Integration klappt auch dank Gugge

OBWALDEN ⋅ André Pinto ist trotz Handicap Teil der Gibelguuger Lungern. Er spielt Posaune, als ob er nie etwas anderes gemacht hätte. Mit Hilfe der Gugge hat er sogar einen Praktikumsplatz gefunden.
01. Februar 2018, 05:00

Lea Kathriner

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

André Pinto scheint schon immer Posaune gespielt zu haben. Eigentlich erstaunlich, dass dieser junge Mann, der bei der Stiftung Rütimattli zur Schule gegangen ist, erst seit zwei Jahren Teil der Lungerer Gibelguuger ist.

Aber wie heisst es doch so oft? «Aller Anfang ist schwer.» Dies gilt auch für Pintos Geschichte, die eng mit dem Engagement des Guggen-Präsidenten Sepp Berchtold verbunden ist. Als sich Pinto vor zwei Jahren am Neumitgliederabend entschied, der Gugge beizutreten, waren einige Mitglieder kritisch – sie kannten ihn nicht, da er nicht im Dorf zur Schule gegangen war, und sie wussten, dass er in der Stiftung Brändi arbeitete. Man vereinbarte eine Probezeit, die Pinto wortwörtlich nahm. In den vier Ferienwochen übte er so oft Posaune, dass sich sein Nachbar fragte, ob ein Musiker neu eingezogen sei. «Ich habe einfach geübt, bis der Ton gekommen ist», erklärt der 19-Jährige. «Am Anfang war es etwas schwierig, aber ich habe einfach den Musikanten neben mir zugehört und es so gut gelernt.»

Die Vorurteile sind schnell verflogen

Die anfänglichen Bedenken legten sich, als Pinto die Schnuppermonate mit der gemieteten Posaune hinter sich hatte und viele Gibelguuger positiv überrascht waren ob seinem Können. Guggenmitglieder, die am Anfang skeptisch waren, entschuldigten sich beim Präsidenten. Nun zogen alle am selben Strick – nach dem Motto: «Das probieren wir aus!»

André Pinto trug seinen Part dazu bei, öffnete sich, sprach Guggengspändli aktiv an. Auch während des ersten Probeweekends im Melchtal bot sich die Möglichkeit, das Neumitglied besser kennen zu lernen – und umgekehrt. Dem Lungerer Fasnächtler mit portugiesischen Wurzeln ist es wichtig, dass «es alle gut miteinander haben».

Inzwischen ist André Pinto definitiv ein Gibelguuger. Von seinen Kameraden hört er Komplimente wie: «Das machst du super.» Und sie ergänzen bei ­Probenbesuch unserer Zeitung gleich selber: «Ein Clown im Positiven» sei er, «ein ganz Lieber». «Er hat Freude an dem, was er macht.» «Er gibt sich extrem viel Mühe.» Und immer wieder: Pinto ist «hilfsbereit», «pflichtbewusst», er ist immer «fir eppis z ha». Der 19-Jährige hat mittlerweile sogar ein Ämtchen im Bar-Team übernommen und kümmert sich im Vereinslokal um einen vollen Kühlschrank.

André Pinto hat durch die Gibelguuger Bekanntschaften mit jungen Leuten geschlossen, mit denen er auch ausserhalb der fünften Jahreszeit ab und zu ausgeht. Man kennt ihn nun auch in Lungern. Pinto meint gar: «Es geht einem einfach viel besser, ich bin gut drauf. Nun bin ich offener und rede mit den Leuten.»

Gibelguuger feiern runden Geburtstag mit grossem Fest

Guggenpräsident Sepp Berchtold sagt: «Es wäre schade, wenn wir ihn nicht hätten, er hat unsere Erwartungen wirklich übertroffen. Er ist interessiert und kennt die Leute.» Berchtold war es, der dem jungen Lungerer auch zu einem Praktikumsplatz bei der Egger Enertech AG in Sarnen verholfen hat.

Wie es nach fünf Monaten Praktikum weitergeht, wird sich nach der Fasnacht zeigen. Diese hat nun vorerst Priorität: Die ­Gibelguuger feiern heuer ihr 30-Jahr-Jubiläum mit einem grossen Fest am Fasnachtssamstag vom 10. Februar. Und es stehen viele weitere Auftritte an. Worauf freut sich André Pinto besonders an der diesjährigen Fasnacht? «Eigentlich auf alles! Und natürlich darauf, neue Leute kennen zu lernen.»


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