Fliegen, Asseln und Platznot im Staatsarchiv

OBWALDEN ⋅ Das Staatsarchiv leidet weiterhin unter Platzmangel. Damit nicht genug: An zwei der vier Standorte musste man vergangenes Jahr gegen Ungeziefer vorgehen.
17. Mai 2017, 05:00

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

Das Obwaldner Staatsarchiv hat teils mit unangenehmen Gästen zu tun. Im Geschäftsbericht 2016 der Regierung heisst es, dass der Hexenturm an der Kirchstrasse in Sarnen vermehrt von Fliegen heimgesucht wurde. Und das Hauptmagazin im Verwaltungsgebäude an der St.-Antoni-Strasse war «zeitweilig von Asseln befallen». Grund zur Panik bestehe aber nicht, sagt Staatsarchivar Alex Baumgartner auf Anfrage. Dass Fliegen durch Mauerritzen in den Hexenturm gelangen, dann aber keinen Weg mehr ins Freie finden, sei seit Jahren bekannt. «Im vergangenen Jahr war es aber extrem», so Baumgartner. «Deshalb brauchten wir einen Kammerjäger.» Auch die Asseln im Hauptarchiv hat man in der Zwischenzeit erfolgreich bekämpft. «Wir vermuten, dass sie durch die Lüftung gekommen sind.»

Fliegen und Asseln bedrohen das Archivgut zwar nicht direkt. Doch auch abgesehen davon, dass es nicht besonders appetitlich ist, Insekten in den Archivräumen zu haben, sollte man diesen möglichst schnell den Garaus machen. «Ungeziefer zieht anderes Ungeziefer an», betont Baumgartner. Deshalb werde man weiterhin ein wachsames Auge auf mögliche ungebetene Besucher haben.

Ein Hauptmagazin, drei Aussenstandorte

Ein ständig wiederkehrendes Thema ist die Platznot im Archiv. Zwar konnte man Anfang dieses Jahres einen Raum in Untergeschoss des BWZ in Sarnen beziehen. Die neuen Regale – rund 300 Laufmeter – sind hoch willkommen, doch mit dem zusätzlichen Raum im BWZ verteilt sich das Staatsarchiv nun auf insgesamt vier verschiedene Lokalitäten.

Das Hauptarchiv befindet sich im Untergeschoss des Verwaltungsgebäudes. Anfang 2016 konnte man dort zusätzliche Archivräume der Steuerverwaltung beziehen – diese waren aber bald schon voll. Der vierte und neuste Standort im BWZ sei eine provisorische Lösung, schreibt denn auch die Regierung im Geschäftsbericht. «Der Raum ist nur über eine Treppe zugänglich, was die Einlagerung und Aushebung der Archivalien erschwert.»

In der Schwerpunktplanung für die kommenden Jahre hält die Regierung fest, worauf das Augenmerk liegt: «die Planung und Umsetzung von Massnahmen zur Lösung des Archivraumproblems». Obwohl es erste Ideen gibt, ist eine solche Lösung mittelfristig noch nicht in Sicht – dabei wird die Platznot «wirklich langsam akut», wie Baumgartner bedauert.

Die Regierung schreibt dazu weiter: «Die Bewirtschaftung von nunmehr drei Aussenmagazinen und einem Hauptarchiv bindet personelle Ressourcen.» Und keines der Magazine des Staatsarchivs genüge den Ansprüchen an ein Endarchiv.

«Gerade für die betrieblichen Abläufe wäre es schon wünschenswert, wenn wir alles an einem Ort hätten», sagt Baumgartner. Ideal wäre eine grosse Zentrale, in der auch die Museen und die Kantonsbibliothek ihr Archivgut lagern könnten. Ob und wann sich eine Lösung abzeichnet, ist allerdings noch offen. Die Raumsituation, so schreibt der Regierungsrat im Geschäftsbericht über das vergangene Jahr, bleibe «eines der drückendsten Probleme des Staatsarchivs».


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