Umbau des Zentralbahn-Trassees am Wichelsee ist in vollem Gang

OBWALDEN ⋅ Die Zentralbahn erneuert das Trassee am Wichelsee – und zwar gründlich. Der Vorher-nachher-Effekt wird für den Fahrgast spürbar sein. Dafür wird, wenn nötig, rund um die Uhr gearbeitet.
13. April 2018, 05:00

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

Der Anblick ist gewöhnungsbedürftig. Dort, wo sonst bis zu acht Züge stündlich durchbrausen, ist zurzeit von Gleisen und Schwellen keine Spur. Nur der Bahndamm und die Fahrleitungen lassen auf eine Eisenbahnstrecke schliessen. Auf dem 1,2 Kilometer langen Abschnitt entlang des Wichelsees zwischen der Grossen Schliere und der Sarneraa erneuert die Zentralbahn (ZB) während vier Wochen den sogenannten Unterbau, sozusagen das Bett, auf dem die Schwellen und Gleise liegen.

Die Geologie mit dem hohen Grundwasserspiegel forderte nach Jahrzehnten ihren Tribut. «Die Gleise senkten sich mit den Jahren an einigen Stellen ab», erklärt Gunthard Orglmeister, Leiter Infrastruktur der Zentralbahn, an einer Baustellenbesichtigung. Dies sei zuweilen auch spürbar gewesen auf der Zugfahrt. «Fahrgäste berichteten uns von wackligen Fahrten. An einigen Stellen schwappte der Kaffee aus dem Becher», macht er ein Beispiel. Längerfristig würde aber nicht nur der Komfort leiden, sondern auch die Sicherheit. «So musste bereits bei bestimmten Streckenabschnitten die Geschwindigkeit gesenkt werden», so Orglmeister. «Nach der Streckensanierung dürfen sich die Fahrgäste auf eine ruckelfreie Fahrt freuen», verspricht er.

Reger Lastwagenverkehr bis Ende Monat

Und für diese sicheren und ruckelfreien Zugfahrten zwischen Alpnach und Sarnen bleibt sozusagen kein Stein auf dem anderen. Tonnen von altem Schotter wurden entfernt. Nun entsteht in mehreren Schichten ein stabiler Untergrund, auf dem neuer Schotter und die bestehenden Schwellen und Gleise (sie sind noch in gutem Zustand) wieder eingebaut werden. Um die Zu- und Wegfahrt von Material und Maschinen optimal abwickeln zu können, wurde parallel zur Eisenbahnlinie eine provisorische Strasse gebaut, auf der nun bis Ende Monat reger Lastwagenverkehr herrscht. Rund 60 Arbeiter stehen im Zweischichtbetrieb an der Grossbaustelle im Einsatz – von morgens um etwa 5.30 Uhr bis abends gegen 23 Uhr. Auch am Wochenende wird gearbeitet, wenn auch reduziert.

Sollte es nötig sein, wird auf Dreischichtbetrieb umgestellt. Denn der 30. April ist in den Köpfen der Verantwortlichen allgegenwärtig. An diesem Tag soll der Zugverkehr nach vier Wochen Unterbruch wieder aufgenommen werden. «Die Einhaltung unseres Terminplans ist darum unser oberstes Gebot – nebst einem unfallfreien Baubetrieb», hält Gunthard Orglmeister fest. «Im Moment sind wir gut im Zeitplan, doch gibt es keinen Grund, sich zurückzulehnen. Bei schlechtem Wetter sind wir plötzlich auf die Zeitreserven angewiesen», ergänzt Christoph Imfeld, Projektleiter der ZB.

Verlangt wird Millimeterarbeit

Die Mitarbeiter müssen nicht nur den Terminplan einhalten, sondern auch genau arbeiten. Die tonnenschweren Gleise und Schwellen müssen millimetergenau eingepasst werden. Ende April soll wie gesagt der Spuk vorbei sein und der Zugbetrieb wieder aufgenommen werden können. Darauf dürften die täglich rund 13'000 Bahnbenutzer sehnlichst warten, die vier Wochen lang mit dem Bahnersatzbus vorlieb nehmen mussten – für lange Zeit zum letzten Mal, zumindest auf dem Papier. «Der neue Unterbau ist auf rund 50 Jahre ausgelegt», so Gunthard Orglmeister.

Die Streckenerneuerung ist Teil einer ganzen Serie von Bauarbeiten auf dem ZB-Netz im Umfang von rund 25 Millionen Franken. So wird zwischen Hergiswil und Alpnachstad der Loppertunnel saniert, der Bahnhof Alpnachstad behindertengerecht umgebaut und auch zwischen der Grossen Melchaa und dem Bahnhof Sachseln die gesamte Gleisanlage erneuert. «Wir versuchen immer, möglichst grosse Streckenabschnitte bei Bauarbeiten zusammenzulegen, um so nicht zu oft Bahnersatzbusse einsetzen zu müssen», begründet Gunthard Orglmeister die insgesamt rund 25 Kilometer lange Eisenbahn-Baustelle.

  • Mit einem Bagger wird der zurzeit der gleislose Bahndamm auf Höhe des Wichelsees erneuert. (© Corinne Glanzmann)
  • Auf dem 1,2 Kilometer langen Abschnitt entlang des Wichelsees zwischen der Grossen Schliere und der Sarneraa erneuert die Zentralbahn (ZB) während vier Wochen den sogenannten Unterbau, (© Corinne Glanzmann)
  • Auch neben dem Trassee sieht alles nach einer Grossbaustelle aus. (© Corinne Glanzmann)

Die Zentalbahn erneuert das Trassee am Wichselsee im Kanton Obwalden. Auf dem 1,2 Kilometer langen Abschnitt zwischen der Grossen Schliere und der Sarneraa wird der gesamte Unterbau ersetzt.


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