Das Kernser Alpwesen war seine Herzenssache

OBWALDEN ⋅ Während 16 Jahren als Ratsmitglied, wovon 10 als Präsident, hat Niklaus Ettlin die Korporation und Alpgenossenschaft mitgeprägt. In dieser Zeit wuchs die einstige «Bruderschaft» mehr und mehr zum Grossunternehmen heran.
29. Dezember 2017, 08:00

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Als ich das Präsidium der Kernser Korporation und Alpgenossenschaft übernahm, brauchte das erfolgreiche Unternehmen dringend neue Strukturen», er­innert sich der Kernser Niklaus Ettlin. Die Bahnen entwickelten sich. Das Sportcamp kam dazu. Um immer mehr Geld ging es da. Für den heute 58-jährigen Ingenieur Agronom – er übt im Landwirtschaftsdepartement Obwalden eine leitende Funktion aus – war das Kernser Alpwesen immer auch Herzenssache. Genau wie das Politisieren. «In unserer Familie wurde viel diskutiert, deshalb habe ich, genau wie meine vier Brüder und zwei Schwestern, gerne Aufgaben in der Öffentlichkeit übernommen», sagt Ettlin. 2001 wurde er in den Rat gewählt, und schon fünf Jahre später sollte er als frischgebackener Präsident der Korporation mit einer Gesamtrevision und der Erneuerung des Grundgesetzes frische Strukturen geben.

Ettlin war für diese Aufgabe der richtige Mann am richtigen Ort. «Mit der Verlosung der Alpen von sechs auf zwölf Jahre wollten wir die Sicherheit der Bewirtschafter erhöhen», besinnt sich Ettlin. Ein Riesenschritt. Beim ersten Anlauf wurden die Erneuerungen an der Urne noch abgelehnt. Als der Präsident nach den Gründen forschte, belehrte ihn ein alter Bauer: «Beim ersten Mal lehnen wir so etwas immer ab, ihr habt ja noch Zeit.» Beim zweiten Anlauf ging dann die Neuerung reibungslos durch. Für Ettlin ist und bleibt die neu ge­regelte Alpverlosung ein Höhepunkt in seiner Amtszeit. «Ich war als Bub jeden Sommer in der Wildi ‹z Alp›, und dies lasse ich mir auch heute noch nicht nehmen», gesteht der scheidende Präsident der Alpgenossen.

Mit Zinsen, die die Korporation von Bewirtschaftern einfordert, wurden in den letzten Jahren alle Gebäude unterhalten und saniert. «Im Ganzen unterhält die Alpgenossenschaft 74 Gebäude, die inzwischen alle die Anforderungen des Tierschutzes erfüllen», bemerkt Ettlin. Seine grosse Liebe zu Tieren und Natur stellt er als Hobbyfotograf immer wieder unter Beweis.

Bahnen überforderten die Korporation

Die wichtigste Finanzquelle der Korporation Kerns sei das gut funktionierende Kleinkraftwerk, so Niklaus Ettlin. Ferner sorgten auch Wasserzinsen und Zinsen aus Alpen und Liegenschaften für Einnahmen. «Gewinne zu machen – zum Beispiel mit dem Verkauf von Land –, ist nicht unser Ziel», betont er. Auch heute denke man noch immer landwirtschaftlich.

Die grössten Investitionen tätigte die Korporation in den Betrieb und in die Erweiterung der Sportbahnen. «Zu Beginn stellte der zuständige Korporationsrat noch jeden Saisonnier selber ein», erinnert sich Ettlin. Doch bei wichtigen Entscheiden im Tourismusgeschäft sei man oft überfordert gewesen. Und so ist denn Ettlin froh, dass die operative und strategische Leitung der Bahnen nach einigen Turbulenzen auch an korporationsexterne Personen übergeben wurde. «Seither meistern ein Leiter und sein Team die jährlich steigenden Herausforderungen gut», weiss Ettlin. Immerhin: Ohne Korporation als Trägerschaft wäre die Bahn auf die Dauer nicht lebensfähig.

Einen Entscheid von grösserer Tragweite fällte die Korpo­ration, als sie dem Militär das Sportcamp Stöckalp mit 43 Gebäuden und 7 Hektaren für 290000 Franken abkaufte. «Seit 2004 betreiben wir es, und selbst wenn wir aufs Ganze einen Verlust, aber keinen Mittelabfluss ausweisen, würden wir es keinesfalls mehr aus den Händen geben», versichert Ettlin. Genauso glücklich ist der naturliebende Bergler darüber, dass die Korporation ihren Teil zur Wiedereinbürgerung des Bartgeiers auf Tannalp leisten durfte. Oder: dass man zur touristisch wichtigen Bergsee-Fischerei einiges beiträgt und auch künftig beitragen will.

Zuversichtlich in die Zukunft

In den zehn Jahren als Präsident der Korporation ist Niklaus Ettlin, wie er sagt, an seiner Aufgabe persönlich gewachsen. Wichtig waren auch Begegnungen. Gerne erinnere er sich an ein Gespräch mit dem chinesischen Gross­investor Yunfeng Gao im Frutt Luxus-Resort. «Da habe ich begriffen, welche Werte für diesen Menschen aus einer mir fremden Kultur wichtig sind, warum er bei uns investiert», sagt Ettlin. Und er ist fest überzeugt: «Melchsee-Frutt ist als Tourismusgebiet gut aufgegleist und hat eine erfolgreiche Zukunft vor sich.» Jedoch wage er zu prognostizieren, dass es in den nächsten Jahren eher um die Konsolidierung der Tourismusbetriebe als um noch mehr Grossinvestitionen gehe.

Selber will sich Niklaus Ettlin künftig im Hintergrund halten. Sein Plan: Zurückkehren zu den Wurzeln auf der Alp, wenn auch stets mit einem wachsamen Auge für alles, was weiter geschieht.


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