Modell zeigt Details des neuen Kaiserstuhl-Tunnels auf der A8

OBWALDEN ⋅ Bei der Owi-Raststätte in Giswil informiert der Kanton zum 268-Millionen- Projekt Kaiserstuhl-Tunnel. Zwei Modelle zeigen, dass es dabei um weit mehr geht.
19. Juni 2017, 05:00

Christoph Riebli

christoph.riebli@obwaldnerzeitung.ch

«Hier sieht man, was mit den Fröschen, Rehen, Wanderern, Auto- und Velofahrern sowie Bächen passiert», sagt Kantonsingenieur Jörg Stauber auf die beiden Modelle zeigend, die ein Giswiler Modellbauer innerhalb viermonatiger Feinstarbeit kreiert hat und die jedes noch so kleine Detail zu Landschaft und Projekt darstellen. Stauber steht mit Karl Rohrer, Leiter Abteilung Strassenbau, auf dem Owi-Land-Parkplatz in einem Info-Container – exakt vis-à-vis davon soll 2029 das Nordportal des Kaiserstuhl-Tunnels eröffnet werden, das letzte noch fehlende Puzzlestück der A8. Der aufmerksame Autofahrer hat die Baugespanne zwischen Giswil Süd und Lungern Nord im Rahmen der noch bis 12. Juli dauernden Projektauflage vielleicht schon erspäht. «Das ist auch der Grund, weshalb wir hier präsent sind», sagt Stauber, «unser Ziel ist es, das Projekt den Bürgern möglichst gut zu erklären». Noch bis zum 5. Juli laden die beiden deshalb Interessierte zu einem «Schwatz» ein (siehe Hinweis).

Eigenes Kraftwerk und ausgebauter Seeweg

Zwar wird der grösste Teil der Gesamtkosten von 268 Millionen Franken «verlocht» – in den 2082 Meter langen Tunnel investiert, der exakt gleich aussehen soll wie die bereits bestehenden in Lungern und Giswil – das wirklich Interessante spielt sich aber rundherum ab: «Die Netzfertigstellung der Nationalstrasse ist das eine, die vielen Nebensachen, die man mit dem Projekt abholen kann, das andere», drückt es Stauber aus. Gemeint sind vor allem Gelände-Optimierungen, die sich positiv auf Mensch und Umwelt auswirken. Rund die Hälfte der 600 000 Kubikmeter Ausbruchmaterial sollen dafür verwendet werden, der Rest auf Deponien landen. Drei Beispiele:

 

  • Auf Giswiler Seite ist für den Markgraben ein Geschieberückhalt geplant. Mitgefasst wird parallel zur Strasse auch der Weidli­graben. Beide fliessen dann in den Leiti- und Deltigraben mit Durchfluss unterhalb der A8 – Wildtierkorridor inklusive.
  • Das Trottoir entlang des Lungerersees wird auf 2,5 Meter Breite ausgebaut und so mit dem Velo befahrbar. Auch im Bereich Landhaus gibt es einen rund 1000 Meter langen Velostreifen.Am Seeufer wird der Wanderweg Richtung Kaiserstuhl zudem unmittelbar am Wasser vervollständigt – zur Freude der Fischer.
  • Auch wird für die Löschwasserversorgung des Tunnels mit der Wasserversorgung Kaiserstuhl/Bürglen ein neues Reservoir (Lungern) und ein Trinkwasserkraftwerk (Giswil) gebaut, das rund zwei Drittel des Strombedarfs für den Tunnel deckt.

 

«Die Leute stürzen sich richtig auf die Modelle», berichtet Karl Rohrer über die ersten Besucher. «Sie wollen alles über die Linienführung, die Ab- und Auffahrten und Allgemeines zur Funktion wissen.» Sein Fazit: «Auf den Plänen könnte man es nicht so gut erklären.» Das Modell habe sich zudem bei den Landverhandlungen bewährt, um Projekt und Betroffenheiten zu veranschaulichen.

Der insgesamt 3600 Meter lange Abschnitt Lungern Nord bis Giswil Süd ist das letzte noch fehlende A8-Strassenstück in Obwalden. Gemäss Nationalstrassengesetz hat sich der Kanton mit 3 Prozent (8 Mio. Franken) daran zu beteiligen. Nichtsdestotrotz ist das Projekt ein Politikum – bekämpft von der SP Obwalden. Für Stauber ist es hingegen nach über sieben Jahren Planungs- und Optimierungsarbeit ausgereift, zweckmässig und vor allem auch umweltverträglich. Aus rein technischer Sicht ist er überzeugt: «Mit dem Ausbau der bestehenden Brünigstrasse wäre die Zielsetzung der Nationalstrasse an diesem Ort nicht zu erreichen.» Stichworte: Landschaftsschutz, Schutz vor Naturgefahren und Verkehrs­sicherheit. Und: Von den täglich rund 10 000 Fahrzeugen auf der Brünigstrasse würden künftig 9000 den Tunnel benutzen und Kaiserstuhl und Brünigstrasse markant entlasten – ohne merklichen Mehrverkehr.

Frühestens Mitte 2018 wird die Genehmigungsverfügung vom Bund erwartet. Die Bauarbeiten sind zwischen 2020 und 2028 vorgesehen.

Hinweis

Öffnungszeiten «A8-Container», Owi-Parkplatz (bei Landhaus), Giswil: Mittwochs (21. und 28. Juni, 5. Juli jeweils 16 bis 18.30 Uhr) sowie Samstag, 1. Juli, 9 bis 12 Uhr.


Leserkommentare

Anzeige: