Heftiger Widerstand gegen «gigantische Bauten»

SARNEN ⋅ Der überarbeitete Quartierplan fürs Bauvorhaben Hofmattpark, der zurzeit im Gemeindehaus aufgelegt ist, bleibt umstritten. Anwohner und der Heimatschutz fordern, dass die teils 7-stöckigen Häuser nach unten korrigiert werden.
16. Mai 2017, 05:00

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Tagtäglich bleiben wildfremde Spaziergänger auf der Rütistrasse stehen und zeigen mit Fingern auf die unglaublich hohen Profilstangen, die da zwischen unserer Pfarrkirche und dem Ufer der Sarneraa stehen», sagt der Sarner Velohändler Beat Tschupp. Sein Haus liegt genau gegenüber der geplanten Siedlung, und er ist einer von rund 30 Anwohnern, die dem gigantischen Projekt den Kampf angesagt haben.

Ein erster Quartierplan sah auf der 25'200 Quadratmeter grossen Wiese total 130 Wohnungen in bis zu 7-stöckigen Wohnblöcken vor. 2018 sollten sie bezugsbereit sein.

Quartierplan liess lange auf sich warten

Als der Immobilientreuhänder und Hofmatt-Eigentümer Elmar von Holzen – er ist auch Mitglied der strategischen Planungskommission der Gemeinde Sarnen – im Januar 2015 über das Grossbauvorhaben orientierte, formierte sich sogleich massiver Widerstand – von verschiedensten Seiten. Eine gültige Eingabe des Quartierplans blieb darauf lange aus.

Der Sarner Gemeinderat und Bauchef Marcus Wälti liess 2016 gegenüber unserer Zeitung verlauten: «Aufgrund all dieser Anliegen wird der Quartierplan derzeit angepasst.» Marcus Wälti gab sich überzeugt, dass man auf dieser grünen Wiese verdichtet und hoch bauen sollte. Schliesslich hätten die Stimmbürger der Einzonung des Landes als Spezialzone zugestimmt.

Die Hofmatt ist ein höchst sensibles Gebiet. Sie grenzt an die barocke Pfarrkirche, die als Kulturgut von nationaler Bedeutung unter Denkmalschutz steht. Das umliegende Kirchhofen-Quartier gehört zum Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (Isos). Dies sind Gründe dafür, dass der Quartierplan Hofmatt nochmals überarbeitet wurde.

Seit dem 28. April – und noch bis morgen Mittwoch – liegt der Plan im Gemeindehaus öffentlich auf. Alois Abegg, Fachbereichsleiter Bau und Raumplanung der Gemeinde Sarnen, zeigt unter anderen folgende wichtige Änderungen auf: «Das zweiteilige Baufeld ‹Paulhof› entlang der Kirchstrasse wurde im Süden um ein Geschoss, maximal drei Meter, reduziert, und die sechs Bauten im ‹Aapark› an Rütistrasse und Sarneraa wurden nordwärts etwas zurückverschoben. Alles, damit die Pfarrkirche sichtbar bleibt.» Ferner habe man an der Sarneraa (Aapark) die südlichsten Bauten in Volumen und Höhe leicht eingeschränkt.

Trotz alldem bleibt ein Knackpunkt: Zwar werden drei Baufelder an der Sarneraa in der Höhe um 2 Meter verkleinert, die drei weiteren aber will man gar um nochmals 25 Zentimeter anheben. Auch bei der zweiten Orientierung zum Quartierplan Hofmatt am 20. April reagierten die Anwohner höchst ungehalten und empört auf die Ausführungen von Elmar von Holzen und dem Architektenteam. Und auch diesmal sind Einsprachen mit über 30 Unterzeichnenden nicht ausgeblieben. Einheitlicher Tenor: «Behörden sollen diese gigantische Überbauung stoppen!»

Eine «Verschandelung der ganzen Gemeinde»

«Bei einer Bauhöhe bis 25 Meter und bis zu 7 Stockwerken nimmt unser Quartier städtische Dimensionen an», schreibt Beat Tschupp. Die Einsprecher fordern, dass auf dieser grünen Wiese höchstens dreigeschossige Bauten errichtet werden sollten. Ferner moniert Tschupp, dass das Bauvolumen die Isos-Vorschriften nicht einhalte. «Für uns ist das Vorhaben eine Verschandelung der ganzen Gemeinde und der wunderschönen Landschaft.»

Im Beschlussprotokoll des Sarner Einwohnergemeinderats vom 24. April wird ein Fachgutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) zitiert. Darin heisst es: «Die ENHK kommt zum Schluss, dass der Quartierplan Hofmattpark eine schwere Beeinträchtigung im Sinne der Schutzziele des Isos darstellt. Zur Erhaltung der hohen Qualität des Ortsbildes Kirchhofen ist die Rückzonung des gesamten betroffenen Gebietes oder mindestens eines Teils davon zu prüfen.» Im gleichen Protokoll steht auch, wie der Gemeinderat mit dem Gutachten umgeht: Diesem komme nur empfehlender Charakter zu, heisst es da. Verbindlich sei für den Rat die Stellungnahme der Obwaldner Kulturpflegekommission. Bei dieser stösst der Antrag auf eine Rückzonung offenbar auf Unverständnis. Sie lässt verlauten, dass die ENHK damals den Zeitpunkt, gegen die Einzonung der Hofmatt einzusprechen, verpasst habe.

Droht auch vom WWF eine Einsprache?

Indessen: Ins Gewicht fallen dürfte nun vor allem ein Entscheid des Bundesgerichts von 2009. Danach besteht für Gemeinde und Kanton eine Pflicht, die Isos-Bundesinventare zu berücksichtigen. Daran erinnert jetzt der Innerschweizer Heimatschutz (IHS). Sein Geschäftsführer Andreas Stäubli bestätigt auf Anfrage: «Der IHS hat dieser Tage Einsprache gegen den vorliegenden Quartierplan erhoben. Wir stossen uns insbesondere an der Höhe und dem Volumen. Und auch daran, dass das Gutachten der ENHK bei der Auflage nicht beiliegt.»

Der WWF Unterwalden klärt derzeit ab, ob er in letzter Sekunde noch Einsprache einreicht. ­Vizepräsident Roland Riek hält dazu fest: «Die geplante Überbauung schränkt die einmalige Integration der Natur im Dorf Sarnen erheblich ein und drängt sie dadurch aus dem Dorf.»


2 Leserkommentare

Anzeige: