Erlebnis in Paris gab den Ausschlag

SACHSELN ⋅ Ab heute stellt Corinne Grond in der Galerie am Seeweg aus. Für die Ausstellung konnte sie noch drei neue Bilder malen. «Ein Riesenerfolg», sagt sie. Die Künstlerin hat Multiple Sklerose.
07. Oktober 2017, 08:58

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@obwaldnerzeitung.ch

Im Kunstunterricht erhielt Corinne Grond oft genug schlechte Noten. «Ich konnte nicht so zeichnen wie die anderen und hatte deshalb Minderwertigkeitskomplexe», erzählt sie. Ihr Weg zur Kunst begann nach der Schule, ­ in einer Garage in Paris. «Ein Freund, der dort an der Kunsthochschule studierte, legte mir ein Tuch aus Leinen auf den Boden, gab mir Farben dazu und sagte: ‹Ich geh jetzt.›» Bei ihr habe sich damals regelrecht ein Knoten gelöst, erzählt die zierliche 45-Jährige. «Ich malte ein grosses Bild und empfand dabei Freude. Das gab mir Vertrauen.» Ihre Mutter unterstütze sie auf dem Weg. «Meine erste Ausstellung war bei uns daheim. Verwandte und Freunde kamen und kauften sogar Bilder. Das stärkte mein Selbstbewusstsein.»

Von nun an schwelgte die gebürtige Chamerin in Farben. «Wie mein Körper Blut braucht, braucht meine Seele Farben», erklärt sie. Vielleicht war es auch die Kunst, die ihr half, einen persönlichen Schicksalsschlag zu verarbeiten. Vor ziemlich genau 24 Jahren erhielt Corinne Grond die Diagnose Multiple Sklerose (MS). Für sie kein Grund zusammenzubrechen, wie sie selbst von sich sagt. Mittlerweile ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. Auf der Suche nach einer behindertengerechten Wohnung landete sie vor acht Jahren in Sachseln. Dank einer eingespielten Infrastruktur in ihrem Lebensumfeld wie Spitex, ihrem Freund, der unter anderem für sie kocht, oder der Hilfe von Freunden und Nachbarn kann sie ein eigenständiges Leben führen. «Es geht mir gut, und das ohne Medikamente», sagt die aufgeschlossene Frau mit dem flotten Kurzhaarschnitt.

Gute Erfahrungen mit bewusster Ernährung

Sie hat zusammen mit ihrem Freund, der ebenfalls MS hat, die Erfahrung gemacht, dass es sich für beide lohnt, auf die Ernährung zu achten: keine Kuhmilchprodukte, kein Weizen, wenig Zucker, keine Eier und dafür Bio-Produkte. Auf einer Website fassen beide ihre Erfahrungen zusammen ( www.liebems.net ). «Laut MRI gab es bei mir in den vergangenen fünf Jahren keine Veränderung im Rückenmark», sagt Corinne Grond zu ihrem heutigen Gesundheitszustand. Klar, sei sie häufig müde, und Lähmungen in Arm und Hand machten ihr teilweise zu schaffen. Sorgen macht sie sich darum trotzdem nicht.

Aus dem intuitiven, expressiven, schnellen Malen mit den Händen ist heute ein eher meditativer Schaffensakt geworden. Mosaikartig entwickeln sich ihre Bilder, die die Malerin mit Acrylfarben Feld um Feld mit dem Pinsel malt. Immer wiederkehrende Motive sind Spiralen als Sinnbild ihrer selbst und ihrer Krankheit und Sonnen, farbenfroh und niemals depressiv. «Beim Malen kann ich die Gedanken fliessen lassen, wenn ich nicht male, wirbelt es», sagt die lebensfrohe Frau, die im Sommer mit Vorliebe im Sarnersee badet.

Bei einem Spaziergang lernten sie und ihr Freund den Galeristen Bruno Estoppey kennen. Er musste mehrfach bitten, bis sie sich entscheiden konnte, bei ihm auszustellen, weil sie es sich nicht zutraute. «Als ich vergangenes Jahr im Zentrum für Gesundheit in Neuenburg Werke zeigte, kam ich zum Schluss, dass eine Ausstellung dank der Hilfe meiner Freunde doch möglich ist.» Unterdessen hat sie drei neue Bilder gemalt: «Für mich ein Riesenerfolg», freut sie sich, denn wegen ihrer Krankheit kommt sie nur langsam voran.

Grösster WC-Guide als Gemeinschaftsprojekt

Das Malen ist nur eines ihrer Projekte. Mit ihrem Freund hat sie ­einen WC-Guide herausgegeben ( www.wc-guide.ch ), das grösste Verzeichnis öffentlicher Toiletten in der Schweiz mit über 5000 eingetragenen stillen Örtchen auf einer Website und einer App. Es erleichtert allen die Reiseplanung, die auf öffentliche Toiletten angewiesen sind.

Hinweis

Corinne Grond – Ausstellung in der Galerie zum Seeweg: Vernissage heute Samstag, 14 bis 17 Uhr. Offen: Sonntag, 8. Oktober, Samstag, 14. Oktober, Sonntag, 15. Oktober, jeweils von 14 bis 17 Uhr.


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