Bruder-Klaus-Gedenkspiel startet in zehn Tagen

SACHSELN ⋅ Die Uraufführung des Visionsgedenkspiels «vo innä uisä» zum 600. Geburtstag Niklaus von Flües steht unmittelbar bevor. Nun stellt sich die Frage, wie man damit einem breiten Publikum Augen und Ohren auch für Unhörbares und Unsichtbares öffnen will.
Aktualisiert: 
09.08.2017, 19:00
09. August 2017, 15:20

Romano Cuonz

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Eben liegt sie druckfrisch vor: die sehr stilvoll gestaltete Broschüre mit dem Text zu Bruder Klausens Pilgervision und einigen Segmenten von Bildern, die Judith Albert fürs Visionsgedenkspiel entworfen hat. In Anmerkungen am Schluss hält der Biograf und Kenner Roland Gröbli fest: «Die optische und akustische Umsetzung der Pilgervision ist nicht eine Einladung, diese Vision rational begreifen oder verstehen zu wollen, sondern eine Aufforderung, mit allen Sinnen einzutauchen in eine Welt, deren Fülle, Vielfalt und Tiefe uns überfordert.» Und weiter: «Erst so, in der Überforderung, können wir diese Infragestellung aller menschlichen Vernunft erahnen.» Keine einfache Voraussetzung für die über 8500 Zuschauerinnen und Zuschauer, die ihre Plätze bereits reserviert haben. Von vier Hauptbeteiligten wollten wir erfahren, warum dieses einmalige Spiel dennoch für alle Zuschauer zu einem absoluten Höhepunkt des Gedenkjahres werden soll.

Geri Dillier: Einen Traum erzählen

«Für mich ist eine Vision weder abstrakt noch philosophisch», betont der künstlerische Leiter und Regisseur Geri Dillier. Letztlich sei sie ja nichts anderes als der Versuch, einen Traum zu erzählen. Dabei wisse der Erzähler, dass er mit dem, was er erzähle, das Wesentliche eigentlich gar nicht sagen könne. So bleibe eben auch all das, was über 30 Leute in diesem Spiel mit Bildern und Tönen ausdrückten, letztlich fragmentarisch. «Was wir aber tun», so Dillier, «wir schaffen die Bereitschaft, dass Zuhörerinnen und Zuhörer sich auf diese lückenhafte Welt, die vieles offen lässt, einlassen.» Das Publikum müsse dazu bereit sein, für einmal nicht alles erklärt zu bekommen. Die Frage an jeden Einzelnen, so meint Dillier, laute viel- mehr: «Was sagt mir diese Welt, was löst sie bei mir aus?»

Judith Albert: Ganz offene Bilder

Die Obwaldner Künstlerin Judith Albert, die zum Text der Pilger-vision (im Spiel gesprochen von Hanspeter Müller-Drossaart) Projektionen geschaffen hat, gesteht: «Es war für mich eine der schwierigsten Aufgaben, Bilder zu einem Text hinzuzufügen, ohne ihn dabei zu illustrieren.» Keinesfalls habe sie Pilger im Bärenfell oder mit Stab und Hut darstellen wollen. Viel mehr als um Illustrationen sei es ihr darum gegangen, eigene Bilder zu finden. Bilder, die die Vision in einem leichten Schimmer zum Inhalt hätten, ohne dabei je konkret zu werden. «Ich hatte den Anspruch, Projektionen von einer so grossen Offenheit zu schaffen, dass allen Zuschauern genug Spielraum bleibt, weiterzudenken, sich auch eigene Bilder zu machen», hofft Albert.

Peter Lienert: Landschaft spielt mit

Peter Lienert verfügt als OK-Präsident über ein motiviertes Team von 650 freiwilligen Helferinnen und Helfern. Eine gute Woche vor der Uraufführung ist sich Lienert sicher: «Dieses einmalige Spiel zum Mystiker und seinen Visionen in einer einmaligen Landschaft und einem einmaligen Spielpavillon muss auf die Leute von nah und fern wirken.» Allein schon der kurze Gang durch die eindrückliche Naturkulisse zum Spielort, mit Blick nach Flüeli-Ranft und zum Pilatus, bringe dem Publikum die Pilger-vision nahe. «Ja, die je nach Stimmung immer andere Landschaft spielt mit, jede und jeder kann da eigene Bilder hineininterpretieren», ist Lienert überzeugt.

Beat Hug: Spiel knüpft ans Leitmotiv

Beat Hug (Gesamtleiter aller Projekte unter dem Motto «Mehr Ranft») sieht das Visionsgedenkspiel als einen Höhepunkt im Gedenkjahr «600 Jahre Niklaus von Flüe». «Damit sprechen wir auch Leute an, die wir mit Publikationen, Vorträgen und andern Projekten nicht erreicht haben», freut er sich. Über Theater, Musik und Bilder würden sich Leute auf den Mystiker einlassen, die ihm auf anderem Weg kaum näherkämen. «Für mich ist eine Vision auch eine Antwort auf die Frage, was denn das Wesentliche am Menschsein ist», meint Hug und betont: «Da knüpft das Spiel unmittelbar an unser Leitmotiv an. Man kann sich darauf einlassen und über die wesentlichen Dinge im Leben nachdenken.»

Hinweis

Visionsgedenkspiel «vo innä üisä» in Sachseln, vom 19. August bis 30. September; 41 Aufführungen. www.mehr-ranft.ch/visionsgedenkspiel.


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