Im Zonenplan muss Rechnung aufgehen

SARNEN ⋅ Für die erste Etappe zur Realisierung des geplanten Reitzentrums sollen 1,7 Hektaren eingezont werden. Als Kompensation würden zwei Flächen wieder zur Landwirtschaftszone – eine beim Sachsler Tunnel und eine hinter dem Kino Seefeld.
13. Juni 2017, 20:52

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

Man kennt das «Spiel» in Obwalden: Wo Bauland eingezont wird, muss andernorts Bauland ausgezont werden. Dies schreibt der Bund vor. Der Grundsatz gilt so lange, bis der kantonale Richtplan überarbeitet und genehmigt ist. Von dieser Kompensationspflicht betroffen ist auch ein Teil des geplanten Pferdesportzentrums in Kägiswil (Ausgabe vom 10. Juni).

In einer ersten Etappe sollen knapp 17 000 Quadratmeter von der Landwirtschaftszone in die Spezialzone Pferdesport umgezont werden – das ist gut ein Viertel der geplanten Gesamtfläche für den Pferdesport. Dies bedeutet, dass andernorts in der Gemeinde eine gleich grosse Fläche wieder der Landwirtschaftszone zugeführt – also ausgezont – werden muss. Aber wo?

Gemäss Planungsbericht der Gemeinde Sarnen sind dafür zwei Flächen vorgesehen, die sich derzeit in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen befinden.

Eine 2800 Quadratmeter grosse Parzelle im Bereich des Nordportals des Sachsler Tunnels, südlich des Skateparks Sarnen. Diese Wiese – sie wird bereits heute landwirtschaftlich genutzt – ist im Besitz des Kantons.

Rund 14000 Quadratmeter gross ist die zweite Fläche. Es handelt sich dabei um Wiesland zwischen der Sarner Minigolf­anlage und der Brünigstrasse, südlich des Kinos Seefeld. Die Parzellen – sie gehören der Gemeinde und dem Frauenkloster – liegen ebenfalls in der öffentlichen Zone, werden aber seit Jahren landwirtschaftlich genutzt.

An der turbulenten Infoveranstaltung von vergangener Woche gaben unter anderem auch diese Auszonungen zu reden, vor allem jene beim Sachsler Tunnel. Der kleine «Hoger» zwischen A8 und Brünigstrasse könne doch niemals als gleichwertiger Ersatz für das wertvolle Landwirtschaftsland in Kägiswil genutzt werden, monierten verschiedene Bürger. Ivo Näpflin, Projektleiter Planung bei der Gemeinde Sarnen, erklärt: «Am Grundeigentum ändert sich nichts.» Die Kompensation dürfe nicht mit dem Thema Realersatz verwechselt werden. Der «Hoger» bei der Tunneleinfahrt erhalte im Zonenplan lediglich eine andere Farbe.

Erste Etappe für Gestüt von Obrist-Bettermann

Die erste Etappe betrifft den Hof Triechten und einen kleinen Teil des Hofs Engelmattli. Hier sollen künftig Sportpferde ausgebildet werden. Der Hof Triechten ist seit Generationen im Eigentum der Familie Fanger aus Sarnen, wie es im Planungsbericht heisst. Der derzeitige Pächter nutzt den Stall für Rindviehhaltung und Heulagerung und wird es auch weiterhin tun. Die Familie Fanger stellt jedoch laut Planungsbericht «einen Teil der Parzelle für den Aufbau eines Gestüts zur Verfügung». Aufgebaut und betrieben wird das Gestüt dann von Bianca Obrist-Bettermann. Die 29-jährige Tochter des Grossunternehmers Ulrich Bettermann (OBO Bettermann AG, Wolfenschiessen) wohnt derzeit mit ihrer Familie in Schoried und betreibt seit Jahren Pferdesport. Die Familie wird voraussichtlich nach Kägiswil auf den neuen Reithof ziehen. Geplant ist deshalb gemäss Planungsbericht neben einer neuen Reithalle mit Reitstall, Reitplatz und Personalhaus auch ein neues Wohnhaus für die Gestütbesitzerin.

Diese Tatsache sorgte ebenfalls für etwas Stirnrunzeln an der Infoveranstaltung. Hinter vorgehaltener Hand wurde etwa die Frage aufgeworfen, ob sich die Gemeinde für jeden Bürger, der einen Reithof aufbauen will, so ins Zeug legen würde – oder ob hier der Name Bettermann eine Rolle gespielt haben könnte. Ivo Näpflin stellt klar: Der Hof Triechten bilde die erste Etappe, weil er direkt an der Brünigstrasse liege und für die Erschliessung des gesamten Reitzentrums zuerst eingezont werden müsse. Die Besitzverhältnisse spielten dabei keine Rolle, so Näpflin.


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