Diese Pferde tragen Winnetou durch die Engelberger Prärie

OBWALDEN ⋅ Die Schauspieler können sich in Winnetou-Freilichtspielen auf vierbeinige Profis verlassen. Zwölf speziell für Film- und Theaterproduktionen ausgebildete Pferde wurden für Winnetou, Old Shatterhand und ihre Mitspieler extra aus Deutschland geholt.
18. Juni 2017, 05:00

Winnetou und Old Shatterhand zu Fuss? Ohne ihre Pferde Iltschi (Wind) und Hatatitla (Blitz)? Schlicht unvorstellbar! So wie Pferde zum Wilden Westen gehören, so unverzichtbar sind sie für die Winnetou-Freilichtspiele in Engelberg. Und die haben bereits eine lange Reise hinter sich: Mit Pausen brauchte es für die fast 1000 Kilometer im riesigen Tiertransporter mit Anhänger von der heimatlichen Ranch im Landkreis Dahme-Spreewald bei Berlin bis nach Engelberg rund 16 Stunden. Dort am Freitagabend angekommen, brauchen die zwölf Pferde für die Freilichtspiele etwas Ruhe.

Friedlich erkunden sie ihre temporäre Heimat neben dem Wasserfall beim gleichnamigen Restaurant. Ein Anblick, der glatt einem Winnetou-Film entstammen könnte. Typische Westernpferde, die meisten sind Quarter Horses und Appaloosas, die schon zu Zeiten der Karl-May-Geschichten von den Cowboys und Indianern geritten wurden. Pferde mit ruhigem und freundlichem Wesen, sensibel, aber überaus nervenstark, leicht trainierbar und sehr lernfähig. Genau die Eigenschaften, die es braucht, um in Winnetou-Freilichtspielen eingesetzt werden zu können. Das Mitwirken der Tiere hat aber durchaus seine Tücken. «Das Pferd hilft mir sehr, Old Shatterhand zu werden. Es ist besser als jedes noch so gute Kostüm», sagt Hauptdarsteller Christoph Kottenkamp während einer Kampftrainingspause auf dem Freilichtgelände. Aber es sei eine grosse Herausforderung für die Schauspieler, neben dem Spielen auch noch das Pferd zu führen.

Charaktere von Mensch und Tier müssen passen

Damit die Schauspieler die nötige Beziehung zu ihrem tierischen Partner aufbauen können, wurden die speziell für Film und Schauspiel ausgebildeten Pferde bereits jetzt, rund einen Monat vor der Premiere, nach Engelberg gebracht. «Sicherheit ist das Wichtigste. Wenn wir die Pferde erst zehn Tage vor der Premiere einsetzten, würden wir am falschen Ort sparen», sagt Winnetou-Darsteller und Produzent Tom Volkers. «Die Tiere müssen sich an die Freilichtbühne gewöhnen und an unser Stück mit Geräuschen wie Schüsse, Kämpfe, Musik.» Es bleibe immer ein gewisses Risiko, das man zwar mit Sachverstand minimieren könne, aber «Pferde sind Fluchttiere». Die Schauspieler werden deshalb neben den Proben auch immer wieder Ausritte unternehmen, um ihre Tiere besser kennen zu lernen, und sich auch mal mit der einen oder anderen Stall- oder Pflegearbeit beschäftigen. «Nicht nur wurden zwölf Pferde ausgewählt, die gut zueinander passen und sich gut vertragen, stimmen muss auch die Kombination der Charaktere der Schauspieler und der Tiere», betont Volkers. Der Grossteil der Pferde wurde bereits den einzelnen Rollen zugeteilt, in den nächsten Tagen wird nun mit der Betreuerin der Pferde überprüft, ob das auf dem Papier entworfene Zusammenspiel auch funktioniert. «Mein dreijähriger Wallach Henk und ich haben das gleiche Temperament und passen bestens zusammen, hat die Reitlehrerin gesagt», erzählt Christoph Kottenkamp. «Wir sind beide cool, ruhig und entspannt, aber wenn es drauf ankommt, geben wir Gas.» Tatsächlich kennt er sein Pferd schon recht gut, schliesslich hat er auf Henk vor einigen Wochen reiten gelernt und so schon eine gewisse Beziehung aufgebaut. Ebenso wie Tom Volkers, der mit seiner schwarzen Stute Holly während einer Woche im Spreewald ein Reittraining machte. Auch weitere Hauptdarsteller waren bereits in Berlin und haben «ihr» Pferd kennen gelernt.

Wie lange braucht es, um mit dem Pferd im richtigen Moment einen bestimmten Punkt für eine Szene auf der weitläufigen Freilichtbühne zu erreichen? Der Einbezug der Tiere in das Stück ist eine weitere anspruchsvolle Arbeit, die nun auf die Regie wartet.

 

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@ obwaldnerzeitung.ch

Hinweis

Weitere Informationen und Tickets: www.winnetou.ch


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