Sonam Tsering Shardupenki: Der Flüchtling vom Werkdienst

OBWALDEN ⋅ Seit einem halben Jahr arbeitet der Tibeter Sonam Tsering Shardupenki beim Kernser Werkdienst. Der 38-Jährige ist ein Musterbeispiel dafür, wie sogenannte Nischenarbeitsplätze bei der Integration helfen können.
12. Oktober 2017, 05:00

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

Für viele Kernser ist er bereits ein bekanntes Gesicht. Vor drei Jahren kam der 38-jährige Tibeter Sonam Tsering Shardupenki in die Schweiz. Anfangs verbrachte er einige Zeit in Basel, dann liess er sich als anerkannter Flüchtling in Kerns nieder.

Vor einem halben Jahr vermittelte ihm die Kontaktstelle ­Arbeit Ob-/Nidwalden einen Nischenarbeitsplatz beim Werkhof Kerns. Seither hilft Sonam, wie ihn hier alle nennen, dem vierköpfigen Team des Werkhofs in einem 60-Prozent-Pensum. «Er ist fleissig und immer sehr freundlich», lobt ihn Thomas Arnold, Leiter des Kernser Werkdiensts. Auch habe er immer wieder Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten. «Die Leute fragten, wer denn dieser aufgestellte und hilfsbereite Mann sei, der beim Werkhof arbeite», erzählt Arnold. «Für keine Arbeit ist er sich zu schade.»

Zum Aufgabenbereich gehö­ren beispielsweise Arbeiten bei der Sammelstelle für Recycling und Entsorgung, beim Strassenunterhalt oder bei Schachtsanierungen in der Kanalisation. Auch das Leeren der Robidog-Kübel – eine Aufgabe, die bei den Werkhofmitarbeitern nicht immer Begeisterungsstürme auslöst – erledigt der Tibeter ohne Murren. Einziges kleines Manko ist, dass Sonam nicht Auto fahren kann. «Da er aber sehr selbstständig arbeitet, können wir ihn problemlos mit den Geräten und Werkzeugen dorthin chauffieren, wo es etwas zu tun gibt, und später wieder abholen», sagt Thomas Arnold. Diese Woche beispielsweise erledigte Sonam kleinere Belagsarbeiten beim Friedhof.

Ende Oktober zieht er zu seiner Frau nach Bern

Und wie fühlt sich der Tibeter ­ im Werkhof-Team unter diesen alteingesessenen Kernsern? «Super», schwärmt Sonam. «Alle helfen mir und sind nett zu mir.» Auf Hochdeutsch kann er bereits ganz passabel einfache Gespräche führen. Und wenn zwei andere Personen Dialekt miteinander sprechen, kriegt er auch schon mit, worum es geht. Sein Ziel sei es, weiter Fortschritte im Erlernen der deutschen Sprache zu machen, erzählt der Tibeter. Weitere Kurse wird er allerdings in Bern besuchen. Dort wohnt nämlich seine Frau, ebenfalls eine Tibeterin, und kürzlich hat Sonam entschieden, Ende Oktober zu ihr nach Bern zu ziehen und dort eine neue Arbeit zu suchen. «Eine kleine Abschiedsparty machen wir dann schon noch», sagt Werkdienstleiter Thomas Arnold schmunzelnd. «Wir werden Sonam vermissen.»

Für Leute, die auf Stellensuche sind, sei die Arbeit beim Werkhof aus mehreren Gründen sinnvoll, erklärt Arnold. «Hier haben sie einen geregelten Tagesablauf und können Neues lernen.» Auch bei der Bewerbung für einen langfristigen Job könne das Arbeitszeugnis helfen.

Solche Nischenarbeitsplätze stehen nicht nur Flüchtlingen zur Verfügung. Die Kontaktstelle Arbeit hilft Menschen, die seit langem erfolglos auf der Suche nach einem Job sind, bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. Dafür arbeitet sie mit verschiedenen Partnern und Arbeitgebern in Ob- und Nidwalden zusammen – sei es eine Käserei, ein Betagtenheim, ein Restaurant oder ein Industriebetrieb.

«Derzeit werden etwa 60 bis 70 Personen von der Kontakt­stelle Arbeit begleitet», sagt ­Manuela von Ah, Präsidentin der Arbeitsstiftung Obwalden (Trägerin der Kontaktstelle Arbeit). «Bei rund der Hälfte der Fälle ­erreichen wir das Ziel, also die berufliche und soziale Wiedereingliederung.» Dazu stehe man auch im regelmässigen Kontakt mit anderen Behörden und Institutionen, beispielsweise Job-Vision, Migrationsamt, RAV, Amt für Arbeit und IV-Stelle.

Hinweis: Weitere Informationen: www.kontaktstellearbeit-ownw.ch


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