Wer least denn eigentlich eine Kuh?

OBWALDEN ⋅ Valda, Hortensia und ihre Mitkühe können auf der Alp Arni-Schwand geleast werden. Eine kreative Art der Käsevermarktung – und eine Gelegenheit für interessante Kontakte, sagt Älpler Urs Müller.
10. Oktober 2017, 05:00

Interview: Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

Die Alpsaison ist vorbei, der Alpkäse hergestellt und die Vermarktung in vollem Gang. Einige Älpler kommen dabei auf kreative Ideen: Sie verleasen ihre Kühe etwa an Käseliebhaber. Unter www.kuhleasing.ch kostet das Voll-Leasing 380 Franken und verpflichtet zur Abnahme von mindestens 30 Kilo Alpkäse.

Beim Teil-Leasing für 200 Franken darf der Kunde wählen, ob er zur Kuh auch noch den Käse möchte. Immer inbegriffen sind ein Zertifikat der Kuh samt Bilderrahmen und ein Besuch auf der Alp. In Obwalden machen die Alpen Matt in Sachseln und Arni-Schwand in Giswil mit. Urs Müller, Käser und Älpler auf Arni-Schwand, ist bereits im zwölften Alpsommer dabei. Im Interview zieht er Bilanz.

Urs Müller, ist das Kuhleasing ein Erfolg?

Ja, in all den Jahren war die Nachfrage sehr stabil. Von den zehn Kühen, die wir zum Leasing anbieten, sind zwar nicht alle reserviert. Aber es lief immer etwas.

Wer least eine Kuh?

Das ist ganz unterschiedlich, es kommen Leute aus allen Gesellschaftsschichten. Oft sind es Menschen, die früher etwas mit der Landwirtschaft zu tun hatten. Es gibt auch Stammkunden, eine Familie aus Basel ist etwa schon seit 2007 dabei. Sie kaufen jedes Jahr 50 Kilo Käse und verkaufen ihn dann unter Verwandten und Bekannten weiter. Kuhleasing ist zudem auch beliebt als Geburtstags- oder Hochzeitsgeschenk.

Was ist die Motivation Ihrer Kunden?

Sie mögen sicher den Käse. Ich merke aber auch eine Sehnsucht nach der Natur. Die Leute wollen das einfache Leben auf der Alp sehen. Viele kommen daher auch wirklich zu Besuch. Wir verschicken den Käse aber auch. Nur dass er wirklich von Hortensia oder Valda stammt, können wir nicht garantieren, denn wir haben 36 Kühe auf der Alp.

Wie profitieren Sie vom Leasing?

Den Käse auf verschiedene Arten zu vermarkten, ist besser, als nur an einen Abnehmer zu liefern. Beim Leasing ist der Käseabsatz von Anfang an klar. Dadurch kann ich mehr produzieren. Es ist aber auch interessant, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen und ihnen die Alp zu zeigen. Es gab in den elf Jahren viele gute und zum Teil auch bleibende Kontakte. Ein Kunde etwa erhielt das Kuhleasing von seiner Frau auf die Pension geschenkt. Er war gleich eine ganze Woche auf der Alp zum Arbeiten und kam dann mehrere Jahre lang jeden Sommer wieder. Ihn hätten wir ohne das Kuhleasing sicher nicht kennen gelernt.

Gab es auch negative Erfahrungen?

Nein, die Leute sind eigentlich immer sehr angenehm. Wir bieten das Kuhleasing sicher weiter an, solange die Nachfrage da ist.

Hinweis

Mehr Infos auf www.arnischwand.ch


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