Gäste kommen selbst aus den USA

ENGELBERG ⋅ Generationenwechsel bei der Academia Engelberg: Nach über 17 Jahren gibt Dominik Galliker die Geschäftsführung ab. Er erinnert sich an Zeiten, als man noch um Referenten betteln musste.
17. Juli 2017, 05:00

Interview Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

Dominik Galliker, mit welchen Gefühlen verlassen Sie die Academia nach fast zwei Jahrzehnten als Geschäftsführer?

Mit einem sehr guten Gefühl. Wir sind wunderbar aufgestellt, haben interessante Referenten an den sehr gut besuchten Veranstaltungen. Die Teilnehmer erteilen uns jeweils Bestnoten.

Was hat Sie zum Rücktritt bewogen?

Es war ein Entscheid der Vernunft. Ich werde nächstes Jahr 80 Jahre alt, da ist es Zeit aufzuhören. Ich habe zwar absolut keine Ermüdungserscheinungen, aber man sollte etwas nicht zu lange machen, sonst fährt es sich fest und nützt sich ein bisschen ab. Da wir nach langer Suche mit Thomas Eichenberger einen geeigneten Nachfolger gefunden haben, ist der Zeitpunkt für einen Stabwechsel ideal.

Hätten Sie gedacht, dass Sie fast zwei Jahrzehnte die Geschicke der Academia leiten würden?

Nein, damit habe ich nicht gerechnet. Ich hatte viel Spass, eine solche Institution ins Leben zu rufen und zu führen. Doch wie sich das entwickeln würde, war völlig offen.

Was gab den Ausschlag ­damals für die Gründung der Academia?

Wir wollten eine internationale Plattform auf hohem Niveau bieten und Brücken bauen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

Welche Gäste oder Veranstaltungen bleiben Ihnen unvergesslich?

Unter den zahlreichen hochkarätigen Referenten kommt mir als Erstes der im vergangenen Jahr verstorbene Jakob Nüesch in den Sinn, ehemaliger ETH-Präsident. Auch unvergessen bleiben mir Ernst von Weizsäcker, Kurt Spillmann und alle langjährigen Stiftungsräte, insbesondere Felicitas Pauss und Gerd Folkers von der ETH.

Wie schafften Sie es, hoch­karätige Gäste nach Engelberg zu locken?

Im Stiftungsrat legten wir die Jahresthemen zwei, drei Jahre im Voraus fest und machten uns dann auf die Suche nach geeigneten Referenten. Früher mussten wir eher noch betteln. Mit den Jahren wuchs unser Netzwerk. Die Academia Engelberg machte sich bei den Referenten auch einen Namen – auch international. Die Referenten kommen gerne nach Engelberg – und dies, obwohl wir grundsätzlich kein Honorar bezahlen. Als kleine Konferenz mit 100 bis 150 Gästen pro Veranstaltung lässt dies unser Budget nicht zu. Nur ganz selten kam es vor, dass jemand für einen Abend 10 000 Franken verlangte. Darauf gingen wir nicht ein.

Wie war die Resonanz des Publikums?

Die Besucher gaben unseren Vorträgen in den Umfragen immer die Note gut bis sehr gut. Viele kommen immer wieder. Mit den Jahren konnten wir auch wahre Stammgäste gewinnen – auch aus dem fernen Ausland. Ein Unternehmer aus den USA besucht unsere Vorträge regelmässig und verbindet den Aufenthalt in Engelberg mit Ferien in der Schweiz.

Was konnten die Veranstaltungen Ihrer Ansicht nach bewirken? Blieb es einfach bei schönen Worten?

Wir hoffen natürlich immer, dass wir etwas bewegen können. Ich erinnere mich an ein Projekt vor zehn Jahren, bei dem es darum ging, den Zugang zu Wasser in Kenia zu verbessern und an die vielen Folgeveranstaltungen über die Jahre. Unsere Homepage www.academia-engelberg.ch mit Videos aller Referate wird sehr oft genutzt.

Welchen Einfluss hatte der veränderte Zeitgeist auf die Academia?

Es ist alles schneller geworden. In Bereichen wie etwa der künstlichen Intelligenz sind die Entwicklungen so rasant, dass wir mit den Planungen der Referate gar nicht Schritt halten könnten. Unsere Stärke ist die Beleuchtung von Themen unter dem disziplinenübergreifenden Aspekt.

Braucht es die Academia in der heutigen Zeit noch?

Ja, wenn man flexibel bleibt, und sich ständig die Frage stellt, was man besser machen kann. Es braucht Institutionen, welche zukünftige Themen rechtzeitig aufnehmen und kontradiktorisch diskutieren.

Gibt es die Academia auch in den nächsten 17 Jahren noch?

Das ist schwierig zu sagen. Ich glaube, in den nächsten 10 Jahren wird es sie noch geben. Die Mittelbeschaffung wird in den nächsten Jahren nicht einfacher. Das Geld, um Konferenzen durchzuführen, liegt nicht auf der Strasse.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger Thomas Eichenberger?

Er soll mit Herzblut neue Themen aufgreifen, selbstsicher und initiativ an die Sache rangehen.

 

Hinweis

Dominik Galliker (78) studierte Physik und war von 1988 bis zur seiner Pensionierung 1998 oberster Chef der Suva. Er lebte 35 Jahre in Stansstad und wohnt jetzt in Luzern.


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