Im Kloster von Sarnen leben künftig drei Schwesterngemeinschaften

OBWALDEN ⋅ Anstelle eines Spatenstichs enthüllte am Mittwoch Äbtissin Maria Pia Habermacher an der Aussenmauer des Frauenklosters ein riesiges Plakat. Dieses weist auf das neue Benediktinische Zentrum mit Investitionen von 13,5 Millionen hin.
Aktualisiert: 
08.11.2017, 21:00
08. November 2017, 11:30

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

 

«Vor uns steht ein Neuanfang, der uns sehr herausfordert, aber gleichsam auch eine grosse Chance für alle ist», sagt die Sarner Äbtissin, Schwester Maria Pia Habermacher. Dabei spricht sie die gemeinsame Zukunft von drei Benediktinischen Klostergemeinschaften an, die heute alle überaltert sind. Da ist ihre eigene im Sarner Kloster St. Andreas mit nur noch sieben Schwestern. Da ist aber jene vom Kloster Melchtal mit 13 und die aus Wikon im Kanton Luzern mit neun Schwestern. Alle sollen ab 2018 in Sarnen ihren Alterssitz finden.

Keine dieser drei Gemeinschaften – zur Blütezeit zählten sie bis zu je 70 Klosterfrauen – könnte mehr alleine überleben. «Deshalb haben wir entschieden, dass wir die verbleibenden Kräfte in unseren Klosterbauten in Sarnen bündeln möchten», erklärt Schwester Maria Pia im Namen aller betroffenen Benediktinerinnen. Zwar soll jede der drei Gemeinschaften am neuen Ort einen Teil ihres Eigenlebens in separaten Häusern bewahren. Miteinander aber möchten die Klosterfrauen – wieder als grössere Gemeinschaft – für andere Menschen da sein. «Darauf freuen wir uns und sind dankbar, diese Möglichkeit zu haben», sagt die Sarner Äbtissin. Sozusagen als Startsignal für den Baubeginn enthüllt sie zusammen mit allen Helfern und Gönnern an der Klostermauer ein riesiges Plakat mit der Aufschrift «Hier entsteht das Benediktinische Zentrum – bitte helfen Sie mit».

Äusserlich verändert sich wenig

Betrachtet man das Plakat, das nun an der Klostermauer prangt, entdeckt man darauf kaum einen störenden Eingriff in die teils barocken Bauten. Genau dies ist ein Grund dafür, dass der Luzerner Architekt Fabian Kaufmann (Büro Konstrukt) den Wettbewerb gewonnen hat. «Ausser einem sanft angepassten neuen Übergang vom Josefshaus zum Zentrum greifen wir äusserlich nicht in die schönen, alten Bauten ein», versichert der Fachmann. Hingegen würden im Innern der drei Häuser lichtsame und auch sichere Gemeinschaftsräume und schöne, helle Zimmer für die einzelnen Schwestern entstehen. Im Haus Nazareth – wo auch die Kulturgüter geschützt bleiben und die Wäscherei Platz findet – wohnen künftig die Schwestern aus Wikon. Die Melchtalerinnen erhalten ein neues Heim im Josefshaus. Über ihnen, im Dachstock, baut man Pflegezimmer. Die St.-Andreas-Schwestern aus Sarnen beziehen neu den barocken Süd-Trakt, wo auch eine frische Küche und der gemeinsame Speisesaal entstehen.

Mit Vorfreude weist Vordenker Hans Wallimann (Projektleiter der Zukunftsgruppe «Ort der Begegnung») auf jenen Bereich hin, in dem sich das Kloster künftig öffnen wird. «Es lohnt sich, im Haus Benedikt nahe beim Sarner Jesuskind ein Klostercafé, einen Klosterladen und auch einen Raum für Begegnungen, einzurichten», ist sich der alt Regierungsrat gewiss. Wenn ältere Schwestern mit Lebenserfahrung für Menschen ein offenes Ohr hätten, sei dies ein grosser Gewinn. Sein geheimer Wunsch: «Dass die neue Ausstrahlung in den nächsten 15 Jahren wenigstens fünf junge Frauen dazu bewegt, ins Kloster einzutreten!»

Anschubfinanzierung gesichert

Hauptinitiant Hanspeter Kiser (Präsident Stiftungsrat Ora et Labora) weiss, dass die Kosten von 13,5 Millionen Franken hoch erscheinen. «Viel Geld müssen wir für Sicherheitsmassnahmen und Brandschutz aufwenden», gibt er zu bedenken. «Die Anschubfinanzierung für die Planung und die ersten Schritte der Realisierung ist mit einem 5-Millionen-Darlehen von Dritten gesichert.» Für die Beschaffung der fehlenden 8,5 Millionen lanciere man eine grosse Spendenkampagne. In Sarnen wird mit den Bauarbeiten unverzüglich begonnen. Im August 2018 «zügeln» die Sarner Schwestern in ihre neuen Räume, im Oktober kommen die Klosterfrauen aus Wikon, im Dezember die Melchtalerinnen. Sind erst einmal alle in Sarnen, wird die Planung des Ortes der Begegnung an die Hand genommen.


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