Weihnachtsmarkt: Wenn Geheimnisse um Kräuter Geheimnisse bleiben

SARNEN ⋅ Der Weihnachtsmarkt auf dem Dorfplatz hat kaum etwas von seiner Popularität eingebüsst. Auch Bruder Ignazius war mit seinen klösterlichen Geheimnissen vor Ort.
01. Dezember 2017, 08:07

Primus Camenzind

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Ignazius (im weltlichen Leben Jost Ettlin aus Kerns) zeigte sich unserer Zeitung gegenüber zufrieden mit dem Weihnachtsmarkt vom Mittwoch. Er stimmt der Einschätzung von Cäcilia Wiese zu: «Der Schneefall hätte etwas früher einsetzen dürfen», meint die Vertreterin der Sarner Fachgeschäfte. Mit der spärlichen weissen Pracht am Nachmittag und den Auftritten der «heiligen Familie» im Rahmen der lebendigen Krippe sei aber doch Leben und vorweihnächtliches Treiben auf den Dorfplatz gekommen. «Auch die Marktleute sind mehrheitlich zufrieden», sagt Cäcilia Wiese, «obwohl wir die Auflage 2017 nicht mit dem Vorjahr vergleichen können, denn damals stimmte ganz einfach alles.»

Klösterliche Geheimnisse gibt Ignazius nicht preis

Beim Besuch seines Standes träufelt uns Bruder Ignazius einige Tropfen altjapanisches Pflanzenöl in die Handflächen. «Reiben Sie diese aneinander, halten Sie sie vors Gesicht und atmen mehrmals tief und entspannt ein», fordert er uns auf. Die befreiende Wirkung bleibt nicht aus. Und jetzt zählt der in eine Kutte gehüllte «Mönch» auf, gegen welche Beschwerden seine Kräuter und Fruchtelixiere gut sind. Eine lange Liste, obwohl der im weltlichen Alltag als ökologischer Berater im biologischen Landbau wirkende Mann seine «klösterlichen Geheimnisse» im Detail nicht preisgibt. Sein Wissen um die Heilungskräfte der Natur ist enorm, und weil er dieses seinen Kunden in kurzweiliger Art vermittelt, hat Ignazius an seinem Stand beachtlichen Zulauf. In der Regel kommt es vor dem Kauf zu einem lockeren «Schwatz» vor allem mit jenen, die inzwischen in die Jahre gekommen sind und sich noch heute zuerst an Hausmittelchen halten, bevor sie der Medikamentenflut unserer Tage erliegen. «Die Leute sind gescheit genug, um zu merken, ob jemand glaubwürdig ist», betont Ignazius. Er arbeitet übrigens bei der Entwicklung der meisten Produkte seines Angebots aktiv mit. «Nebenberuflich, etwa in einem 15-Prozent-Pensum».

Weihnachten hat verschiedene Gesichter

Im Hintergrund geht ihm Mitbruder Marinus Bucher zur Hand. «Das ist übrigens sein ziviler Vorname, und dieser passt optimal in eine Mönchskutte», betont Ignazius. Der gelernte Schreiner ist heute nach eigener Aussage «Allrounder», hat sich das Wissen von seinem «Chef» angeeignet und ist sporadisch, hauptsächlich am Weihnachtsmarkt im Einsatz.

Apropos Weihnachten. Dazu hat Ignazius eine etwas distanzierte Einstellung. «Es geht nicht nur um Konsum, Glanz und Geschenke, sondern darum, für einander Zeit zu haben, ein gutes Wort, ein Lächeln, ein Händedruck – das ist genau so wichtig.» Weihnachten habe verschiedene Gesichter. Inzwischen ist nämlich die Dämmerung hereingebrochen. Der Sarner Weihnachtsmarkt beginnt zu leuchten. Da und dort glänzen die Auslagen. Christbaumschmuck, Blumen, Wollsachen, Spielzeug und vieles mehr bezaubern Jung und Alt. Natürlich befinden sich jetzt auch Maria, Josef und das Kind in der Krippe im Strahl der Scheinwerfer.


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