Schulhaus Dossen kann definitiv nicht aufgestockt werden

KERNS ⋅ Das Schulhaus Dossen kann nicht aufgestockt werden. Das vor einem Jahr zurückgewiesene Geschäft wurde von der Gemeindeversammlung nun definitiv beerdigt. Saniert werden muss das Haus trotzdem.
30. November 2017, 07:57

Markus von Rotz

markus.vonrotz@obwaldnerzeitung.ch

1,4 Millionen Franken wollte der Kernser Gemeinderat an der Gemeindeversammlung vom Dienstag für die Sanierung und Sicherstellung der Erdbebensicherheit am Schulhaus Dossen und einzelne Massnahmen am Schulhaus Büchsmatt sowie weitere 2 Millionen für die Aufstockung des Schulhauses Dossen. Weil die beiden Beträge gekoppelt waren, ist mit dem angenommenen Ablehnungsantrag das ganze Vorhaben beerdigt beziehungsweise vertagt.

Bereits vor einem Jahr hatte die Versammlung auf Antrag von Architekt Martin Ming das Geschäft zurückgewiesen. Er wollte mehr Auskünfte über Statik, Baugrund sowie die Schulraumentwicklung. Am Dienstag nahm der Gemeinderat einen neuen Anlauf. Er hatte inzwischen ein zusätzliches geologisches Gutachten bestellt. «Das Schulhaus gilt als aufstockbar, es ist allerdings mit Senkungen oder Hebungen zu rechnen, was aber nicht ausserordentlich ist», betonte der zuständige Gemeinderat Ruedi Windlin aufgrund der Expertenabklärungen vor dem vollen Singsaal. Es seien auch Probebohrungen gemacht worden. Der heikelste Punkt liege im alten Schwingkeller, wo es nur schon für die Erdbebensicherheit Massnahmen brauche, welche die Senkungen oder Hebungen auffangen können sollten. «Wir werden aber auf jeden Fall Kontrollmessungen machen zur Früherkennung von Schäden», so Windlin.

«Hätten uns etwas mehr Weitsicht gewünscht»

Nur zwei Redner äusserten sich zum Geschäft. CVP-Co-Präsidentin Monika Amrein äusserte sich kritisch zur Schulraumplanung, die ihrer Partei zu wenig weit gehe. «Wir hätten etwas mehr Weitsicht gewünscht sowie eine externe Betrachtung durch spezialisierte Unternehmen.» Es seien künftig weitere Schulräume nötig, auch wenn der Gemeinderat ein tiefes Bevölkerungswachstum erwarte. Sie schloss aber mit der Erkenntnis: «Wir verbauen uns mit dieser Aufstockung nichts, werden aber auch künftig über Planungs- oder Neubau­kosten zu befinden haben.»

Gebäude würde enorm beansprucht

Ganz anders Martin Ming: Der frühere FDP-Gemeinderat und Baufachmann hatte das Gutachten genau studiert. Er sagte, der Gemeinderat komme mit dem Antrag wie vor einem Jahr, nur sei jetzt der Planungskredit 30 Prozent höher. Der Geologe sage, es seien «Setzungen in der Quer- und der Längsrichtung zu erwarten, was das Gebäude enorm beansprucht». Unter dem Schulhaus verlaufe beispielsweise eine 3 bis 11 Meter dicke Schicht von See- und Sumpfablagerungen. Der zuständige Ingenieur bezeichne das Gebäude als schadhaft – Stufe 3 in der Ingenieursprache, Stufe 5 bedeute alarmierend. Es gebe «Schwachstellen in der Tragstruktur», ja Stützen könnten bersten.

Allerdings betonte Ming auch, dass das Schulhaus 1964 erstellt wurde und die Baunormen seither dreimal angepasst worden seien, und beruhigte: «Ich bin überzeugt, dass das Schulhaus nach wie vor gebrauchstauglich ist und wir nicht Angst haben müssen, aber wir erweisen dem Haus mit einer Aufstockung keinen Dienst.» Viele Gefahren und Risiken riefen nach diversen Massnahmen wie einer Bodenstabilisierung. Er stellte dann nach eigenen Angaben widerwillig den Ablehnungsantrag, weil ohne Anträge das Geschäft angenommen gewesen wäre. Und diesem Ablehnungsantrag folgte eine sichtbare Mehrheit.

Der Gemeinderat nahm die Ablehnung wortlos hin. «Wir hatten eine saubere Vorlage unterbreitet, die Fakten lagen auf dem Tisch, ich meinte, es sei nicht nötig, noch etwas zu sagen», erklärte Gemeindepräsident André Windlin am Mittwoch auf Nachfrage. Auch wenn die Aufstockung vom Tisch ist, braucht es eine Sanierung. «Diese können wir allenfalls ohne neuen Planungskredit via Unterhalt lösen und einfach frühstens 2019 ins Budget aufnehmen.» Das gelte aber vielleicht nicht für den Lift, der fürs hindernisfreie Bauen nötig sei. Vielleicht müsse man doch noch mal vors Volk. In Sachen Schulraumplanung werde man «die ganze Palette wieder auslegen müssen».

Das Hochwasserschutzprojekt Sandbach, die Fusion der Wasserversorgungen im Melchtal sowie die acht Einbürgerungen von Deutschen gaben nichts zu reden. Eingangs hatte Gemeindepräsident André Windlin noch über den Widerstand gegen die Pläne zur Aufhebung der Post berichtet.

Die Debatte des Grossen Stadtrates vom 30. November:


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