Der Schiesssport ist im Wandel

ENGELBERG ⋅ Die Obwaldner Schützen brillierten vergangene Saison mit Spitzenresultaten. Doch einige Sektionen kämpfen mit Problemen. Bei der Rekrutierung von Nachwuchs läuft es harzig.
11. April 2018, 09:08

Die kunstvolle Holzdecke im Saal des Hotel Bellevue-Terminus verlieh der Delegiertenversammlung der Kantonalen Schützengesellschaft Obwalden (KSV) am Samstag eine feierliche aber auch düstere Note. Feierlich, weil Kantonalpräsident Friedrich Häcki in Engelberg seine Schützenkarriere begann. Feierlich war auch den zahlreichen Schützen zumute, die für Spitzenresultate in der vergangenen Saison geehrt wurden. Rund zehn verschiedene Schiessanlässe brachten glückliche Sieger hervor.

Einen Spitzenplatz belegte der Kägiswiler Jungschütze Janik Najer, der vom Schweizer Schiesssportverband (SSV) neben der Nachwuchsmedaille den begehrten SSV-Zinnteller erhielt. Oder auch Fabian Bachmann, der im vergangenen Juni das Jungschützenwettschiessen mit 90 von maximal 100 Punkten gewann. Glückwünsche erhielten die Schützen von Kantonsratspräsidentin Helen Keiser. «Der Verein lebt, auch wenn Neumitglieder nicht wie Pilze aus dem Boden schiessen.»

Gewünschte Anzahl Teilnehmer nicht erreicht

Für Präsident Häcki sind aber Neumitglieder und Nachwuchsschützen von entscheidender Bedeutung: «Ein wichtiger Teil in unserem Sport ist die Nachwuchsförderung.» Mit Luftgewehr-, Luftpistolenschiessen und dem Jungschützenwesen möchte der Verband bei den Jüngsten die Freude am Schiesssport erwecken. Trotzdem: Mit 92 Jungschützen und Jungschützinnen war es den Sektionen nicht möglich, die erwünschte Teilnehmerzahl von 100 zu erreichen. Für Häcki ist aber klar: «Ohne Nachwuchs ist die Existenz unserer Vereine und Schiessanlagen noch mehr bedroht.» Vorerst will der Verband die Weiterbildung der Ausbildner und Helfer von Jungschützenkursen finanziell unterstützen.

Neben dem Siedlungsdruck machen den Schützenvereinen Investitionen, Umweltvorschriften, Mangel an Vorstandsmitgliedern aber auch sinkende Zahlen der Schützen zu schaffen, die das obligatorische Programm (OP) schiessen müssen. Mangels Vorstandsmitglieder löste die Schützengesellschaft Giswil ihren Verein im vergangenen Jahr auf.

Sektionen haben weniger Geld in der Kasse

Innerhalb von acht Jahren sank die Anzahl OP-Schützen von 1600 auf 1100 Schützen. Für die Sektionen bedeutet dies weniger Geld in der Kasse. Neben einem Grundbetrag von 500 Franken zahlt jede Sektion zusätzlich 6 Franken pro OP-Schütz in die Verbandskasse. Der Bund entschädigt aber nur Pflichtschützen mit je 21 Franken. Bei den Pistolenschützen Sarnen sind das 10 Pflichtschützen bei insgesamt 98 OP-Schützen.

Dies bewog Josef Wagner, Präsident der Schützengesellschaft Kerns-Alpnach, einen Antrag zu stellen. Darin verlangt der 26-jährige Präsident, dass der Kantonalverband einen Grundbestand seines Vermögens festlegt. Je nach Vermögenslage soll dieser OP-Betrag reduziert oder auf maximal 6 Franken erhöht werden. Wagner verweist in seinem Antrag auf anstehende Investitionen und ergänzte: «Ohne Unterstützung der Gemeinden könnten wir in diesem Jahr nicht mehr schiessen.» Doch die durchaus verständliche Stossrichtung wurde von den Delegierten mit 32 zu 17 Stimmen abgelehnt.

Richard Greuter

redaktion@obwaldnerzeitung.ch


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