regionen Aostatal und Piemont.

Gemäss Daniel Hegglin werden im kommenden Frühjahr und auch 2019 nochmals Bartgeier auf Melchsee-Frutt ausgewildert. «Danach werden wir entscheiden, ob hier weitere Jung­vögel ausgewildert werden.»

Rekord: 30 Bartgeier in freier Wildbahn geschlüpft

Die Wiederansiedlung des Bartgeiers in der Schweiz startete 1991 im Schweizerischen Nationalpark. Seither wurden insgesamt 45 junge Bartgeier ausgewildert. Seit 2007 brüten Bartgeier jedes Jahr erfolgreich in den Schweizer Alpen.

«Dieses Jahr erzielt das Wiederansiedlungsprojekt einen Rekord. Im ganzen Alpenraum sind 30 wildgeschlüpfte Bartgeier ausgeflogen», schreibt die Stiftung Pro Bartgeier. Mit 13 Jungtieren stammt fast die Hälfte davon aus der Schweiz. Weitere acht Jungvögel sind laut Medienmitteilung in Italien, acht in Frankreich sowie ein Jungtier in Österreich ausgeflogen. (ve)

 

Hinweis

Weitere Infos: www.bartgeier.ch/beobachtungstage


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