«Franziskus» besorgt das Pulver

OBWALDEN/BURUNDI ⋅ Unter dem Patronat der Franziskaner in Flüeli-Ranft leistet ein Verein Hilfe an Burundis Jugend. Mit Erfolg: Bundesrat Didier Burkhalter hat man gar ein Zugeständnis entlockt.
17. Juni 2017, 04:39

Markus Villiger

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«Tu zuerst das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche.» Von diesem Leitmotiv von Franz von Assisi (1182–1226) liessen sich die Gründer des Trägervereins franziskus-burundi.ch leiten, als sie sich nach erfolgreicher zweijähriger Pilotphase des Projekts «Franziskus in Burundi» im vergangenen November im Kloster in Flüeli-Ranft Statuten gaben. Das Vereinsziel: Kinder im ostafrikanischen Binnenstaat Burundi (11 Millionen Einwohner), von denen eine Vielzahl elternlos aufwachsen und unter ärmsten Verhältnissen leben, von der Strasse zu holen und sie zur Selbstständigkeit zu begleiten.

Keine leeren Worte: Nach seinem jüngsten Besuch vor Ort im Mai liess der Vereinsvorstand gar politische Taten folgen. Dies, weil man in der Säuglingsabteilung von Mutumba vernommen hatte, dass das Deza (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit) wegen Sparbeschlüssen im Par­lament die Finanzierung von Milchpulver für unterernährte Säuglinge streichen wolle. «Wegen dieser relativ kleinen Einsparung sind ab 2019 zahlreiche Kinder akut vom Hungertod bedroht», erklärt Co-Präsident Urs Kaltenrieder bestürzt.

Bundesrat will Lieferung veranlassen

In einer Petition an Bundesrat Didier Burkhalter bat Kaltenrieder deshalb, die «folgenschwere Kürzung wieder aufzuheben». Und siehe da: Sehr zur Freude von Kal­tenrieder erhielt er bereits drei Wochen später Post vom Magistraten aus Bern persönlich. «Er klärte uns ausführlich über die Situation in Mutumba auf», schildert Kaltenrieder. Und weiter: Um unnötige administrative Kosten zu vermeiden, werde die Deza den Kredit «Milch» ab 2018 dem Welternährungsprogramm (WFP) zukommen lassen. Als Partner von Nichtregierungsorganisationen könnten sich die Marienschwestern aus Mutumba mit Unterstützung des Deza-Kooperationsbüros in Bujumbura bei diesem Programm um finanzielle Unterstützung bewerben.

Und zur eigentlichen Einflussnahme des Vereins: Um Versorgungsengpässen in Mutumba gezielt entgegenzuwirken, wird die Deza für 2018 eine Milchpulverlieferung aus der Schweiz veranlassen. Dies versicherte Didier Burkhalter in der persönlichen Verlautbarung.

Sieben Buben Perspektiven ermöglicht

Der im Kloster der Franziskaner in Flüeli-Ranft unter dem Patronat der Patres Klaus Renggli und Xavier Tachel gegründete Verein wird von Geschäftsführerin Ruth Staub aus Sarnen und dem strategischen Leiter Urs Kaltenrieder aus Regensdorf im Co-Präsidium geführt. Die Spenden für die Pilotphase von 2014 bis 2016 stammten aus dem privaten Umfeld der beiden sowie einer Erbschaft einer Familienangehörigen, welche in Afrika als Hauswirtschaftslehrerin bei der Basler-Mission tätig war.

So wird eine Wohngruppe in Bujumbura finanziert, die vom 33-jährigen einheimischen Reiseführer Eric geleitet wird, den Ruth Staub bei früheren Burundi-Besuchen kennen gelernt hat. Gemäss Staub ein «gegenseitiger Glücksfall». Die aktuell neun Buben hätten denn auch grosses Vertrauen in ihn. Innert knapp drei Jahren habe Eric total sieben Buben im Alter von 9 bis 16 Jahren Perspektiven für ihr weiteres Leben ermöglicht.

Die Kosten der Wohngruppe belaufen sich pro Jahr auf rund 20 000 Franken oder pro Kind und Tag auf 5.70 Franken. Zum Vergleich: Eine Platzierung in einem Kinderheim in der Schweiz kostet pro Kind und Tag rund 400 Franken. «Die finanziellen Mittel werden auch in Zukunft grösstenteils über Spenden beschafft werden müssen. Dies stellt für den Vereinsvorstand eine besondere Herausforderung dar», sagt Ruth Staub dennoch zuversichtlich.

In Anlehnung an Franz von Assisis Leitmotiv «Notwendiges tun» heisst zu handeln für sie die Sicherstellung von ärztlicher Not- und Grundversorgung, Bekleidung, liebevoller Betreuung, Bildung, Nahrung, Sicherheit und Unterkunft. Das Projekt in Burundi betätigt sich denn auch in sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht zur Schaffung von tragfähigen Lebens-, Entwick­lungs- und Bildungsräumen.

Hinweis: Gemeinnütziger Verein franziskus-burundi.ch, 6060 Sarnen, www.franziskus-burundi.ch.


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