Der Heilige und der Bischof

17. August 2017, 07:49

Vitus Huonder Der Churer Bischof hat eine besondere Beziehung zum Wirkungskreis von Bruder Klaus. Von 1981 bis 1984 war er als Pfarrhelfer in Sachseln tätig. Zu behaupten, der hohe Würdenträger habe sich in dieser Zeit besondere Sympathien erworben, wäre übertrieben. Im Gegenteil: «Er musste die Stelle wegen Streit mit der Pfarrei und dem Pfarrer verlassen», erinnerte sich der ehemalige Kernser Pfarrer und Obwaldner Dekan Karl Imfeld Anfang Jahr im Gespräch mit unserer Zeitung (Ausgabe vom 17. Januar).

Grund für die Erinnerung an die Huonder’sche Tätigkeit war die Tatsache, dass der Bischof zwar an die offizielle Gedenk­feier Ende April auf dem Landenberg in Sarnen eingeladen war, jedoch nicht als Redner berücksichtigt wurde. Worauf er dem Staatsakt fernblieb und sich durch seinen Generalvikar Martin Kopp vertreten liess.

Nun kommt Huonder doch noch zu seinem Auftritt

Was dem Bischof auf dem Landenberg versagt blieb, wird ihm im Festzelt in Sachseln am Samstag zuteil. Er spricht auf Einladung des Vereins «Die Schweiz mit Bruder Klaus», der von der Obwaldner SVP-Parteipräsidentin und Kantonsrätin Monika ­Rüegger präsidiert wird, zum Werden und Wirken des Heiligen. «Er wird den Einsiedler im kirchlichen Sinn, also in seiner Beziehung zu Gott, öffentlich würdigen, nicht aber als politische Figur im Sinn der Parteipolitik», sagte Giuseppe Gracia dem «Tages-Anzeiger» jüngst. Und dementierte gleichzeitig Vor­würfe ehemaliger Pfarrkollegen ­Huonders an dessen Adresse: Es sei eine «Verleumdung», wenn dem ehemaligen Pfarrhelfer ­Aggression gegen Kinder und Jugendliche vorgeworfen werde. Spannungen habe es in Sachseln vor weit über drei Jahrzehnten «nicht mit den Gläubigen, sondern zwischen den drei Geist­lichen gegeben». Aus diesem Grund sei Huonder, der sich sein Gastspiel mit Sicherheit anders vorgestellt hatte, aus Sachseln weggegangen. Dies, nachdem es sogar eine Unterschriftensammlung für den Weggang des jungen Geistlichen gegeben hatte.

Alles Schnee von gestern oder eine Geschichte, die bis heute nachhallt? Man wird sehen. Huonder wird sich am Samstag jedenfalls in illustrer Gesellschaft wiederfinden. Da ist zum einen Bundesrat Guy Parmelin, der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des als Volks- und Familienfest deklarierten Anlasses zusammen mit der Obwaldner Frau Landammann Maya Büchi-Kaiser begrüssen wird. Da ist aber vor allem auch alt Bundesrat Christoph Blocher, der die staatspolitische Dimension des Wirkens von Bruder Klaus umreissen wird. Dies, nachdem der Nidwaldner Nationalrat Peter Keller den historischen Teppich aus­gerollt haben wird. Garniert wird das Ganze mit szenischen Darstellungen aus dem Leben und Wirken von Bruder Klaus. Und mit musikalischen Darbietungen des Blasorchesters der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns). Nicht zu vergessen die Obwaldner Chässuppe.

«Vo innä uisä» zwischen Sachseln und Flüeli-Ranft

Unbesehen der Wirren um Veranstaltungen mit oder ohne Bischof folgt am gleichen Samstag ein weiteres Glanzlicht, das ebenso national ausstrahlen soll: die Premiere des Visionsgedenkspiels «Vo innä uisä». Die Pilgervision von Bruder Klaus bildet ­dabei die Inspiration für das Theater auf einer freien Wiese zwischen Sachseln und Flüeli-Ranft. Dahinter steht der von staatlichen und kirchlichen Behörden gleichermassen getra­gene Verein «600 Jahre Niklaus von Flüe 2017». (bbr)

Hinweis

Weitere Informationen unter: www.bruderklaus-gedenkfeier.ch; www.mehr-ranft.ch

 


Leserkommentare

Anzeige: