Handy lotst Retter zum Verunglückten

OBWALDEN ⋅ Die geglückte Rettung eines Berggängers am vergangenen Wochenende war nicht zuletzt auf die erfolgreiche Handyortung zurückzuführen. Eine Garantie dafür sind Mobiltelefone allerdings nicht.
13. Juni 2017, 05:00

Matthias Piazza

 matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch 

Glück im Unglück für einen 59-jährigen Berggänger, der am vergangenen Samstagabend im steilen Gelände in den Sachsler Bergen 80 Meter in die Tiefe stürzte und sich dabei schwere Verletzungen zuzog (wir berichteten). Er wurde am Sonntag um etwa 1.30 Uhr gefunden und befindet sich noch immer in Spitalpflege. Zu seiner geglückten Rettung trug auch die Handyortung bei. Ausgerüstet mit einem sogenannten Imsi-Catcher ortete man mit dem Rega-Heli den Standort des Verunglückten beziehungsweise seines Handys. Diese fliegenden Handyzellen werden abwechselnd von der Kantonspolizei Zürich und dem Fedpol (Bundesamt für Polizei) betrieben. Die Hightech-Geräte werden bei Bedarf – so auch am Wochenende – im Rega-Helikopter mitgeführt. 

Dank einer Art Unterdrückung fester Handyzellen wird das Handysignal auf die Heli-Zelle umgeleitet. «So waren wir ständig mit dem Mobiltelefon des Verunglückten in Kontakt und konnten den Standort im Laufe der intensiven Suchaktion auf wenige hundert Meter genau orten», blickt Martin Küchler auf die gelungene Rettungsaktion zurück. Als Chef der Rettungsstation Sarneraatal leitete er ein 22-köpfiges Team. Unterstützt wurde die Aktion durch ein Geländesuchteam, ein Personensuchteam der Luzerner Polizei, einen Helikopter mit einem Rega-Team sowie durch Angehörige der Kantonspolizei Obwalden. 

Parallel dazu veranlasste die Kantonspolizei Obwalden eine Notsuche. Dabei wird ermittelt, welche Mobilfunkantennen zuletzt mit dem Handy kommunizierten. Dies ist in solchen Fällen erlaubt. «Damit kann man das Gebiet aber nur sehr grossflächig eingrenzen, der Imsi-Catcher brachte den entscheidenden Durchbruch», erläutert Hanspeter Durrer, Pikettoffizier der Kantonspolizei Obwalden. 

Bewilligung folgt nach der Rettung

Das Handy muss allerdings eingeschaltet sein, und die Retter müssen die Telefonnummer des Vermissten kennen. Beide Voraussetzungen waren in diesem Fall erfüllt. Denn es waren Verwandte, welche die Polizei alarmierten. Die Bewilligung für die Handyortung erteilt in Obwalden die Kantonsgerichtspräsidentin aus Zeitgründen im Nachhinein. «Bei solchen Einsätzen geht es ums Leben der vermissten Person, da können wir nicht zuwarten», begründet Hanspeter Durrer das Vorgehen. 

Welches Ortungssystem besser sei, lasse sich nicht einfach sagen, erklärt Martin Küchler. «Bei idealen Wetterverhältnissen ist der Imsi-Catcher genauer. Die Gefahr besteht aber, dass das Signal durch Schnee, Eis, Felswände oder andere Einflüsse gestört wird.» So oder so: «Die Handyortung ist bei der Rettung eine grosse Hilfe.» Dies sei aber nur ein Glied in der ganzen Rettungskette. Naheliegend ist natürlich, dass der Verunfallte selber einen Notruf absetzen kann, möglich ist dies auch mit einer Rega-App, welche im Notfall auch ohne Internetverbindung funktioniert. Dies war dem Verunfallten nicht möglich, da er laut Küchler das Handy beim Sturz verloren hatte. 
Eine Garantie, dank Handy geortet zu werden, gebe es aber so oder so nicht, zumal man in Gebirgsgegenden nicht überall Empfang habe. Martin Küchler empfiehlt darum, einen Notfunk (E-Kanal) mitzuführen, der auch ohne Handynetz funktioniere. Doch bei leerem Handyakku nütze letztlich auch das beste Mobilfunknetz nichts. Trotz Handyortung sieht Martin Küchler noch Verbesserungspotenzial, vor allem, was den Datenschutz betrifft. «Bei einem Notruf von einem Prepaid-Handy aus kommen wir nicht an detailliertere Angaben über die verunfallte Person. Dabei wären jegliche Hinweise über das persönliche Umfeld und die Absichten des Vermissten für eine erfolgreiche und rasche Rettungsaktion wichtig», so Küchler.


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