Endlich definitives Dach für die Color-Box?

OBWALDEN ⋅ Die Color-Box lädt morgen zum interkulturellen Austausch. Ende Monat muss das Atelier für Asylbewerber wieder ausziehen. Die neue Lösung könnte dauerhaft sein.
06. Oktober 2017, 05:00

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

Syrisches und eritreisches Essen, Musik und Tanz, Gespräche zwischen Einheimischen und Flüchtlingen: Dies alles bietet ein interkultureller Abend morgen Samstag in der Color-Box in Sarnen (ehemaliges Restaurant Hirschen beim Kino Seefeld). Organisiert wird der Anlass von Ibrahim Dini, die Color-Box stellt die Räume zur Verfügung. «Es geht darum, Flüchtlinge und Einheimische zusammenzubringen und fremde Kulturen kennen zu lernen», erklärt Ibrahim Dini.

Der 34-Jährige kam als Asylbewerber aus Eritrea in die Schweiz. Seit vier Jahren lebt er als anerkannter Flüchtling in Sarnen und engagiert sich beim Projekt Color-Box. In Zürich, so erzählt er, habe er einige Bekannte und Freunde, die ebenfalls aus Eritrea stammen und regelmässig solche Anlässe zum kulturellen Austausch zwischen Flüchtlingen und Einheimischen organisieren. So sei er auf die Idee gekommen, einen solchen Abend in Sarnen zu organisieren.

Die Color-Box ins Leben gerufen hatte ein kleines Team um den Obwaldner Künstler Adrian Hossli. Dahinter steckte die Idee, den Asylsuchenden vom Glaubenberg eine Beschäftigung und Tagesstruktur in Form eines Werk- und Mal-Ateliers anzubieten. Im Februar 2016 startete das Projekt. Zu Beginn war die Color-Box vorübergehend in einem leer stehenden Haus an der Brünigstrasse 112 untergebracht. Weil hier aber vorgängig bereits ein Mietvertrag mit einer andern Partei unterzeichnet worden war, musste sich das Team auf die Suche nach einer neuen Bleibe machen. Erst fanden die Initianten Unterschlupf im Herrenhaus des Frauenklosters Sarnen, dann im ehemaligen «Hirschen» (wir berichteten). Die Gemeinde Sarnen als Besitzerin stellte die leer stehende Beiz kostenlos zur Verfügung – allerdings nur provisorisch. Und nun, da der Herbst Einzug gehalten hat, muss die Color-Box wieder eine neue Bleibe finden? «Ja, aber diese ist bereits gefunden», wie Projektkoordinator Oskar Stockmann erfreut gegenüber unserer Zeitung sagt. Das Projekt zieht Ende Oktober zurück an ihren Ursprungsstandort an der Brünigstrasse 112.

Es ist auch eine Vereinsgründung geplant

Das Haus, das in Privatbesitz ist, ist nämlich wieder frei geworden. Die Besitzer stellen es dem Color-Box-Team erneut kostenfrei zur Verfügung – diesmal ohne festgesetzte Frist. Jeweils dienstags und donnerstags soll Asylbewerbern hier ein Treffpunkt und eine Beschäftigung geboten werden – sei es zum Malen, Musizieren oder Kochen. Wie Oskar Stockmann weiter sagt, soll das Projekt auch über den Betrieb des Asylzentrums auf dem Glaubenberg hinaus Bestand haben. Laut Stockmann soll der Treffpunkt dannzumal auch Flüchtlingen offen stehen, die dem Kanton fest zugewiesen sind und nicht nur einige Wochen oder Monate auf dem Glaubenberg verbringen.

«Sprache und Beschäftigung ist das O und A bei der Integration», sagt Stockmann. «Die Color-Box soll hier eine Brücke schlagen.» Geplant ist auch eine Vereinsgründung, damit die eher lose Gruppierung von Helfern in einem verbindlicheren Rahmen agieren und sich konstituieren kann.

Was mit dem ehemaligen Restaurant Hirschen passiert und ob hier wieder ein Gastronomiebetrieb entsteht, ist derzeit noch immer offen, wie der Sarner Gemeindeschreiber Max Rötheli auf Anfrage sagt. Im Verlauf des kommenden Winters sollte sich aber langsam abzeichnen, in welche Richtung es gehen könnte.

Hinweis

Interkultureller Abend in der Color-Box an der Seestrasse 1 in Sarnen: Samstag, 7. Oktober, ab 17 Uhr. Der Eintritt inklusive Essen ist kostenlos (Kollekte).


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