«Frutt-Stübli» interkontinental unterwegs

OBWALDEN ⋅ Für die Swiss hat «Frutt-Lodge»-Küchenchef Andreas Appenzeller acht Bordgerichte gezaubert. Als Beilage wird der kulinarische Gastkanton noch bis Anfang September auch touristisch beworben – nur fehlt dabei sein wichtigstes Aushängeschild.
20. Juni 2017, 05:00

Christoph Riebli

christoph.riebli@obwaldnerzeitung.ch

Als «Taste of Switzerland» bietet die Fluggesellschaft Swiss seit 2002 Schweizer Spitzenköchen ein Schaufenster, um auf den Interkontinentalflügen die kulinarische Vielfalt des Landes zu präsentieren – die Menüs wechseln alle drei Monate. Mit den saisonalen Gerichten stehen zugleich die Schweizer Regionen im touristischen Rampenlicht. Zum ersten Mal mit an Bord – als letzter Kanton überhaupt – ist von Juni bis Anfang September Obwalden. Zur Errettung «unserer» kulinarische Ehre tritt «Europas höchstgelegenes 4-Sterne-Superior-Hotel an einem See» an: die «Frutt Lodge & Spa», «im Herzen der Schweiz auf dem sonnigen Hochplateau von Melchsee-Frutt» gelegen, wie es in der Menükarte heisst.

Auch Obwaldner Käse fliegt mit

Angerührt hat dafür Andreas Appenzeller, Küchenchef des «Frutt-Stüblis», der sich mit seiner «alpinen Küche» bereits 15 Gault-Millau-Punkte erkocht hat. Seit Januar hat er acht Gerichte für die Menükarte der Fluggesellschaft kreiert. So etwa ein Kalbssteak mit Obwaldner Rohschinken (First Class), Rindsfilet mit Thymiansauce und Obwaldner Griessnocke (Business-Class) oder auch Älplermagronen in Gratinform: «An den Gastkoch werden hohe Anforderungen gestellt», erklärt Thorsten Fink, Geschäftsführer der Frutt Resort AG, der natürlich stolz ist, mit seinem Betrieb Obwalden vertreten zu dürfen. «Die Swiss ist auf uns zugekommen, wir mussten eigentlich nichts anderes machen, als konstant auf hohem Niveau zu kochen», erklärt er das Zustandekommen. «Im Flieger ist alles eine Frage der Ökonomie», erzählt Fink weiter. So dürfe die Zubereitung eine gewisse Anzahl Handgriffe nicht überschreiten. Auch gelte es, die spezielle Zubereitung im Flieger zu berücksichtigen – das Essen wird am Boden von Gate Gourmet vorgekocht und dann in der Luft aufgewärmt: «Es gibt gewisse Speisen und Zutaten, mit denen man das nicht machen kann.» Bei den Menüs wurde zudem «stark auf regionale Zutaten geachtet, da wir im ‹Stübli› selbst über 90 Prozent unserer Lebensmittel lokal und regional beziehen». So gibt es denn im Flugzeug auch Obwaldner Käsespezialitäten wie den Schacher-Seppli-Chäs (Schnider, Giswil), das Seiler-Sarnerli oder den Sälmi-Geisskäse (Sälmi Töngi, Gerschnialp).

Ein kleiner Schönheitsfehler

Die Nagelprobe hatten die Obwaldner Gastronomen kürzlich am Swiss Economic Forum (SEF) in Interlaken, wo Andreas Appenzeller mit einem Cateringteam 150 Gäste verköstigte: «Die Leute waren begeistert, das wird im Flieger nicht viel anders sein», ist Thorsten Fink überzeugt. Und weiter: «Das ist tolle Werbung für den ganzen Kanton.» Denn Obwalden Tourismus, in dessen Verwaltungsrat Fink seit kurzem sitzt, durfte quasi als Beilage zu den kulinarischen Köstlichkeiten die Karte mit Werbecharakter mitgestalten. Nur einen Schönheitsfehler hat es darin: Das grösste touristische Aushängeschild Obwaldens fehlt. Gingen Engelberg und der Titlis neben der Melchsee-Frutt, dem Pilatus, dem Glaubenberg und dem Lungerersee also einfach so vergessen? «Es geht bei dieser Aktion hauptsächlich um die Melchsee-Frutt und die ‹Frutt-Lodge› und somit um die dazugehörende Destination Sarneraatal, die von Obwalden Tourismus vermarktet wird. Es bestand also nie die Absicht, Engelberg auszublenden», erklärt Bea Brunner, Leiterin Marketing von Obwalden Tourismus, auf Anfrage.

«Entspannt» sieht das Peter Reinle, Leiter Marketing der Titlis-Bahnen: «Würden wir angefragt, würden wir auch Engelberg-Titlis promoten und nicht zuerst ans Sarneraatal denken.» «Obwohl», fügt er an: Tourismus kenne eigentlich keine Grenzen.


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