Helikopter scannen Freileitungen

OBWALDEN ⋅ 38 Kilometer Höchstspannungsleitungen gibt es im Kanton. Swissgrid erfasst die Leitungen nun in der ganzen Schweiz zum ersten Mal digital. Dafür müssen sie mit Helikoptern überflogen werden.
12. August 2017, 05:00

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@ obwaldnerzeitung.ch

Die nationale Netzgesellschaft Swissgrid AG betreibt, modernisiert und unterhält das Schweizer Höchstspannungsnetz, also die 380-/220-kV-Leitungen und die Unterwerke. Damit für Planung, Bau, Instandhaltung oder Auskünfte im Umfeld der Leitungskorridore immer die aktuellen Daten zur Verfügung stehen, muss Swissgrid die Dokumentation über die Leitungen und die Unterwerke regelmässig aktualisieren. In Obwalden ist das für drei Gemeinden wichtig, weil sie diese Daten beispielsweise für die Bearbeitung von Baugesuchen im Leitungsumfeld brauchen. Durch Obwalden führen nämlich zwei 220-Kilovolt-Leitungen: Ein 18 Kilometer langer Abschnitt der Leitung Innertkirchen–Mettlen verläuft über das Gebiet von Giswil, Lungern und Sarnen. 10 Kilometer der Leitung Bickigen–Innertkirchen liegen in Lungern und Giswil.

Aufgrund der technischen Entwicklung setzt Swissgrid bei der aktuellen Aktualisierung zum ersten Mal auf eine durchgängige digitale Lösung. Die Leitungen und Unterwerke werden mit digitaler Luftfotografie und modernster Scantechnik vollständig dreidimensional erfasst. Dazu kommen neben den Laserdaten auch Orthofotos und Schrägbilder von jedem Mast. Die Aufnahmen werden mit Helikopterflügen gemacht. Kürzlich hat Swissgrid die betroffenen Gemeinden mit einem Schreiben über die Flüge informiert. Durch die Flüge würden auch Wohngebiete tangiert, und es könne zu vereinzelten Lärmimmissionen kommen, heisst es darin.

Daten geben auch Auskunft über Leitungszustand

Fast zwei Drittel des heutigen Übertragungsnetzes wurden in den 1950er- und 60er-Jahren gebaut. Die Dokumentation der Leitungen sei daher oftmals nur in Papierform und in unterschied­licher Ausführung vorhanden, erklärt die Swissgrid auf Anfrage. «Ein Digitalisieren dieser Papierpläne ist wenig effizient, da sich seit der Erstellung der Leitungen – abgesehen von den laufenden Instandhaltungsarbeiten – das Umfeld der Leitungen stark verändert hat», sagt Mediensprecher Patrick Mauron. Mit der heutigen Technik sei es effizienter, die Leitungen neu aufzunehmen und einheitlich dreidimensional abzubilden.

Die Daten der Helikopteraufnahmen werden zu digitalisierten 3D-Leitungsmodellen verarbeitet. Diese dienen dann als Grundlage für Leitungsberechnungen, Analysen und Simulationen. Berechnet und analysiert wird beispielsweise, wie sich Sonne, Wind oder Temperaturen auf die Infrastruktur auswirken, aber auch Bodenabstände, elektrische Leitungsparameter oder elektromagnetische Felder werden aufgezeichnet. «Vorteil der 3D-­Leitungsmodelle ist, dass unterschiedliche Last- und Umwelt­- bedingungen simuliert und Änderungen an Leitungen und deren Umgebung nachgeführt werden können. Die Daten geben also auch Auskunft über den Zustand der Leitungen», erklärt Mauron.

Swissgrid: Datenschutz wird eingehalten

Bei den Helikopterflügen wird ein Leitungskorridor von 200 Metern Breite erfasst. Um sämtliche Daten für einen Korridor zu erfassen, braucht es nur einen Flug auf einer Höhe von 200 bis 300 Metern. Swissgrid betont, dass man die Bestimmungen des Datenschutzgesetzes einhalte und das Daten-/Bildmaterial ausschliesslich für die genannten Zwecke verwende. Grundsätzlich können die Helikopterflüge nur an windarmen und regenfreien Tagen durchgeführt werden. «Die Flüge für die beiden Leitungen in Obwalden sind aktuell in den Wochen vom 11. bis 17. September und vom 2. bis 8. Oktober geplant. Aufgrund der Grösse des Projekts und der Wetterbedingungen ist es aber möglich, dass die Leitungen vor oder nach dem geplanten Zeitraum erfasst werden», so Swissgrid-Sprecher Mauron. Zwei Etappen seien nötig, weil das Verarbeiten der aufgenommenen Daten sehr aufwendig und zeitintensiv sei.


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