Im ersten Jahr gibt’s 2000 Flaschen

OBWALDEN ⋅ Trotz frostigem Frühling gab es im neuen Rebberg des Klosters Engelberg am Bielersee wider Erwarten einen Vollertrag. Der erste Jahrgang des Klosterweins weckt grosse Erwartungen.
12. November 2017, 05:00

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@obwaldnerzeitung.ch

«Der Wein hat Potenzial. Ich erhoffe mir einen typischen Bielersee-Chasselas – spritzig, frisch und fruchtig, ideal zum Aperitif oder zu leichteren Speisen.» Der Kellermeister des Klosters und Pfarrer von Engelberg, Pater Patrick Ledergerber, konnte sich bei einem Ausflug der Mitbrüder und von Mitarbeitern des Klosters zum Weingut Engelberg schon nach einer frühen Tankprobe über das Ergebnis der Ernte des ersten eigenen klösterlichen Weins freuen. Dieses Jahr hat sich das Kloster den drei Hektar grossen Weinberg «Engelberg» am Bielersee in Wingreis bei Twann, den es bereits im frühen Mittelalter besass und 1433 veräusserte, wieder zurückgekauft. Aus einem Hektar davon wird künftig der eigene Engelberger Klosterwein stammen. Produziert wird er vom einheimischen Winzer Beat Burkhardt, der dieses Jahr die begehrte Auszeichnung als Berner Winzer des Jahres erhalten hat. «Das Kloster hat sich eine wirklich gute Parzelle gesichert. Hätten sie nicht zugegriffen, hätte ich sie selber gekauft», sagt Burkhardt.

Ertrag ist grösser als der Eigenbedarf

Gegen 1900 Kilo Chasselas-Trauben hat Beat Burkhardt für das Kloster auf der kleinen Klosterparzelle Ende September geerntet und daraus rund 1500 Liter Traubensaft gepresst. Für ihn, der sonst eigene Weine produziert, sei die Lohnkelterung für das Kloster Engelberg sehr speziell: «Eine grosse Ehre und Freude. Und es ist eine grosse Chance für unsere Weinregion, im Engelbergertal Fuss zu fassen.» Und ein wenig scheint sich auch der Herrgott am klösterlichen Weinberg zu freuen – obwohl der Frost im April viele Winzer im ganzen Land schwer traf, hatte man im Weingut Engelberg praktisch Vollertrag. «Wir sind vor allem wegen der Lage am See verschont geblieben», sagt Beat Burkhardt. Er habe zuerst auch Schlimmeres befürchtet.

Rund 2000 Flaschen Weisswein wird das Kloster Engelberg aus dieser ersten Ernte erhalten. Ab nächstem Jahr, wenn auch die jetzt noch verpachteten Teile des Rebbergs für das Kloster geerntet werden, rechnet Pater Patrick aufgrund der hohen Qualitätsansprüche des Klosters vorsichtig mit 7000 bis 8000 Flaschen jährlich – drei Viertel davon Weisswein, ein Viertel Rotwein aus Pinot Noir-Trauben.

Der Most für den ersten Engelberger Klosterwein kam Ende September für 10 Tage zur ersten Gärung in den Stahltank, dann folgten der Abstich von der Hefe und der Umzug in einen anderen Tank, wo bis Ende Dezember die zweite Gärung erfolgt. Nachher wird er filtriert und bis im späten Frühjahr im Stahltank gelagert, bevor er von einem prominent zusammengesetzten Qualitätsgremium geprüft und schliesslich abgefüllt wird. «Vermutlich in braune Berner Flaschen», verrät Pater Patrick. Definitiv sei das aber noch nicht entschieden. Auch die Gestaltung der Etikette sei noch offen, daran werde unter Hochdruck gearbeitet.

«Die optimale Trinkreife wird der Wein ab Mai 2018 für mindestens zwei Jahre haben», sagt Winzer Beat Burkhardt. Das Kloster möchte seinen Gästen beim 900-Jahr-Jubiläum im Jahr 2020 eigenen Wein ausschenken, was ein gewichtiger Grund für den Kauf des Weinbergs war. Es sei denkbar, dass man in den nächsten beiden Jahren ein gewisses Quantum fürs Jubiläum reserviere, meint Pater Patrick.

Das Kloster braucht Wein, den der Kellermeister bis jetzt von verschiedenen Winzern einkaufte, für die Klostergemeinschaft, für Apéros, Bankette und weitere Anlässe im Kloster sowie die zahlreichen Gäste der eigenen Gastabteilung. Auch künftig werde man Wein andernorts ­zukaufen, um eine gewisse Abwechslung beizubehalten. «Da der Ertrag auf unserem Rebberg etwas grösser ist als der Eigenbedarf, wird ein Teil auch gezielt in den Verkauf kommen. Zudem haben wir bereits etliche Anfragen von einheimischen Restaurants, die den Engelberger Klosterwein anbieten möchten», freut sich Kellermeister Pater Patrick.


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