Neue Serie von Kinderbüchern: Hudlä und Läsi statt Pippi Langstrumpf

OBWALDEN ⋅ Historische Inhalte, verpackt in spannende Geschichten in Bilderbuchform – zwei Obwaldner planen eine Serie von Kinderbüchern rund um «die Wilden». Das Geld für den ersten Band soll eine Crowdfunding-Aktion bringen.
13. November 2017, 05:00

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@obwaldnerzeitung.ch

Hudlä und Läsi, der Wildmann und das Wildweib, die in der Tradition der Älplerchilbi bis heute eine wichtige Rolle spielen, waren eigentlich Menschen, die aus der Dorfgemeinschaft verstossen waren. «Und solche Wilden, die ausserhalb der Gesellschaft leben, gibt es überall», sagen die ­ in Giswil aufgewachsenen Ueli Niederberger und Lukas Egger. «Diese ‹Outlaws› passten einfach nicht ins Dorf. Die Wilden und auch viele andere Sagengestalten waren aber auch Freie, die sich einfach nicht an gängige Konventionen hielten.» Für Niederberger und Egger sind sie damit perfekte Figuren für spannende Kinderbücher. Figuren, die durchaus an Kinderhelden wie Pippi Langstrumpf, die rote Zora oder Momo erinnern.

«Für Kinder ist die Auseinandersetzung mit der Norm ein allgegenwärtiges Thema. Sie stehen in ständigem Konflikt zwischen Anpassung und Individualität», erklärt Ueli Niederberger. Die Idee ihres Projekts: Sagen und Mythen aus dem Herzen der Schweiz in Bilderbuchform den Kindern näherbringen. «Dabei flechten wir alte Bräuche, Traditionen und Eigenheiten in die Geschichten ein. Wir wollen sie damit vor dem Vergessen bewahren», sagt Ueli Niederberger, der für die Texte zuständig ist. Zielgruppe der Buchserie sind Kinder von 5 bis 10 Jahren sowie deren Eltern, Grosseltern und Angehörigen. «Beim gemeinsamen Lesen und Erzählen entstehen die natürlichen, klassischen Gesprächsgelegenheiten, in denen man den Kindern von früher erzählen kann», sind Niederberger und Egger überzeugt. «Wir wollen Brücken zwischen den Generationen schlagen.»

Auf Facebook erzählen die Helden bereits Geschichten

Die Hauptperson ist Peter, ein Bub, der von zu Hause wegläuft, weil er sich in seiner Familie, im Dorf und in der Schule nicht akzeptiert fühlt. In den Bergen wird er von den Wilden in ihre Gemeinschaft aufgenommen – ein Haufen «schräge Vögel», die aus verschiedenen Gründen im Dorf nicht willkommen sind. Jedes Buch soll etwa 30 Seiten umfassen, mit einem grossen Bild pro Seite. Viel Arbeit für Illustrator Lukas Egger, der die Figuren lieb und überhaupt nicht bedrohlich darstellen wird. Rund 20 Stunden investiere er schon pro Bild. «Für mich stellt sich die Frage, wie ihre Welt aussehen soll. Ich mache unzählige Skizzen, bis die Stimmung und das Gefühl, das ein Bild vermitteln soll, eingefangen ist – das ist schon ein längerer Prozess.» Einen kleinen Vorgeschmack kann man sich bereits bei Facebook holen. Da haben alle Figuren aus der Buchserie bereits ihre eigenen Profile und erzählen Sagen und Geschichten – mit guter Resonanz, sagen die beiden Autoren.

Buchserie steht und fällt mit der Crowdfunding-Aktion

Doch bevor sie nun an ihrem ersten Band arbeiten können, gilt es für Ueli Niederberger und Lukas Egger die nötigen Finanzen aufzutreiben, damit sie die Serie im Eigenverlag herausbringen können. Rund 50 000 Franken seien dafür nötig. Bereits haben die Obwaldner Kulturförderung und die Kantonalbank Beiträge zugesichert. 25 000 Franken sollen in einer 60-tägigen Crowd­funding-Aktion auf der OKB-Plattform «Funders» aufgetrieben werden. Gestartet wird am 20. November. Die Umsetzung würde im Sommer geschehen, im September 2018 soll das Buch erscheinen. «Das Projekt steht und fällt mit dem Erfolg dieser Aktion», sagt Ueli Niederberger. Es wäre ein herber Rückschlag, falls sie es nicht schaffen sollten.

Dass Ueli Niederberger und Lukas Egger mit so viel Herzblut in ihrem Projekt aufgehen, liegt nicht zuletzt am Vater von Ueli Niederberger. Der verstorbene Giswiler Lehrer Hanspeter Niederberger war der bekannte Sagenforscher und Autor des Buches «Geister, Bann und Herrgottswinkel». Kein Wunder, wuchs Sohn Ueli mit Sagen und alten ­Erzählungen auf. Heute lebt der ausgebildete Psychologe und Lehrer mit seiner Familie in Schweden. «Dank Skype ist die Zusammenarbeit mit Lukas kein Problem», sagt Niederberger, der nur für die Crowdfunding-Aktion einige Tage in die Schweiz kam.

Auch Lukas Egger hat als Schüler von Hanspeter Niederberger einen nahen Bezug zu Sagen und Geschichten aus der Innerschweiz bekommen. «Das war eine prägende Zeit.»

Und beide haben auch schon einschlägige Erfahrungen mit den Wilden. Ueli Niederberger verkörperte in der Älplergenossenschaft Giswil zwei Jahre lang das Wildweib und verfasste die Älplersprüche. Lukas Egger, der heute in Zürich als freischaffender Künstler und ­Filmemacher arbeitet, drehte unter anderem einen Dokumentarfilm über die Älplerchilbi und die Wilden von Giswil.

Hinweis

www.wildmaa-verlag.ch  oder info@wildmaa-verlag.ch 


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