Die Äbtissin hofft auf Nachwuchs im Kloster

OBWALDEN ⋅ Die Sarner Benediktinerinnen sind am Räumen. Schon nächstes Jahr müssen 28 statt sechs Schwestern im Kloster St. Andreas Platz finden. Äbtissin Maria Pia Habermacher ist dankbar für die Zukunftsperspektive.
30. Dezember 2017, 05:00

Durch die ehrwürdigen Räume des Frauenklosters Sarnen hallt ein anhaltendes Hämmern. Die klösterliche Ruhe ist nicht mehr, was sie einmal war. «Der Umbau macht viel Dreck und Lärm», meint Äbtissin Maria Pia Habermacher mit einem kleinen Seufzer. Seit November wird das 400 Jahre alte Kloster St. Andreas zum Benediktinischen Zentrum umgebaut. In den neuen pflegegerechten und rollstuhlgängigen Zimmern sollen ab nächstem Jahr drei Klostergemeinschaften statt einer Platz finden.

Im September 2018 werden neun Schwestern aus dem Kloster Wikon im Kanton Luzern nach Sarnen ziehen, im Dezember dann 13 weitere Benediktinerinnen aus dem Kloster Melchtal. Die sechs Schwestern des heutigen Frauenklosters haben ihr letztes Weihnachtsfest in «alter Besetzung» hinter sich. «Das Fest war einfacher gehalten als sonst, da wir ja bereits am Zügeln sind», erklärt Schwester Maria Pia, die seit 2001 als Äbtissin im Kloster waltet. «Wir freuen uns schon, nächstes Jahr in grossem Kreis Weihnachten zu feiern.» Bevor die Sarner Schwestern im barocken Südtrakt des Klosters etwas näher zusammenrücken müssen, ziehen sie bis August in das Haus Ranft am oberen Klostertor, «um uns dem Krach zu entziehen», so die Äbtissin.

Um für die neuen Bewohnerinnen in den Häusern Josef und Nazareth Platz zu machen, sind die Schwestern schon seit Monaten am Räumen. «Das ist mir am meisten geblieben von diesem Jahr», schmunzelt Äbtissin Pia. «Es war sehr anstrengend.»

Das Loslassen ist nicht immer einfach

Die jüngste Sarner Benediktinerin ist 42, die drei ältesten sind über 80. Gerade für die älteren Schwestern sei das Loslassen nicht immer einfach, sagt die 73-jährige Äbtissin. «Aber ich bin jeden Tag wieder froh, dass wir Ja gesagt haben zu der Idee des Benediktinischen Zentrums.» Alleine könnte keine der drei überalterten Gemeinschaften weiter bestehen. Nun entsteht, unter Leitung der Stiftung Ora et Labora, für 13,5 Millionen Franken ein Alterssitz für die Schwestern. «Wenigstens haben wir einen Plan für die Zukunft», sagt Schwester Maria Pia. «Das Schöne ist, dass der Wallfahrtsort mit dem Sarner Jesuskind bestehen bleibt und dass wir bleiben dürfen.» Im Gegensatz zu den Schwestern aus Wikon und Melchtal. «Ihnen muss der Abschied sehr schwer fallen. Aber wenn sie die neuen Zimmer sehen und mit den Rollatoren in unserem ebenen Garten spazieren können, fühlen sie sich sicher bald wohl», ist die Äbtissin überzeugt. In monatlichen Treffen haben sich die drei Oberinnen und Delegierte der Gemeinschaften bereits kennen gelernt. «Obwohl wir alle Benediktinerinnen sind, ist doch jede Gemeinschaft etwas anders», erzählt Schwester Maria Pia. «Es ist ein gegenseitiges Abtasten, aber wir wachsen immer enger zusammen.» Allerdings nicht zu eng – geplant ist, dass die drei Klostergemeinschaften, abgesehen von gemeinsamem Essen, Gebet und gemeinsamer Eucharistiefeier, selbstständig weiterleben.

In dem anstrengenden letzten Jahr voller Termine, Stiftungsratssitzungen und Baubesprechungen habe der Glaube ihr viel Kraft gegeben, sagt Äbtissin Maria Pia: «Ich schlafe immer noch gut, weil ich jeden Abend alles an Gott abgeben kann. Wir beten täglich, dass er uns zu guten Entscheidungen leitet.»

Grössere Gemeinschaft ermöglicht neue Aufgaben

Für das nächste Jahr wünscht sich die Äbtissin, dass der Umbau termingerecht und verletzungsfrei über die Bühne geht. «Und ich hoffe auf ein belebteres Kloster.» Die Benediktinerinnen brauchen Nachwuchs; in den vergangenen Jahren sind viele Tätigkeiten im Kloster eingeschlafen. «Wir weben etwa keine Paramente mehr, und nur noch eine Schwester kann im Garten arbeiten», erklärt die Äbtissin. Mit der grösseren Gemeinschaft und dem ab 2019 geplanten Café samt Begegnungsraum und Laden eröffnen sich ganz neue Tätigkeitsgebiete. «Ich möchte wieder jüngeren Frauen Gelegenheit geben, einige Zeit mit uns zusammenzuleben», meint Äbtissin Maria Pia. «So fühlen sich vielleicht einige berufen, ebenfalls Benediktinerin zu werden.»

 

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

Hinweis

Weitere Informationen und Spendenkonto für den Umbau auf www.frauenkloster-sarnen.ch


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