Handyhüllen aus Mais, Zucker und Öl

OBWALDEN/LUZERN ⋅ Herkömmliche Schutzhüllen fürs Handy werden aus Rohöl hergestellt. Das muss nicht sein, dachte sich ein Kernser Student. Zusammen mit drei Kollegen entwickelte er das Biocase. Es soll bald in die Läden kommen.
13. August 2017, 05:00

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

In verschiedenen Farben und mit unterschiedlichen Sujets sind sie zu haben, die Schutzhüllen fürs Smartphone. Doch egal, ob schwarz oder pink, ob uni oder wild verziert: Ihnen allen gemeinsam ist, dass ihr Kunststoff aus Rohöl hergestellt wird. «Das muss doch auch ökologischer gehen», dachte sich Dominic Zajonc.

Der Kernser, der an der Hochschule Luzern – Technik und Architektur Maschinenbau studiert und zurzeit kurz vor der Masterarbeit im Fachgebiet Energy and Environment steht, begann sich Gedanken zu einer ökologischen Alternative zu machen. Drei ehemalige Studienkollegen von unterschiedlichen Fachgebieten holte er mit ins Boot. Es wurde getüftelt, entwickelt, ein Businessplan erstellt, ein Produzent in der Region gesucht, ein Internetauftritt aufgebaut. «Unser Glück ist, dass in unserem Team mehrere Fachrichtungen vertreten sind.»

Im Gespräch mit mehreren Mobilfunkanbietern

Dominic Zajonc rechnet damit, dass ab Oktober die gemäss eigenen Angaben weltweit ersten Smartphone-Hüllen aus biobasiertem Kunststoff für 29 Franken in der Schweiz erhältlich sein werden. Man sei im Gespräch mit mehreren Mobilfunkanbietern. Statt Rohöl werden zu 97 Prozent erneuerbare Rohstoffe wie Mais, Zucker und Pflanzenöl (Rizinusöl) verwendet. «Damit sparen wir über den Lebenszyklus 70 Prozent Kohlenstoffdioxid», erklärt er. Bei der Produktion von 250000 Biocases wollen die Jungunternehmer gegenüber den herkömmlichen Plastikhüllen 13,1 Tonnen Kohlendioxid einsparen. Zugeständnisse an die Qualität müssten nicht gemacht werden. «Das Obwaldner Unternehmen, dessen Namen wir noch nicht verraten dürfen, produziert auch Qualitätsprodukte in der Medizinalbranche. Die Handyhüllen sind genauso robust und langlebig wie herkömmlich hergestellte.» Warum kam bisher noch niemand auf die Idee? «Biobasierter Kunststoff ist zum einen recht neuartig und auch etwas teurer im Einkauf als normales Plastik. Doch der Gewinn steht bei uns nicht im Vordergrund, uns geht’s ums Ökologische», beteuert Zajonc.

Auch wenn die vier in ihrer Freizeit ohne Bezahlung tüftelten, ohne Geld geht es nicht. Die Produktionskosten von rund 48000 Franken wollen sie über Crowd­funding finanzieren. Rund 3000 Franken sind erst zusammengekommen. Dominic Zajonc ist trotzdem zuversichtlich, dass es bis Ende August noch einen Schub gibt. Es sei erfahrungs­gemäss so, dass vor Ablauf der Frist die grössten Beträge zusammenkämen. Wie bei dieser «Schwarmfinanzierung» üblich, gibt es eine Gegenleistung. Die ersten 200 Spender erhalten 33 Prozent Rabatt, die übrigen Sponsoren werden bei der Lieferung der Biocases bevorzugt.

Zunächst kommen die Besitzer von iPhone 6, 6s und 7 in den Genuss der ökologischen Hüllen. Biocases für weitere Modelle sollen später folgen. «100 000 Stück pro Jahr zu produzieren, wäre ideal. Das erachten wir als realistisch. Wenn es wirklich gut läuft, können wir vielleicht gar einmal davon leben», meint Dominic Zajonc. Bereits haben sie weitere Ideen in petto, so etwa die Produktion von aufklapp­baren ökologisch hergestellten Handyhüllen.

Gregor Vogt, Mediensprecher von Mobilezone, attestiert dem «auf den ersten Blick hochwertigen Produkt» gute Marktchancen. «Sofern auch Design und Preis stimmen, das sind die wichtigsten Kriterien für Smartphone-Kunden.» Grundsätzlich spreche nichts dagegen, das Biocase ins Sortiment von Mobilezone aufzunehmen, dem – nach eigenen Angaben – Marktführer in der Mobiltelefonie mit schweizweit 125 Filialen.

Hinweis

Internet: www.biocase.ch


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