Ein Pfarrer dankt seinem Ferienort

SARNEN ⋅ Seit 45 Jahren verbringt Winfried Abel aus Deutschland seine Ferien in der Mattacher-Kapelle in Oberwilen. Nun spendete er dem Gotteshaus eine Statue.
18. Juli 2017, 08:09

Einige Tränen konnte der 78-jährige Pfarrer Winfried Abel am Sonntag nicht verbergen, als er die Bedeutung, die der Schweizer Landesheilige Bruder Klaus auch in Deutschland ausübt, ansprach. Seit 45 Jahren verbringt der Priester, der früher im deutschen Fulda eine 3000-Seelen-Gemeinde betreute, regelmässig seine Ferien in der Abgeschiedenheit der Mattacher-Kapelle hoch über dem Sarnersee. In dieser Zeit lebt er in einer Klause, die in der beschaulichen Kapelle integriert ist. Ein Ferienaufenthalt in einfachsten Verhältnissen. Früher habe er viel meditiert, später aber öfter Bergwanderungen unternommen. «Diese Gegend ist ein Paradies und gehört während dreier Wochen mir», zeigte er über den Sarnersee. «Und», so Winfried Abel weiter, «ab und zu besuche ich auch Bruder Klaus.» Er lese täglich eine heilige Messe. Am Sonntag ist immer eine stattliche Gemeinde anwesend.

Grosszügiges Geschenk an die Mattacher-Kapelle

Vor Jahren hatte der Pfarrer auch ab und zu eine Hochzeit. Heute ist ihm dies nicht mehr erlaubt. Die Hochzeiten in der Kapelle haben generell abgenommen, berichtete Rosy Burch. Seit dem Neubau vor 50 Jahren betreut sie die Mattacher-Kapelle als Sakristanin. Das Hauptproblem seien die mangelnden Parkmöglichkeiten, so Burch. Solange Pfarrer Abel seine Ferien in der Kapelle verbringt, werde sie ihre Tätigkeit noch ausüben, verriet die 76-Jährige gegenüber unserer Zeitung. Die Ferien sind Ende dieser Woche vorbei, und Abel und Schwester Maria Veronika, die während dieser Zeit bei einer Bauernfamilie logiert, reisen wieder zurück nach Fulda.

Als Anlass des 600. Geburtstags von Niklaus von Flüe hat Pfarrer Abel der Kapelle eine Statue des Landespatrones geschenkt. Zudem verfasste er ein Gebetsbüchlein zu Bruder Klaus, das an der feierlichen Einweihung mit etwa 50 Gästen ebenfalls vorgestellt wurde. Die Statue hat hinter dem Altar einen Ehrenplatz erhalten. Angefertigt wurde die bronzene Figur von der Ebikoner Künstlerin Lisbeth Isen­egger.

Eingeweiht wurde die Figur von Bischof Vitus Huonder, der mit Pfarrer Abel und mehreren Seminaristen eine heilige Messe feierte. In seiner Predigt richtete der Bischof sein Auge auf die Seelsorger und meinte: «Oft steht in der Glaubensverkündigung ein Ideal vor Augen, welches sich nicht erreichen lässt.» Mit Blick auf das Gedenkjahr «600 Jahre Bruder Klaus» meinte der Bischof, dass der Landespatron eine sehr hohe Meinung von den Priestern gehabt hatte, sich aber auch deren Mängel bewusst war. Dabei soll er gesagt haben: «Man soll sich bezüglich des Glaubens auf die Predigt der Priester stützen, auch wenn diese ein schlechtes Beispiel geben.»

Richard Greuter

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

 

Erdbeben beschädigte Kapelle

Erbaut wurde die erste Kapelle 1870. Im Jahr 1833 wurde sie erweitert, 1912 renoviert. Die Kapelle erinnert an ein Gelübde eines kinderlosen Ehepaares und ist der heiligen Maria gewidmet. Nachdem die Kapelle durch Wind und Wetter, vor allem aber durch ein Erdbeben, stark beschädigt worden war, wurde sie 1966 abgerissen.
Etwa 150 Meter weiter unten entstand eine neue, etwas grössere Kapelle, die 1967 eingeweiht wurde. Im Oktober wird das 50-jährige Bestehen der Mattacher-Kapelle mit einer Festmesse gefeiert. (RG)


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