Die Sarneraa erhält ihr Delta zurück

OBWALDEN ⋅ Der Kanton präsentierte seine Pläne für den Wasserbau in Alpnach der Öffentlichkeit. Umweltverbände und Deponiebesitzer reagieren verhalten, die Zuhörer stellten Fragen zu Hochwasserschutz und Transport.
16. September 2017, 05:00

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

«Wir haben euch alles gesagt, was wir wissen, aber wir wissen noch nicht alles», sagte Baudirektor Josef Hess am Donnerstag an der öffentlichen Informationsveranstaltung zu den Wasser­bauplänen an der Sarneraa in Alpnach. Für die ökologische Aufwertung am Südufer des Alpnachersees mit Inseln, einem Seedelta und neuen Flachmooren muss noch ein konkretes Bauprojekt erarbeitet werden. Baubeginn ist frühestens im Winter 2019/2020 (Artikel vom 15. September »). Das Wasserbauprojekt Sarneraa Alpnach II mit Umweltmassnahmen am Unterlauf der Sarneraa soll gar erst frühestens ab 2024 realisiert werden. Nur das Projekt Sarneraa Alpnach I zwischen der Etschischwelle und der Wasserrückgabe des Kraftwerks Sarneraa ist schon vom Kantonsrat bewilligt und soll im Mai 2019 starten (siehe Kasten).

Die gut 60 Personen im Singsaal in Alpnach hörten trotzdem viel Neues, etwa zu den Plänen für den unteren Teil der ­Sarneraa. Hier stehe die ökologische Aufwertung im Vordergrund, sagte Projektleiter Christoph Rüedlinger. «Die Sarneraa ist eingeengt, die Ufer sind steil und hart verbaut. Der Lebensraum für Wasserlebewesen und Pflanzen ist dadurch stark beeinträchtigt.» Um das zu ändern, plant der Kanton im Bereich der Infrastrukturanlagen der Armasuisse eine Verbreiterung des Flussbetts auf bis zu 30 Meter, weiter unten dann auf bis zu 50 Meter mit Auenvegetation und im Mündungsbereich ein Flussdelta von bis zu 700 Metern Länge und 170 Metern Breite. Die Kosten werden auf 8 bis 12 Millionen Franken geschätzt, wovon der Bund bis zu 80 Prozent übernehmen wird. «Für die Realisierung braucht es 4,6 Hektaren Land, davon 3 Hektaren Landwirtschaftsland», ­sagte Rüedlinger. Die Erwerbsverhandlungen haben aber noch nicht begonnen.»

Material wird nicht durch das Dorf transportiert

Einige Zuhörer äusserten Sorgen um den Naherholungsraum bei jahrelangen Bauarbeiten und Materialtransporten. «Unser Ziel ist es, die Wander- und Velowege während der ganzen Bauphase durch Umleitungen aufrechtzuerhalten», antwortete Rüedlinger. Und Josef Hess versicherte: «Das Material für die Aufschüttungen wird nicht durch das Dorf an den See gefahren. Möglich wäre ein Transport mit Förderbändern oder per Lastwagen über die Flugpiste.»

Die Hoffnung des Baudirektors, durch die ökologischen Massnahmen am See und am Unterlauf der Sarneraa die Einsprachen der Umweltverbände gegen das Hochwasserschutzprojekt Sarneraatal schneller erledigen zu können, teilen diese nicht. «Klar muss man die Sarneraa als ganzen Fluss betrachten», sagt Urs Brütsch, Leiter Gewässerprojekte beim WWF Zentralschweiz, «die Projekte Sarneraatal und Sarneraa Alpnach haben aber nichts miteinander zu tun.» Antonia Eisenhut, Geschäftsführerin der Organisation Aqua Viva, die bei der Einsprache Ende 2016 federführend war, stimmt zu: «Das eine Projekt ist schon weit, das andere erst in der Planung. Wir warten die öffentliche Auflage der Pläne für Alpnach ab und werden prüfen, ob die ökologischen Massnahmen den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.»

Dass das Material aus den Hochwasserschutzprojekten nun im See statt auf der Deponie landen soll, mache keine neue Planung nötig, sagte Ernst Michel, VR-Präsident der Deponie Hinterflue in Kerns. «Es gibt offene Fragen, die wir mit dem Kanton besprechen werden. Eine Einsprache, wenn das Projekt dann öffentlich aufliegt, ist aber kein Thema.» Auch Josef Hess beruhigt: «Im Kanton fallen jedes Jahr 100 000 Kubikmeter Deponiematerial ausserhalb der Hochwasserschutzprojekte an. Die Deponien werden nun einfach einige Jahre später voll. Der Kanton überlegt sich daher, die Schliessungstermine für die Deponien zu erstrecken.»

Für Gemeindepräsident Heinz Krummenacher ist die lange Laufzeit der Projekte kein Problem, im Gegenteil: «Wir können netto insgesamt etwa 3,5 Millionen Franken im Jahr in neue Projekte investieren. Die Beteiligung am Wasserbau ist daher eine grosse finanzielle Belastung.» Trotzdem freut er sich auch über Massnahmen: «Wie die Sar­neraamündung einmal aussehen wird, gefällt mir sehr. Es ist ein guter Kompromiss zwischen den Interessen aller Beteiligten.»


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