Kantonsschule lädt Start-ups ein

SARNEN ⋅ Dort wo Schüler dem akademischen Weg folgen, stellten Jungunternehmer ihr Handwerk vor. Der Anlass «Die Kantonsschule lädt ein» zog fast 100 Teilnehmer an.
11. November 2017, 10:14

Patricia Helfenstein-Burch

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Wir hatten keinen klaren Businessplan, aber grosse Leidenschaft für unser Handwerk und den Wunsch nach Selbstständigkeit.» Diese Aussage kam von allen drei Vertretern der Jungunternehmen, die sich am Donnerstag in der Kantonsschule Sarnen vorstellten. Fast 100 Teilnehmer folgten dem Anlass. Sarah Bürgi von der Kaffeerösterei 13/15 gründete die Sarner Firma zusammen mit Susanne Gruss in der Meinung, Obwalden brauche eine Kaffeerösterei. Auf die Frage, ob für sie auch ein akademischer Weg in Frage gekommen wäre, verneinte Bürgi: «Dazu war ich in der Schule zu minimalistisch! Aber da, wo ich jetzt bin, gebe ich alles.»

Dominik Gasser aus Lungern brauchte nach Abschluss seiner Schreinerlehre eine neue Brille und kam auf die Idee, das Gestell selber zu produzieren. Sein Optiker ermutigte ihn, weitere Brillen herzustellen. So entschied sich Gasser, seine eigene Firma zu gründen, mit der er heute über 22 Brillengeschäfte beliefert. «Für mich ist es wichtig, dass die Qualität stimmt. Da ich jede Brille in Handarbeit herstelle, kann ich zu 100 Prozent dahinterstehen.» Aber nicht nur das Handwerk sei wichtig, so Gasser. «Ich habe auch Anfragen von Geschäften aus der französischen Schweiz und wäre froh, wenn ich in der Schule im Fach Französisch etwas mehr aufgepasst hätte.»

Neben Wachstum zählt auch Zufriedenheit

Markus Hurschler war als Vertreter der Pastarazzi GmbH vor Ort. Ihm und den beiden anderen Teilhabern Benito Omlin und Kim Zumstein ist nebst der kompromisslosen Qualität der Produkte die Ethik im Unternehmen sehr wichtig: «Nachdem die 2012 gegründete Firma stetig gewachsen war, kam vor einem Jahr die Zeit für eine Standortbestimmung», so Hurschler. «Die Hauptfrage, die wir uns stellten, war nicht, wie wir noch grösser werden können. Unser Bedürfnis nach Zufriedenheit rückte immer mehr in den Vordergrund.» Zufrieden sein sollen laut Markus Hurschler auch die 30 Mitarbeiter, die Hälfte davon im Vollpensum, die in den drei Geschäften und im neuen Eventlokal in Sarnen arbeiten.

Die Inhaberinnen der Kaffeerösterei 13/15 gehen nebst dem Engagement in der eigenen Firma noch einer Tätigkeit als Angestellte nach. Ihre Zukunft sehen sie in der Vollzeitbeschäftigung im eigenen Unternehmen. Der Lungerer Brillenhersteller Gasser lebt schon seit 4 Jahren von seiner Brillenproduktion und hat sich ein vorsichtiges Wachstum als Ziel gesetzt.

Als gewiefter Moderator führte Jonas Wieland durch den Abend. Der Mitinhaber der Kaminfeger-Plus GmbH und Präsident des Jungunternehmerclubs Obwalden kannte Freud und Leid der Jungunternehmer bestens.

Wo sind die Anlaufstellen für Start-ups?

Die drei Firmenvertreter stellten fest, dass sie bei der Firmengründung froh gewesen wären, wenn es eine konkrete Anlaufstelle für Jungunternehmen gegeben hätte. Zum Glück hätten sie Eltern, Freunde oder auch Kunden darauf hingewiesen, dass nebst der Produktion auch die Rendite im Auge behalten werden müsse. Der Moderator gab die Frage nach Anlaufstellen für Jungunternehmer an Kantonsratspräsidentin Helen Keiser-Fürrer weiter, die im Publikum sass. «Es gibt verschiedene Fördermöglichkeiten für Start-up-Firmen in Obwalden, so zum Beispiel der Micropark Pilatus in Alpnach oder die Standortpromotion Obwalden», antwortete Keiser-Fürrer.

Thomas Peter, als Vertreter der Kantonsschule Obwalden, verabschiedete die Teilnehmer mit den Worten: «Sie sehen hier, dass auch aus einem Minimalisten ein Maximalist werden kann, wenn er das macht, was er gerne macht.»


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